vor den eigenen entsetzlichen Gedanken und Bildern . « Marie ließ matt die Arme sinken und neigte das Köpfchen auf die Brust herab , vor ihr aber stand das stolze schöne Weib , und eine Thräne , ein seltener Gast , drängte sich ihr in das große schwarze Auge . » Du sollst bei mir bleiben , Marie - « flüsterte sie dem armen Kinde leise zu - » sie sollen Dich nicht fort von mir reißen , - er darf es nicht , « wiederholte sie dann leise und mir sich selber redend - » er darf mir die Bitte nicht versagen , und wenn er ' s thut , wenn er wirklich schon alles das vergessen haben sollte , was er mir in früheren Zeiten gelobt - gut - der Versuch sei wenigstens gemacht - « » Ich will schlafen gehen , « sagte die Unglückliche und strich sich die feuchten Locken aus der Stirn - » ich will schlafen gehen - mein Kopf schmerzt mich - meine Pulse schlagen fieberhaft - ich bin wohl krank - gute Nacht , Georgine . « Marie erhob sich und schritt der Thüre zu ; Georgine aber , ob von plötzlichem Mitleid oder anderen Gefühlen bewegt , umfaßte das arme Wesen , das sich kaum aufrecht erhalten konnte , und führte es durch eine in die linke Wand geschnittene und von einem prachtvollen Vorhang bedeckte Thür in ein kleines Gemach , das seiner Bauart nach schon in dem Waarenhause lag und nur durch eine dünne Brettwand von den großen , hier zeitweilig aufgestellten Gütern getrennt wurde . Kaum hatte sich dort die Arme auf ein Lager niedergelassen und mit weichen Decken gegen die kühle Nachtluft geschützt , als auch die Thür ihres Wohnzimmers sich öffnete und Kelly - den Hut in die hohe Stirn gedrückt - eintrat . Georgine ließ den Vorhang sinken und stand im nächsten Augenblick vor dem Gatten . » Wo ist die Fremde ? « war das erste Wort , das er sprach , und seine Augen durchflogen schnell den kleinen Raum . » Ist das der ganze Gruß , den Richard heut Abend seiner Georgine bringt ? « frug diese halb scherzend , halb vorwurfsvoll - » suchen meines Richard Augen heute zum ersten Mal ein fremdes Wesen und fliehen den Blick der Gattin ? « » Nein , Georgine , « sagte Kelly , und die ernsten Züge milderten sich zu einem leichten Lächeln , » die Augen sind Deine Sclaven wie immer , die Frage galt nur der Fremden , « und er streckte der Geliebten die Hand entgegen und zog sie leise an seine Brust . - » Guten Abend , meine Georgine , « flüsterte er dann und drückte einen Kuß auf ihre Lippen - » aber - wo ist die fremde Frau - Du hast nicht recht gethan , sie bei Dir aufzunehmen . « » Richard - laß mir das unglückliche Geschöpf - « bat Georgine und schlang den weißen Arm um seinen Nacken - » laß sie mir hier - Du weißt , die Mädchen , die auf der Insel Hausen , sind nicht für mich - es ist rohes , wüstes Volk und sie hassen mich , weil ich nicht ihre wilden Freuden theile . Mariens ganzes Wesen verräth dagegen einen höhern Grad von Bildung , als man ihn sonst bei solch ' einfachem Farmerskind vermuthen sollte . Ich will sie bei mir behalten , vielleicht kann ich ihr in Etwas das wieder vergüten , was - Andere ihr genommen . « » Liebes Kind , « erwiderte Kelly und warf sich nachlässig auf die Ottomane - » das sind Geschäftssachen , und Du kennst unsere Gesetze . So sehr ich das schöne Geschlecht ehre , so sehr muß ich doch auch dagegen protestiren , daß es sich da betheiligt , wo es an Hals und Kragen gehen könnte . « » Richard , « sagte das schöne Weib und preßte die kleinen Lippen fest zusammen - » Du thust mir nie etwas zu Liebe - ich mag Dich bitten , um was ich will - Du hast eine Ausrede - nicht einmal nach Helena willst Du mich führen . « » Ich habe Dir schon gesagt , daß ich mich dort selbst nicht blicken lassen darf - « lächelte der Führer . » Gut - so gestatte mir wenigstens die Gesellschaft eines einzigen menschlichen Wesens , das ich - ohne Abscheu ansehen darf . « » Eine große Schmeichelei für mich . « » Du bist unausstehlich heute . « » Du bist ärgerlich , Georgine , « sagte der Capitain freundlicher als vorher , » aber sei vernünftig . Die Fremde kann nicht hier bleiben , wo ihr Sander gar nicht auszuweichen vermöchte . « » Also er war jener Bube - « » Ruhig - Du wirst vorsichtiger und milder in Deinen Ausdrücken werden , wenn Du erfährst , daß gerade er es ist , der die Ausführung unserer Pläne beschleunigt . - Das zuletzt eingebrachte Boot enthielt ein so bedeutendes Capital in baarem Geld - in Gold und Silber - daß ich jetzt entschlossen bin , Deinen bisherigen Bitten nachzugeben . Ich sehe ein , unsere Lage hier muß mit jedem Tage gefährlicher werden . Das Geheimniß ist kaum noch ein Geheimniß , und mir selbst scheint es räthselhaft , wie es so lange verborgen bleiben konnte . Wir wollen nach Houston und von da in das Innere von Mexiko - halte Dich also zu einem schnellen Aufbruche bereit . « » Und die Insel ? « » Mag unter Anderer Leitung meinethalben fortbestehen . « » Werden sie Dich aber Deines Führeramts entlassen ? « » Vielleicht gehen sie mit - « sagte der Capitain , augenscheinlich zerstreut - » doch - wie dem auch sei - die Dirne darf nicht hier bleiben - Verrath vor der Zeit könnte uns Alle verderben . « » Was wollt Ihr mit ihr thun ? «