vor : » Das ist mein lieber Freund Willibald Pirkheimer , mit dem ich aufgewachsen , da wir in einem Hause wohnen . « » Und woll ' t Ihr auch ein Maler werden ? « fragte Ulrich den zartgebauten und fein gekleideten Jüngling , an dessen Haltung schon man den Patriziersohn trotz der Dunkelheit erkannte . » Nein , « antwortete Willibald mit feinem Lächeln ; » ich besuche die gelehrten Schulen , und wenn mein Freund Albrecht nicht mehr hier ist , so will ich nach Italien gehen , dort die Rechte studiren und mich mit den humanistischen Studien beschäftigen - dann meiner Vaterstadt und diesem edlen König Max dienen , der wohl Kaiser sein wird , wenn ich zurückkomme . « » Und wie gefällt denn Euch der künftige Kaiser ? « fragte Hieronymus die beiden , und zu Ulrich gewendet fügte er hinzu : » Man muß das nachwachsende Geschlecht befragen , denn dem gehört ja doch die Zukunft ! « » In diesem Augenblick , « sagte Pirkheimer feierlich , » habe ich ihm Treue bei mir selbst geschworen ! Alles , was ich von ihm gehört und gelesen , hatte mich schon mit Bewunderung erfüllt , aber das wirkliche Begegnen hat sie noch tausendfach gesteigert ! « » Und ich , « sagte Dürer eben so feierlich , » habe eben geschworen , ihn einst zu konterfeien , und Gott gebeten , daß es ihm gefalle , mir einen rechten Maler werden zu lassen , damit mir das wirklich vergönnt werde ! « » Der König kann zufrieden sein , « sagte Ulrich , » denn aufrichtig ist die Begeisterung der Jugend . « Elisabeth hatte jetzt um so aufmerksamer zugehört , als sie über den König Aeußerungen vernahm , die ihr selbst so ganz ähnlich hätten entströmen mögen , und sie , durch Ursula auf Meister Wohlgemuth ' s hübschen Lehrling aufmerksam gemacht , sich diesen gemerkt hatte , da er ja auf einer Straße mit ihr wohnte und auch nie verfehlte , im Vorübergehen an dem schönen Hause Herrn Scheurl ' s hinaufzugrüßen , wenn er Jemand am Fenster gewahrte . Auch der zarte Willibald Pirkheimer war ihr kein Fremder , denn seine Eltern gehörten mit zu den » Genannten « und waren den Behaim und Scheurl ' s befreundet , so auch Willibald ' s zwei Schwestern , Charitas und Clara . Während dem hatte sie nicht bemerkt , daß der schwarzgekleidete Ritter , der auch diesen Morgen unter ihrem Fenster vorüber ritt , ohne von ihr gesehen zu werden , ihr ganz nahe geschlichen war und jetzt ihren Arm erfassend sagte : » Hoffentlich erkennt Ihr mich im Dunkeln , da es heute früh im Sonnenglanze nicht geschah ? « Sie fuhr entsetzt zusammen , als habe sie einen Geist gesehen , und wollte sich sprachlos vor Schrecken von ihm losmachen . Er hielt sie fest und sagte : » Du sträubtest Dich ja sonst nicht , Elisabeth ? Ich kam mich mit Dir zu versöhnen , die alten Zeiten zu erneuern , Dir zu gestehen , daß Du doch die Krone aller Frauen bist ! « » Laß ' t mich ! « schrie sie , » Eure Keckheit duld ' ich nicht ! « » Ei , warum denn hier so allein ? Erwartest Du einen anderen Anbeter ? etwa den Reimschmied Celtes - oder einen Boten des Königs ? « Elisabeth ' s Widerstand ward jetzt zum Ringen mit ihm , und in herzzerreißenden Tönen rief sie : » Willibald ! schützt mich ! « » Himmel ! « rief Willibald , » es ist die Scheurlin , der Jemand unziemlich begegnet ! « Er , Dürer und die Baubrüder stürzten im Nu auf die Beiden zu . Ulrich rief den Ritter an ; » Was erfrecht Ihr Euch ? « » Sind das jetzt Eure Genossen ? « höhnte der Ritter verächtlich , indem er sein Schwert zog ; aber auch die Baubrüder zogen die ihrigen , welche sie stets am Gürtel trugen , und im Nu schlug Ulrich dem Ritter das nun eben erfaßte Schwert aus der Hand . Als er es wüthend wieder erfassen wollte , riß sich Elisabeth von ihm los , nahm Willibald ' s Arm und sagte : » Kommt , kommt unter die Menschen , die Zelte ! « Hieronymus hatte das fallende Schwert aufgefangen , und der Ritter drang auf ihn ein , es ihm wieder zu entreißen . Ulrich drängte ihn mit seinem eigenen Schwert zurück , aber ohne ihn zu verwunden , und sagte : » Wir schlagen uns nicht mit Raufbolden und Stegreifrittern , die ehrbare Frauen unziemlich behandeln ; das Schwert behalten wir , weil Ihr nur Frevel damit anrichten möchtet ; hol ' t es Euch wieder beim Könige oder bei dem hochedlen Rath dieser Stadt , wenn Euch danach verlanget . « Es kamen Leute , Stadtschützen , eine stattliche Anzahl der Rußigen , und Alle fragten , was es gebe ? Der Ritter , da er wußte , daß die Bürger und Zünftigen immer geneigt waren einander wider den Uebermuth des Adels zu helfen , und daß er allein unter diesen Vielen nichts ausrichten , und wahrscheinlich als ein Brecher des Landfriedens eingebracht werden möchte , brach sich durch die Menge Bahn und sagte drohend : » Ich werde dem König vermelden , wessen er sich zu den Nürnbergern zu versehen hat , die sich also gegen seine Begleiter betragen ! « Man ließ ihn gehen und die Meisten schalten ihn ein Großmaul , und lachten und höhnten hinten ihm her . Die kleine weibliche Gestalt , welche Elisabeth vorhin hinter den Baubrüdern bemerkt hatte , war auch noch da . Es war das Judenmädchen von diesem Morgen . Sie drängte sich jetzt an Ulrich und sagte : » Der Ritter da ist ein Placker und Straßenräuber , nehm ' t Euch vor ihm in Acht . « » Unser einem kann