zum Könige gekrönt worden ist . Ein solches Fest ist in Böhmen nicht gewesen , und wird nicht wieder sein : der Herzog und seine Ehegemahlin Swatawa , die vor vierzehn Jahren gestorben ist , in königlichen Gewändern am heiligen Veitstage im Dome des heiligen Veit von dem Erzbischofe von Trier Egilbert gekrönt und gesalbt , Fürsten Bischöfe alle Lechen Böhmens und alles Volk zugegen , und der Ruf : Dem von Gott gesalbten Könige Wratislaw dem großen und guten Heil und Segen . Es waren damals Gesänge , die man schier vergessen hat . Ich habe es erfahren , wie dieser König von dem Pferde stürzte , und tot war . Ich habe seinen Sohn Bretislaw gekannt , welcher acht Jahre geherrscht hat , und dann im Walde bei Bürglitz ermordet worden ist . Ich habe die blutigen Kämpfe erlebt , welche um den Fürstenstuhl erfolgt sind , weil unter der Herrschaft Bretislaws die Alterserblichkeit aufgehoben worden ist . Ich habe Bretislaws Bruder und Nachfolger Boriwoy gekannt , der zuerst mit Ulrich von Brünn um die Herrschaft kämpfen mußte , und dann mit Swatopluk von Olmütz , dem er unterlag . Ich habe erfahren , wie Swatopluk in zweijähriger Herrschaft wieder mit Boriwoy um den Stuhl ringen mußte , wie er aus Wut in diesem Kampfe das ganze Geschlecht der Wrse getilgt hat , und dann selber jenseits des Riesengebirges ermordet worden ist . Ich habe den zweiten Bruder Bretislaws den guten Wladislaw gekannt , der den blutigen Streit in Prag und in diesem Schlosse mit Boriwoy und dem Könige von Polen dem Genossen Boriwoys um seinen Fürstenstuhl führen mußte . Ich lernte dann den dritten Bruder Bretislaws kennen unsern jetzigen guten Herzog Sobeslaw , und bin mit ihm in der großen Schlacht bei Chlumec gewesen , die auch er schlagen mußte , damit er gegen die Ansprüche des schwarzen Otto Herzog in Böhmen bleiben konnte . So sind diese Dinge gewesen . Wir haben uns in der schweren Krankheit , die unsern Herzog getroffen hat , hier versammelt , damit wir , wenn ihn Gott ruft , eines Sinnes werden , nicht nur , daß jetzt die tiefen Wunden nicht kommen , welche in das unglückliche Land und in seine Völker geschlagen wurden , wenn Nachfolgestreite ausbrachen , sondern auch , daß solche Dinge in der Zukunft nicht mehr möglich sind . Viele mögen mit diesem Gedanken hieher gekommen sein , manche , denen mehrere Erfahrung mangelt , mögen ihn nicht deutlich in sich gefaßt haben , und einige mögen auch nur ihre eigenen Wünsche im Sinne tragen . Der Knabe , welcher vor uns steht , kennt nicht , um was es sich handelt , der Herzog hat ihn nicht zu uns gesendet , er ist selber zu uns gegangen , und weiß nicht , daß er nicht hieher gehört . Weil wir aber wissen , was er will , so sollen wir ihn entfernen , ihm sagen , daß seine Anwesenheit sich nicht gezieme , und ihm den Rat geben , zu seinen Angehörigen zu gehen , und dort für die Zukunft zu reifen . Vielleicht mag er noch Gutes wirken . So spricht Bolemil ein alter Mann , der die Güter der Erde nicht mehr liebt , keinen Menschen mehr haßt , und sich nur zur Vereinigung mit Gott und seinen Heiligen vorbereitet . « Nach diesen Worten setzte sich Bolemil langsam , wie er aufgestanden war , wieder auf seinen Sitz nieder . Es war nun eine Weile eine völlige Stille . Dann stand ein Mann in den hintern Reihen der Versammlung auf , der mittleren Alters war , und braunes Haupthaar und braunen Bart trug . Er hatte ein schwarzes Kleid . Er rief : » Ich heiße Nemoy , und bin der gleichen Meinung mit Bolemil . « Nach ihm sprach in der Mitte ein Greis in dunkelblauem Gewande : » Ich bin Slawibor , und glaube , daß der erfahrene Bolemil recht geredet hat . « Hierauf erhob sich auf der rechten Seite ein Mann , der an Größe alle übertraf , die bisher aufgestanden waren . Er hatte ein dunkelrotes Kleid an , und trug eine Fülle schwarzen Haares und schwarzen Bartes . Er rief : » Ich bin Predbor ! « Dann sprach er : » Ich erkenne , was Bolemil gesagt hat ; aber ich glaube , daß über die Vermessenheit und Zudringung des Boten ein gerechtes Gericht gehalten werden soll . « Nach diesem Sprecher erhob sich mühesam ganz vorne ein alter Mann mit weißen Haaren und weißem Barte und in einem dunkelgrünen Gewande . Er sagte : » Ich heiße Preda , und glaube auch , daß doch ein Gericht wenn gleich ein mildes über den jungen Mann , der vor uns steht , von uns abgehalten werden soll ; denn wenn wir uns von seiner Jugend lenken lassen , so werden die im Lande , die auf uns sehen , ihre Ehrfurcht vor uns mindern , und wenn wir uns seinem Willen beugen , so werden wir unsere eigenen Beschlüsse nicht achten , und sie vielleicht selber in kurzem zerstören . « Dann setzte er sich wieder mühevoll auf seinen Sitz nieder . Jetzt stand hinten ein jüngerer Mann mit blonden Locken und in hellgrünen Kleidern auf , der an seiner Haube eine lange weiße Feder trug , und rief : » Ich bin Kochan ! « Dann sagte er : » Ich glaube , daß ein strenges Gericht von uns über den Boten notwendig ist . « Nach ihm rief ein Mann in den vorderen Reihen , der gleichfalls blond aber in feines Braun gekleidet war , und auf der schwarzen Haube eine gefleckte Feder trug : » Mein Name ist Drslaw , und ich sage auch , daß ein strenges Gericht gehalten werden soll . « Nach diesen zwei jungen Männern sprach ein alter Mann in einem dunkelgrauen Pelze und mit weißen Haaren in der Mitte des Saales : » Ich heiße Chotimir