rothwangigen Kinder beraubend - eine sichere Ueberzeugung für unsere zweifelvolle Seele und einen festen Muth für unsere schwankenden Entschlüsse . Der Prinz , welcher die Worte Alicens auf den Chevalier bezog , lächelte ungläubig , weshalb Alice plötzlich , allen Rückhalt verschmähend mit leidenschaftlichem Tone ausrief : - Mein Freund , ich nenne Sie in dieser Stunde so , weil ich im Begriff bin , eine schwere Pflicht gegen Sie auszuüben , deren nur die Freundschaft fähig ist , mein theurer Freund , lassen Sie von der Bedford ; diese Frau ist ihrer nicht würdig . Der Prinz , auf welchen der Name der Gräfin den Eindruck eines elektrischen Schlages gemacht hatte , zitterte heftig . Sein flammendes Auge bohrte sich tief in das auf ihn niederblickende Auge Alicens , dessen Ausdruck sich nicht veränderte . Ungestüm entriß er ihr seine Hand und flüsterte mit gebrochener Stimme : - Sie sind eine Lügnerin , Alice . Das sanfte Lächeln , welches Alicens Züge überstrahlte , wurde selbst durch diesen harten Vorwurf nicht verwischt , nur mischte sich der Ausdruck einer leisen Ironie hinein , als sie mit Ruhe erwiederte : - Soll ich Ihnen Beweise geben , Prinz ? Ein stummer Wink hieß sie fortfahren . - Von dem Verhältniß der Gräfin mit St. Just will ich gar nicht reden . Eine solche Untreue , wie demüthigend auch für Sie , mein Prinz , könnte doch nur ein halber Beweis sein . Denn wer vermöchte den Beweis zu liefern , daß nicht St. Just eben so betrogen wird wie Sie . Aber was würden Ew . Königliche Hoheit zu einem Plane sagen , Sie durch die fein berechnete Koketterie einer geschickten Buhlerin von Ihrer Leidenschaft zur Gräfin , und diese von Ihnen befreien zu lassen ? - Ich würde dazu sagen - daß die Gräfin , wenn sie einen solchen Plan fassen sollte , sich schlecht auf wahre Leidenschaft verstehen , oder eine große Achtung vor dem Talente der » Buhlerin « haben müßte . - Vielleicht ist Beides der Fall . Und rathen Sie , wen man für würdig erachtet hat , diese Rolle bei Ihnen zu übernehmen ? - Also ist es nicht ein bloßer Einfall , dieser Plan ? Man hat in der That an dergleichen gedacht ? - Freilich , aber rathen Sie ! - Wie kann ich wissen - sagte der Prinz zerstreut . - Vielleicht Fräulein S .... oder unsere Primadonna H .... ? - Bewahre . Wie sollte man darauf gerathen . Sie besuchen ja die Theater fast gar nicht . Nein , ich will es Ihnen sagen : Mich ! - - Sie ? - - - Glauben Sie , mein Prinz , daß ich Scherz mit Ihnen treibe ? - In der That , ich glaube es fast ; darum geben Sie mir bessere Beweise . - Es sei ! So hören Sie denn : Die Gräfin ist von einer gewissen Partei , in deren Diensten sie steht , beauftragt , Alles anzuwenden , um Sie dieser Partei zuzuführen . Sie selber hat Rücksichten zu nehmen , weil sie ein offnes Haus hält , das gewissermaßen von allen Parteien als ein neutrales Bereich angesehen wird . Büßt sie diesen Vortheil ein , so ist ' s um ihre gesellschaftliche Stellung geschehen . Auch stand ihr Ihre Leidenschaft zu ihr im Wege . Darum mußte sie indirekt zum Ziele zu kommen suchen . Man weiß , mein Prinz , daß Sie beim Volke durch Ihre Freisinnigkeit und Freigebigkeit - beides gilt dem Volke oft gleichviel - beliebt sind und deshalb bei etwa ausbrechenden Unruhen sich leicht einen großen und gefährlichen Anhang zu verschaffen im Stande wären . Man hat versucht , Sie von hier zu entfernen , man hat ferner , als dies nicht gelang , Schritte gethan , um Sie der öffentlichen Meinung gegenüber zu compromittiren , ja man hat es nicht gescheut , zu dem Mittel der Verläumdung zu greifen . Alles ist fehlgeschlagen . So hat man denn zum äußersten , aber - der Meinung gewisser Leute nach - sichersten Mittel gegriffen , Sie zu verführen . Man hält mich für eine eingefleischte Aristokratin , dies und das Vertrauen , welches man in meine Fähigkeit setzt , hat jene Partei veranlaßt , mir Avançen in dieser Beziehung zu machen . Ich habe sie anfangs nicht verstehen wollen , da ist man dringender geworden und endlich offen mit dem Plane herausgetreten . Der Prinz hatte mit wachsender Unruhe dem Berichte Alicens zugehört . Als sie geendet , lag auf seinem bleichen Gesicht der Ausdruck eines tiefen Hohns . - Wie sehr muß ich in den Augen dieser Menschen gesunken sein , daß sie es wagen können , in dieser Art ihr Spiel mit mir zu treiben . - Er stützte den Kopf in die Hand , um die Thräne zu verbergen , welche wider seinen Willen in sein Auge trat . - Fahren Sie fort - sagte er nach einer Pause . - Ich habe nur wenig noch zu sagen . Daß St. Just ein falsches , ein doppelt falsches Spiel treibt , werden Sie wohl selbst bemerkt haben . Es gilt jetzt , daß wir uns davon Ueberzeugung verschaffen , um den Plänen der Partei , welcher er aus Interesse für die Gräfin dient , entgegenzuarbeiten , ohne daß sie es merkt , um sie schließlich in ihrer eigenen Falle zu fangen . Mein Rath ist nun der : Sie begeben sich sofort zu Herrn v. M. und suchen zu erfahren , ob St. Just an der Verhaftung des braven Ralph schuld ist , oder doch nachträglich bei Herrn v. M. gegen ihn intriguirt hat . Sind Sie bereit dazu ? - Ja - sagte der Prinz sehr ernst . - Sie haben recht , es ist Zeit , mich dieser erbärmlichen Fesseln zu entwinden und ich danke Ihnen , daß Sie mir die Kraft dazu gegeben . Doch habe ich noch eine Bitte , deren Motiv Sie jedoch