sie sein Weib werden . « Mit tiefer Indignation über seine Insolenz stieß ich ihn von mir , er schien dies nicht zu achten und fragte mich verwundert : » Warum weigert sich das Blaßgesicht , mein Weib zu werden , da es zu mir kam in dieser Absicht ? « Ich war außer mir , ich empfand , daß er nicht eine Ahnung habe von den erhabenen Intentionen , welche mich in die Wälder geführt hatten , ich warf mich vor ihm nieder , umklammerte seine Kniee und sagte ihm Alles , was mein Herz mir eingab . Ich sprach von dem Leid verkannter Frauenherzen mit der Inspiration einer Prophetin , er verstand es nicht . Ich blickte nach der Thüre und dachte an Flucht . Der Delaware beobachtete mich scharf , er schien meine Gedanken zu errathen . » Coeur de Lion ist leichtfüßig wie der Hirsch und sein Auge scharf wie das Auge des Luchses . Wohin will das weiße Weib sich flüchten , ohne daß er sie entdeckte und einholte ? « sagte er lächelnd . Da faßte ich eine Resolution . Ich ergriff den Tomahawk , der in der Ecke lehnte , und rief , ich wolle mich tödten . Und wieder lachte der Barbar höhnisch bei den Worten : » Die Hand der weißen Frau ist klein und der Tomahawk ist schwer . « Er nahm ihn mir spielend aus den Händchen und band mir diese auf den Rücken zusammen . Dann sah er mich ruhig an und rief , indem er hinausging : » Die weiße Frau zieht morgen mit uns in das Innere der großen Wälder zu den Winterquartieren des Volkes . Drei Tage wird der Häuptling warten , ob sie ihn bittet , sein Weib zu werden ; am vierten Tage wird sie sterben , wenn sie es weigert , denn Coeur de Lion ist kein Blaßgesicht , das erzittert vor den Thränen eines Weibes . « Die Angst , die Qualen dieser drei Tage waren über jede Schilderung groß , und nirgend eine Aussicht auf Rettung . Ich war meines Erfolges in der Männerwelt so gewiß gewesen , daß ich den Fürsten gebeten hatte , mich ruhig im Blockhause zu erwarten . Ich sah nur zwei Auswege , beide gleich entsetzlich . Ich konnte mich nicht entschließen , die Frau dieses Barbaren zu werden , dessen unsoignirte Hände mir ein Horreur waren , wie sein Branntweintrinken und sein Tabackrauchen ; und ich wollte nicht sterben . Ich war ja noch jung und meine Mission noch nicht zu Ende , ich hatte ja den Rechten noch nicht gefunden , die Laterne des Diogenes durfte noch nicht erlöschen . Die Nacht des vierten Tages war ihrem Ende nahe . Mit wunden Füßchen ruhte ich in dem Zelte des Häuptlings , umgeben von einigen Weibern des Stammes , deren wüstes Schnarchen mein Ohr beleidigte . Man hatte mich gezwungen , bei den Vorkehrungen zu den Mahlzeiten zu helfen , ich hatte kochen , Wasser tragen und Arbeiten verrichten sollen , von denen meine Händchen bluteten . Wie wenig glichen sie jetzt weißem Mousselin mit Rosa-Taffet gefüttert . Die forcirten Märsche , die widerwärtigen Nahrungsmittel , die ich , durch Hunger gezwungen , zu mir nehmen mußte , hatten meine Nervosität auf das Höchste gesteigert . Ich fieberte und drohte den Fatiguen und der Angst meiner immensen Seele zu unterliegen . Todesbang spähte ich nach der Thüre und ein Schrei der Verzweiflung rang sich aus meiner Brust , als die ersten Schimmer des Tages in das Zelt fielen und der Häuptling eintrat . Die Körper- und Seelenleiden mochten meine Schönheit alterirt haben . Der Häuptling blickte mich prüfend an , und wendete sich dann mit einem Blicke von mir ab , den ich mir nicht zu deuten wußte , während er befahl , die Zelte abzubrechen und sich zum Marsche zu rüsten . In wenig Momenten war dieser Befehl executirt . Die Weiber beluden sich mit dem Gepäcke und machten sich auf den Weg , die Krieger gingen theils voraus , theils zur Bedeckung hintennach . Von mir nahm Niemand Notiz ; ich blieb allein zurück mit dem Häuptlinge , ahnend , daß er meinen Tod nun vollziehen werde , wenn ich länger seinen Wünschen Widerstand leistete . Wie ein strenger Richter , wie ein junger Kriegsgott im Stolze seiner vollkräftigen Männlichkeit stand er vor mir . Ich mußte , so sehr ich ihn fürchtete , mir in diesem Momente gestehen , daß er von admirabler Schönheit und sein Maintien , so weit es bei einem Wilden möglich , vollkommen das eines Gentlemans sei . Weinend warf ich mich ihm zu Füßen - O ! das war ein schwerer Moment . Ich , die göttliche Gräfin Diogena , vor der die Elite der civilisirten Nationen gekniet , kniend zu den Füßen eines hochmüthigen , unbezähmten Sohnes der Wildniß . Der ganze prächtige Stolz des aristokratischen Weibes revoltirte sich dagegen und doch mußte ich knien . Er betrachtete mich und meine Thränen mit supremer Verachtung , dann sagte er : » Das weiße Weib ist in wenigen Tagen alt geworden und krank in der Freiheit der Wälder . Es ist die frische Luft des großen Geistes nicht werth , nicht mehr werth , das Weib des jungen Kriegers zu werden , der die kranke Frau nicht begehren kann . Sie kann nicht kochen und nicht die Waffen tragen , sie weint und würde elende , feige Memmen gebären . Sie mag heimgehen zu den Städten der elenden Blaßgesichter , für deren Männer sie gut genug ist , mit ihren zitternden Händen und ihren Thränen . Coeur de Lion wird sich ein gesundes , junges , schönes Weib seines Stammes kaufen . Die schwache , weiße Frau ist ihm ein Greuel ! « Stolz wendete er sich ab , rief einen alten Krieger seines Stammes herbei und befahl ihm , mich an das Blockhaus zurückzugeleiten . Fast sterbend erreichte ich es , der Fürst kannte mich