vorsichtig den Kranz von der Stirn , legte ihn auf einen Teller und stellte beides unter Beethovens Büste . Dann küßte sie den schlafenden Ernst auf die Stirn und sagte den Eltern gute Nacht . 9 » Holla , Else , lauf nicht so ! « schrie der Oberförster , als er am andern Tage , die Büchse über die Schulter geworfen , in der dritten Nachmittagsstunde aus dem Walde trat und quer über die Wiese nach seinem Hause schritt . Elisabeth flog den Berg herab , den runden Hut am Arme , statt auf den Flechten , die im Sonnenglanze weithin leuchteten , und lief , unten am Hause angekommen , lachend in die Arme des Onkels , die er ihr ausgebreitet entgegenhielt . Sie steckte die Hand in die Tasche und trat einen Schritt zurück . » Rate einmal , was ich in meiner Tasche habe , Onkel ? « sagte sie lächelnd . » Nun , was wird ' s denn sein ... Da braucht man sich nicht lange den Kopf zu zerbrechen . Vielleicht ein wenig sentimentales Heu , so einige unter wehmütigen Erinnerungen getrocknete Blümlein ? Oder ein Häuflein gedruckten Weltschmerzes zwischen zwei vergoldeten Pappdeckeln ? « » Bedaure ... zweimal fehlgeschossen , Herr Oberförster ; denn einmal ärgere ich mich ganz und gar nicht über dein Raten , und dann - da , sieh her ! « Sie zog eine kleine Schachtel aus der Tasche und öffnete den Deckel . Da dehnte sich träge auf grünen Blättern eine dicke , zitronengelbe Raupe mit schwarzen Punkten , schrägen bläulichgrünen Streifen und einem gekrümmten Horne am Schwanze . » Alle Tausendsapperment , Sphynx Atropos ! « rief der Oberförster entzückt . » Ja , Blitzmädel , wo hast du denn das Prachtexemplar aufgestöbert ? « » Drüben bei Lindhof auf einem Kartoffelacker ... gelt , die ist schön ? ... So , nun wollen wir die Schachtel hübsch wieder zumachen und einstecken . « » Was , ich bekomme die Raupe nicht ? « » O ja , die kannst du schon haben , das heißt wenn du sie bezahlen willst . « » Alle Wetter , bist du denn ein Handelsjude geworden ? ... Na , da gib sie her ... hier sind vier Groschen . « » Behüte Gott ... unter zwölf Groschen thue ich ' s nicht . Wird doch manch altes verschimmeltes Pergamentblatt , das man kaum anrühren möchte , so abscheulich sieht es aus , gar manchmal mit Gold aufgewogen - sollte da so ein lebendiges Prachtstück der Natur nicht seine zwölf Groschen wert sein ? « » Altes , verschimmeltes Pergamentblatt , na , das sage einmal vor gelehrten Ohren , da wirst du schön ankommen . « » Ach , hier im frischen , freien Walde gibt es keine . « » Nimm dich in acht - Herr von Walde - « » Steckt in den Pyramiden . « » Könnte aber plötzlich kommen und gewisse naseweise Fräulein zur Rechenschaft ziehen , ist ein Haupthahn der Gelehrtenwelt . « » Nun , meinetwegen können sie ihm Denksäulen errichten und Lorbeeren streuen , soviel sie wollen , ich kann es ihm nicht vergeben , daß er über diesem toten Krame die Ansprüche vergißt , die das Leben an ihn zu stellen berechtigt ist , daß er vielleicht nach einem unversehrten Küchenzettel des Lukull oder Gewißheit darüber sucht , ob die Römer in der That ihre Fische mit Sklavenfleisch fütterten , während die Armen auf seinen Gütern hungern und unter der Geißel der Baronin in ein modernes Sklavenjoch getrieben werden . « » Heisa , dem mag sein linkes Ohr klingen ! ... Schade , daß er dies Glaubensbekenntnis nicht mit anhören kann ... Hier also sind deine zwölf Groschen , wenn ' s nicht anders sein soll . Du willst dir doch irgend einen Firlefanz , eine Feder oder solch einen Tand auf deinen Hut dafür kaufen ? « sagte er lächelnd . Sie hielt ihren Hut mit ausgestreckten Armen von sich ab und betrachtete entzückt die zwei frischen Rosen , die sie in das einfach geschlungene schwarze Samtband gesteckt hatte . » Sieht das nicht wunderlieblich aus ? « fragte sie . » Und glaubst du , ich werde mein junges Haupt freiwillig unter düstere Federwolken stecken , wenn ich Rosen , frische Rosen haben kann ? ... Und da ist deine Raupe , und nun sollst du auch wissen , weshalb ich dich gebrandschatzt habe ... Heute Morgen war die Frau eines armen Webers aus Lindhof bei meiner Mutter und bat um eine Unterstützung . Ihr Mann ist gestürzt , hat sich Arm und Fuß verletzt und kann seit Wochen nichts verdienen . Die Mutter gab ihr altes Linnen und ein großes Hausbrot ; mehr zu geben geht über ihre Kräfte , wie du weißt ... Sieh , hier habe ich fünfzehn Groschen aus meinem Sparschatze , mehr war zur Zeit nicht drin - drei desgleichen sind von Ernst , der am liebsten seine Bleisoldaten verkauft hätte , um der armen Frau zu helfen ; dazu kommt der Preis für die Raupe , macht zusammen einen ganzen Thaler , und der wird sogleich in das Weberhäuschen getragen . « » Läßt sich hören ... Hier ist noch ein Thaler , und - Sabine , « rief er in das Haus hinein , » hole ein tüchtiges Stück Fleisch aus dem Salzfasse und lege es zwischen zwei grüne Blätter - das nimmst du auch mit , « wandte er sich wieder zu Elisabeth . » Ach , du lieber , prächtiger Onkel ! « jubelte das Mädchen , indem sie seine große Hand zwischen ihre schlanken Finger nahm und sich bemühte , sie beherzt zu drücken . » Pass ' aber auf , « fuhr er fort , » daß das ehrliche Rindfleisch nicht etwa zu Rosen werde ; denn damit wäre der armen Weberfrau wohl schwerlich gedient - gehst ja ähnliche Wege , wie deine heilige Namensschwester .