auch gar nicht denken ; aber wohin ich sah und hörte , überall sah und hörte ich Solo Dios basta ! Am Tage der heiligen Feier konnte ich mich gar nicht fassen vor Übermaß der Freude , daß meine Seele mit dem König der Ewigkeit ein himmlisches Brautfest , eine Vereinigung für die Ewigkeit gefeiert habe und daß ich jetzt , wie die selige Mutter gesagt hatte , alles Glück , alle Liebe und alle Befriedigung wechsellos und unvergänglich mein nennen durfte . Als wir am Abend wieder in der herrlich erleuchteten Kapelle waren , wir Erstkommunikanten in unseren weißen Kleidern , mit dem Kränzchen im Haar , wie Bräute , alle so froh und glücklich , und die übrigen so teilnehmend und gerührt , und alles ringsumher so festlich geschmückt : da fiel mir ein , ich weiß nicht wie ! daß wohl manche aus dieser Schar dereinst ein Brautfest im Sinne der Welt feiern werde . Da schaute ich auf den Tabernakel und sagte innerlich : Aber ich , Herr , ich werde das nicht tun . Ich bleibe Deine Braut in Ewigkeit . Ich trage Deinen Brautkranz ; keinen anderen ! und diesen Kranz lege ich dereinst vor Deinem Throne nieder , so gewiß ich hoffe , mit Deiner Gnade meine Seele Dir zu bringen , die ich in diesem Kranz Dir anvermähle , geliebter Herr , Dir und keinem anderen . Das sagte ich innerlich ganz entschieden und wurde so froh , als ob ich schon unter den Seligen wäre . Während der Andacht bat ich unaufhörlich die heilige Mutter Gottes und meine liebe Mutter um ihre Fürbitte , daß ich der Gnade , eine Braut Christi zu sein , auch recht würdig werden möge , und als zum Schluß der Andacht der Segen mit dem Sanctissimum gegeben wurde und einige von uns , unter denen auch ich war , mit dem O salutaris hostia es begrüßt hatten , da schaute ich auf die Monstranz und sagte : So wahr , wie Du da geheimnisvoll und wesenhaft in die Gestalt der Hostie Dich verschleiert hast , und so wahr , wie Du Dich heute geheimnisvoll und wesenhaft im teuersten heiligsten Sakrament mir geschenkt hast : so schenke ich mich Dir , ohne Rückhalt , ohne Teilung , für Zeit und Ewigkeit , und will als Klosterjungfrau für Dich leben und sterben . Und bei dem Entschluß ist es denn geblieben . « Regina hatte mit einer so ruhigen Fassung gesprochen , als erzähle sie die einfachste Begebenheit von der Welt , über die man gar nicht viel Worte zu verlieren brauche . » Ist ein solches Gelübde gültig , lieber Onkel ? « fragte der Graf . » Gewiß ! « entgegnete Levin . » Aber der Bischof oder der Papst kann eine Dispense geben , nicht wahr ? « » Wenn sie verlangt wird , allerdings . « » Verlange sie nicht für mich , lieber Vater , « sagte Regina bittend , » denn ich werde doch nie Gebrauch davon machen . « » Dispense für ' s Gelübde und Dispense für die Ehe wegen der Verwandtschaft , « fuhr der Graf fort , ohne sich stören zu lassen . » Ich denke , wir betreiben das persönlich in Rom . Die Grillen eines dreizehnjährigen Kindes fallen nicht in ' s Gewicht neben dem Glück einer Familie . « » Aber , lieber Vater , zu dieser Familie gehört doch auch dies Kind und sein Glück , und es ist nicht mehr dreizehn Jahre alt . « » Allein es ist ganz unerfahren über sich selbst und Welt und Leben , und weiß daher nicht , wo sein Glück liegt . « » Ich weiß , daß es nicht in der Welt und nicht in mir selbst liegt , sondern in Gott ; und da ich das weiß , weshalb soll ich denn noch Erfahrungen machen , die mir zu keiner höheren Erkenntnis verhelfen ? Solo Dios basta ! Wer das weiß , der weiß genug und hat genug . « » Aber begreifst Du denn gar nicht , daß es auch in weltlichen Verhältnissen Glück geben könne ? « » Ich begreife das sehr gut für diejenigen Menschen , welche von Gott in die weltlichen Verhältnisse hineingeführt werden ; also für die große Mehrzahl . Aber nicht für mich ; denn Gott führt mich aus ihnen heraus . « » Und begreifst Du denn gar nicht , daß dereinst bittere Reue , ja Verzweiflung Dein Los sein können ? « Regina sah den Grafen mit einem reizenden schelmischen Lächeln an und fragte zurück : » Wirst Du je darüber in Verzweiflung geraten können , lieber Vater , daß Du in Deinem Leben keinen Mord begangen hast ? « » Alberne Frage ! « brummte der Graf . » Sieh , Du selbst hältst es also für unmöglich , Reue zu empfinden über die Befolgung eines göttlichen Gebotes . Da nun Christus uns über das höchste Gebot belehrt hat , indem er sagte : Liebe Gott über alles , so begreife ich durchaus nicht , wie die Befolgung desselben mir je Reue und Verzweiflung zuwege bringen könnte . Die Nichtbefolgung würde sie hervorrufen , gerade so , wie der Mörder aus Gewissensangst verzweifelt , weil er ein göttliches Gebot verletzt hat . « » Du hast nur die Hälfte jenes Ausspruches Christi gesagt . Der Nachsatz wird Dir zeigen , daß man nicht in egoistischer Vereinzelung sein Glück verfolgen darf . Wie heißt es weiter ? « » Der Ausspruch Christi lautet : Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst . Ich habe also Uriel zu lieben , nicht wie ich Gott liebe , sondern wie ich mich selbst liebe ; und das tue ich , indem ich aus ganzer Seele wünsche , daß er in den geistlichen Stand treten möge . « » Regina ! « donnerte der Graf ; aber Levin legte ihm besänftigend die Hand auf die Schulter