, Sie wären auch von der Partie gewesen ; einmal Ihrethalben , denn Sie sind es werth , Italien zu sehen , und sodann meinethalben , die ich dann hoffentlich nicht allein , oder in Begleitung von Wachspuppen durch die herrlichsten Gegenden und die reichsten Galerien hätte wandern müssen . Damals , wie stets , war es das Album , dessen geduldigem Papier ich Alles sagte , was sonst Niemand hören wollte . Melitta hatte sich erhoben und sich neben Oswald gestellt , der aufstehen wollte , ihr einen Stuhl heranzurücken . Sie aber , ihn daran zu verhindern , legte die Hand leicht auf seinen Arm und ließ sie dort ein paar Augenblicke ruhen , - ein paar Augenblicke , und doch lange genug , daß Oswald ' s Hand zitterte und seine Stimme bebte , als er jetzt , die ersten Blätter umwendend , sagte : Diese Skizzen sind noch vor der italienischen Reise gezeichnet . Hier ist der geheimnißvolle Teich , an dessen Rand ich heute Nachmittag geschlafen und geträumt habe . Sie haben mir noch nicht erzählt , was Sie geträumt haben . Doch , ich sagte Ihnen ja : süßes , närrisches Zeug . Von einer Dame natürlich ? Ja . So wäre es indiscret , mehr wissen zu wollen . Ach , wie reizend ! rief Oswald , als er das nächste Blatt umschlug . Wie heimlich versteckt liegt dieses Häuschen im Walde ! Gleich treuen Riesenwächtern umstehen es die alten Fichten . Wie eine schützende Gottheit breitet die Buche ihre mächtigen Aeste darüber hin . Als wollten sie sagen : Du bist unser ! klettern die Schlingpflanzen daran hinauf und schaukeln sich vor den niedrigen Fenstern . Und wie träumerisch schleicht der Bach zwischen hohen Binsen und Farrenkräutern hier durch die saftige Wiese im Vordergrund ! - das ist wunderschön gedacht , sagte Oswald , von dem Blatt zu Melitta emporblickend . Und weil Sie Alles so hübsch nachempfunden haben , so will sich Sie noch heute an Ort und Stelle führen . Wie ? so ist dies keine Phantasie ? Bewahre ! höchstens die Enten hier , die sich vor dem Habicht in die Binsen ducken . Das Bächlein ist der Abfluß Ihres geheimnißvollen Sees im Walde . Also nur eine Fortsetzung meines Traumes , sagte Oswald weiterblätternd . Ein loses Blatt kam ihm zunächst in die Hände . Der Kopf eines Mannes im Profil war in schönen , kühnen Linien darauf gezeichnet . In einer Ecke standen die Buchstaben A.v.O. und ein Datum . Das Blatt wird verloren gehen , sagte Oswald . Mag es ! antwortete Melitta . Der Ton , in welchem sie diese beiden Worte sprach , war so eigenthümlich , so ganz ohne die gewöhnliche Süßigkeit ihrer Stimme , daß Oswald unwillkürlich zu ihr aufschaute . Er sah , daß ihre schönen Brauen wie im Schmerz zusammengezogen waren und ihre Lippen zuckten . Er senkte sogleich seinen Blick und wollte das Blatt umschlagen . Melitta legte ihre Hand auf seinen Arm und sagte leise : Wie finden Sie den Kopf ? Ein Sturm brauste durch Oswald ' s Seele . Er hätte sich von dem Sessel zu Melitta ' s Füßen werfen und ausrufen mögen : ich liebe Dich ja , Melitta ! Wie kannst Du mein Urtheil hören wollen über den Mann , den Du geliebt hast , vielleicht noch liebst ... Aber er bezwang sich und sagte mit scheinbarer Ruhe : Es ist der Kopf eines Mannes , auf den mir Tasso ' s Worte zu passen scheinen : Und haben alle Götter sich vereinigt , An seiner Wiege Gaben darzubringen , Die Grazien sind leider ausgeblieben - Dieser Mann wird niemals glücklich sein , weil er niemals wird glücklich sein wollen . Und darum , sagte Melitta , ist dieser Mann aus meinem Leben losgelöst , wie dies Blatt aus dem Album . Wenn man die Erinnerung tödten könnte , wie man ein Blatt vernichten kann , so läge es nicht mehr hier . Da das aber nicht geht , so mag es bleiben , wo es ist . Weiter ! Der Sturm in Oswald ' s Seele war vorübergebraust . Wie lindes Wehen des Frühlings überkam ihn der Gedanke : Sie könnte und würde dir das nicht sagen , wenn sie dich nicht ihres Vertrauens und ihrer Freundschaft für würdig erachtete . Und ein Gefühl unsäglichen Glücks durchbebte ihn bei diesem Gedanken . In dieser seligen Stimmung durchmusterte er die folgenden Blätter , die Melitta auf ihrer italienischen Reise gezeichnet hatte : Landschaften mit heiteren klaren Linien , Skizzen aus Städten : Paläste , Straßen , Ruinen , zwischendurch ein keckes Lazzaronigesicht oder ein träumerisches Mädchenantlitz . Dann folgten Studien nach der Antike , zum Theil sehr fleißige Studien , denn Manches war wieder und wieder gezeichnet , bevor es dem regen Schönheitssinn Melitta ' s genügt hatte . Besonders schön war der Kopf der Venus von Milo . Auf einem der nächsten Blätter war die ganze Gestalt . Wo haben Sie das gezeichnet ? fragte Oswald ; doch unmöglich nach einer Copie ? Nein , nach dem Original selbst . Ich war damals in Italien eine halbe Katholikin geworden , und als ich in Paris im Louvre die hohe Gestalt sah , da sagte ich zu mir : diese oder keine ist deine Heilige . O , Sie glauben nicht , wie schön sie ist ! wie schön und wie gut ! und dieser Ausdruck himmlischer Güte , den die Milonische Venus nicht nur vor allen anderen Venusbildern , sondern auch vor sämmtlichen antiken Köpfen voraus hat , rührte mich fast noch mehr als ihre göttliche Schönheit . Vor der Milonischen Venus habe ich es zum ersten Male begriffen , wie es möglich sei , vor einem Bilde , das Menschenhand geschaffen , zu beten , aufrichtig , inbrünstig zu beten . Warum stützen Sie den Kopf so nachdenklich in die Hand ? Hier , nehmen Sie diesen Bleistift und schreiben Sie