Bourdonnaye , wenn er sich in Paris aufhielt . Ein Vorzimmer , ein kleiner Salon , mit Waffen aller Art und Jagdtrophäen , darunter mehreren riesigen Löwenhäuten , geschmückt , und zwei Kabinets nebst einem Gemache für den arabischen und französischen Diener des Vicomte , bildeten das Gelaß dieses Hauses , in dessen unmittelbarer Nähe eine Gartenpforte durch die Mauer nach einer kleinen Seitenstraße führte und so den Bewohnern des Pavillons den ungenirten Ein- und Ausgang gewährte . Es war kaum eine Stunde nach dem obigen Rencontre , als ein Fiaker in der Seitenstraße vor dem Zugang des Gartens hielt und zwei tief verschleierte Frauen ausstiegen . Die Eine von ihnen läutete auf das Zeichen der Andern die Glocke und nach kurzem Harren öffnete Mulei , der junge arabische Diener des Capitains , die Pforte . Als er zwei Frauen vor sich sah , verneigte er sich nach maurischer Sitte und nöthigte sie , einzutreten . » Ist Capitain de Méricourt zu sprechen ? « fragte die Zweite der Verschleierten , anscheinend die Gebieterin . » Der Bey befindet sich in seinem Zimmer , Herrin . Wen befiehlst Du , daß ich ihm verkünden soll ? « » Sage Deinem Herrn , « erwiderte die Verschleierte , » daß eine Dame ihn in einer dringenden Angelegenheit zu sprechen wünschte , die keinen Aufschub gestattet . Ich würde ihm nur wenige Minuten rauben . « Der Maure verneigte sich nochmals mit über die Brust gekreuzten Händen und bat die Frauen , ihm in das Vorzimmer zu folgen . Dann verschwand er hinter dem schweren persischen Teppich , kehrte aber schon nach wenigen Augenblicken zurück und nöthigte die Fremden in den Salon . Beide traten ein . Das Gemach bildete ein nur mittelgroßes Achteck und empfing sein Licht von der Kuppel , von der ein schöner Bronceleuchter herabhing . Löwen- und Pantherfelle bildeten die Teppiche vor den orientalischen Divans , welche die vier Seitenwände einnahmen , die nicht durch Thüren unterbrochen waren . Prächtige orientalische Waffen , von der langen Luntenflinte des Arabers bis zum kostbaren Handjar von tunesischem Stahl , die Keule des Ashanten und der lange Bogen der Dayaks , mit dem wallenden Burnus und dem verschlungenen Turban des Kabylen , Antilopenhörner und Büsche von Straußfedern , die Schädelketten der Bewohner von Bornu mit mächtigen Elephantenzähnen , dazwischen Gruppen prachtvoller moderner und antiker europäischer Waffen , türkische Sättel und Zaumzeug mit prächtigen Teppichen und zahllosen fremdländischen Geräthschaften bildeten in einzelnen Gruppen-Decorationen an den Wänden den eigenthümlichen Schmuck des Gemachs . Auf den Tischen zur Seite standen und lagen zwischen Schaalen und tunesischen Kunsterzeugnissen türkische Pfeifen , Schibuks und Nargilehs in buntem Gemisch . Nach wenigen Augenblicken trat der Capitain aus dem Nebengemach ein . Ein weites orientalisches Gewand von weißer Wolle diente ihm zum Morgenrock und fiel , von einem mit Gold durchwirkten tunesischen Shawl um die Hüfte gehalten , über die faltigen Beinkleider von Purpurwolle , während ein Burnus von gleichfalls weißer Farbe mit Gold durchwirkt um seine Schultern hing . Das weite faltige Costüm kleidete die Heldengestalt des Offiziers und den kräftigen männlich schönen Kopf bewundernswerth . » Entschuldigen Sie , meine Damen , « sagte der Vicomte höflich , indem er sie einlud , Platz zu nehmen , » daß ich Sie noch in Morgen-Toilette empfange , ich wollte Sie jedoch nicht warten lassen und stehe deshalb zu Befehl . « Die Eine der beiden Frauen hob den dichten schwarzen Schleier , der ihr Gesicht verhüllte . » Die Fürstin ! - Mein Gott - Sie hier ? « Iwanowna wandte sich zu ihrer Begleiterin . » Verlaß uns auf einige Augenblicke , Annuschka , ich stehe unter dem Schutz der Ehre des Herrn Vicomte . « Die Milchschwester der Fürstin verschwand in das Vorgemach . Méricourt ergriff die Hand der Dame und führte sie zum Divan . Die seine zitterte lebhaft , die Röthe hoher Erregung lag auf seinem schönen Gesicht . » So viel Glück und so viel Schmerz in einem Moment , Fürstin , es ist zu viel , selbst für eine Männerbrust . « Das Antlitz des jungen Mädchens war bleich , aber eine aufopfernde feste Entschlossenheit lag in jeder Miene , selbst ihre Stimme zitterte nicht . » Sie wissen , Vicomte , warum ich komme . « Der Franzose beugte sich mit schmerzlichem Lächeln auf ihre Hand , die er gefaßt hielt . » Sie werden sich noch heute mit Iwan , meinem Bruder , schlagen ? « Eine leichte Neigung des gesenkten Hauptes gab ihr die Antwort . » Méricourt , Sie werden es nicht thun , - um meinetwillen . « » Es ist unmöglich , Fürstin , mein Leben steht zu Ihren Diensten , nicht meine Ehre als Edelmann . Ihr Bruder verweigert jede Erklärung . « » Ich weiß es , ich war ungesehen Zeuge seiner Unterredung mit Herrn de Sazé . Sagen Sie mir - wie kam es dahin ? « » Bei meiner Ehre , Fürstin , « sagte der Offizier aufathmend und seinen Blick zu dem Mädchen erhebend , » ich bin schuldlos daran , ich weiß es selbst nicht , und daß mir noch auf Erden das Glück zu Theil geworden , Ihnen mündlich das sagen zu dürfen , was Sie morgen durch den kalten Buchstaben meiner Abschiedsworte an Sie erfahren hätten , - das erfüllt den geheimsten Wunsch meines Herzens . Ein böser Dämon muß Ihren Bruder regiert haben . Seine Worte , seine Beleidigungen sind mir unerklärlich . Ich fand ihn mit dem Obersten beim Spieltisch und geselle mich zu ihm . Der Fürst war offenbar sehr aufgeregt und als ich ihn fragte , ob ich ihn am Morgen zu einem Spazierritt abholen dürfe , wie wir früher verabredet , entgegnete er heftig : er werde allein reiten , er brauche weder einen Vormund , noch - - « » Sprechen Sie ! « » - noch einen Spion ! « » Mein Gott ! « » Ich war im ersten