Sinne Gold zusammenhäufte , spielte er nur die Rolle eines dienstbaren Hauskoboldes , welcher , wenn er seine Handleistungen getan hatte , mit dem , was ihm die Frau gab , sich gütlich tat und dazu allerhand Späße trieb , welche männiglich ergötzten . Seine unmännliche Ratlosigkeit und Unzuverlässigkeit , die Erfahrung , daß sie in kritischen Fällen nie einen kräftigen Schutz in ihm fand , ließen Frau Margret auch seine sonstige Nützlichkeit übersehen und erklärten die Rücksichtslosigkeit , mit welcher sie ihn ohne weiteres von der Mitherrschaft über die Geldtruhe ausschloß . Es hatte auch lange Zeit keines von beiden ein Arges dabei , bis einige Ohrenbläser , worunter auch jener ränkesüchtige Schneider , dem Manne das Demütigende seiner Lage vorhielten und ihn aufhetzten , endlich eine gesetzliche Teilung des Erworbenen und vollständige Mitherrschaft zu verlangen . Sogleich schwoll ihm der Kamm gewaltig , und er drohte , die schlimmen Ratgeber hinter sich , der bestürzten Frau mit den Gerichten , wenn sie nicht seinen Anteil an dem » gemeinschaftlich erworbenen « Gute herausgäbe . Sie fühlte wohl , daß es mehr um einen gewaltsamen Raub als um ein ehrliches Mitwirken zu tun sei , und sträubte sich mit aller Kraft dagegen , zumal sie wohl wußte , daß sie nach wie vor die einzig erhaltende Kraft im Hause sein würde . Sie hatte aber die Gesetze gegen sich , da diese nicht auf eine Ausscheidung der beitragenden Kräfte eingehen konnten , und zudem gab der Mann vor , sich allerlei mutwilliger Anklagen bedienend , sich nach geschehener Teilung von ihr trennen zu wollen , so daß sie betäubt und überführt wurde und , krank und halb bewußtlos , die Hälfte von allem Besitze herausgab . Er nähete sogleich seine schimmernden Goldstücke , je nach der Art , in lange , seltsame Beutel , legte dieselben in einen Koffer , den er am Boden festnagelte , setzte sich darauf und schlug seinen Helfershelfern , welche auch ihren Anteil zu erschnappen gehofft hatten , ein Schnippchen . Im übrigen blieb er bei seiner Frau und lebte nach wie vor bei und von ihr , indem er nur dann zu seinem Schatze griff , wenn er eine Privatliebhaberei befriedigen wollte . Sie erholte sich indessen wieder und hatte nach einiger Zeit ihren eigenen Schatz wieder vervollständigt und mit den Jahren verdoppelt ; aber ihr einziger Gedanke war seit jenem Tage der Teilung , mit der Zeit wieder in den Besitz des Entrissenen zu gelangen , und das war nur möglich durch den Tod ihres Mannes . Daher ging ihr jedesmal ein Stich durch das Herz , wenn er ein Goldstück umwechselte , und sie harrte unverwandt auf seinen Tod . Er hingegen wartete ebenso sehnlich auf den ihrigen , um Herr und Meister des ganzen Vermögens zu werden und in voller Unabhängigkeit den Rest seines langen Lebens zuzubringen . Dieses grauenhafte Verhältnis hätte man freilich , auf den ersten Blick nicht geahnt ; denn sie lebten zusammen wie zwei gute alte Leutchen und nannten sich nur Vater und Mutter . Insbesondere war die Margret in allem einzelnen auch gegen ihn die gute und verschwenderische Frau , die sie sonst war , und sie hätte vielleicht ohne den vierzigjährigen Lebensgenossen und sein spaßhaftes Umhertreiben nicht einen Tag leben können ; auch ihm war es mittlerweile wohl genug , und er besorgte mit humoristischer Geschäftigkeit die Küche , während sie im Kreise ihrer schwärmerischen Genossen die überfüllte Phantasie entzügelte . Doch in jeder Jahreszeit einmal , wenn in der Natur die großen Veränderungen geschahen und die alten Menschen an die schnelle Vergänglichkeit ihres Lebens erinnerten und ihre körperlichen Gebrechen fühlbarer wurden , erwachte , meistens in dunklen schlaflosen Nächten , ein entsetzlicher Streit zwischen ihnen , daß sie aufrecht in ihrem breiten altertümlichen Bette saßen , unter dem einen buntbemalten Himmel , und bis zum Morgengrauen , bei geöffneten Fenstern , sich die tödlichen Beleidigungen und Zankworte zuschleuderten , daß die stillen Gassen davon widerhallten . Sie warfen sich die Vergehungen einer fern abliegenden , sinnlich durchlebten Jugend vor und riefen Dinge durch die lautlose Nacht aus , welche lange vor der Wende dieses Jahrhunderts in Bergen und Gefilden geschehen , wo seitdem ganze dichte Wälder entweder gewachsen oder verschwunden , und deren Teilnehmer längst in ihren Gräbern vermodert waren . Dann stellten sie sich darüber zur Rede , welchen Grund das eine denn zu haben glaube , das andere überleben zu können ? und verfielen in einen elenden Wettstreit , welches von ihnen wohl noch die Genugtuung haben werde , das andere tot vor sich zu sehen . Wenn man am Tage darauf in ihr Haus kam , so wurde der greuliche Streit vor jedem Eintretenden , ob fremd oder bekannt , fortgeführt , bis die Frau erschöpft war und in Weinen und Beten verfiel , indes der Mann anscheinend munterer wurde , lustige Weisen pfiff , sich einen Pfannkuchen backte und fortwährend irgendeine Flause dazu herumreite . Er konnte auf diese Weise einen ganzen Morgen hindurch nichts sagen als immer : » Einundfunfzig ! einundfunfzig ! einundfunfzig ! « oder zur Abwechslung einmal : » Ich weiß nicht , ich glaube immer , die alte Kunzin da drüben ist heute früh spazierengeritten ! sie hat gestern einen neuen Besen gekauft ! ich habe so was in der Luft flattern sehen , das sah ungefähr aus wie ihr roter Unterrock ; sonderbar ! hm ! einundfunfzig « usf. Dabei hatte er Gift und Tod im Herzen und wußte , daß seine Frau durch das Betragen doppelt litt ; denn sie hatte keine Bosheit noch Mutwillen , um den Kampf auf diese Weise fortzusetzen . Was aber beide in diesem Zustande sich zuleide taten , bestand dann gewöhnlich in einer verschwenderischen Freigebigkeit , womit sie alles beschenkten , was ihnen nahekam , gleichsam als wollte eines vor des andern Augen den Besitz aufzehren , nach dem ein jedes trachtete . Der Mann war gerade kein gottloser Mensch , sondern ließ , indem er