des Lebens scheinen dürfte , als ihm und Jenny . Doch zögerte er keinen Augenblick , sich offen und frei auszusprechen , und seine Befangenheit , jedes Gefühl von Ungleichheit verschwand , als er mit schöner Wärme von seiner Liebe und von dem Glücke sprach , das in derselben läge . Die Eltern hörten bewegt und mit Wohlgefallen die feurigen Worte des jungen Mannes , der ihnen werth geworden war und dem sie ihre volle Achtung nicht versagen konnten . Reinhard war ein Mann , wie zärtliche Eltern ihn ihrem Kinde wünschen mußten : offenen Herzens , klaren Geistes und von den reinsten Sitten . Aber die Zerstörung der Hoffnung , Jenny mit Joseph verbunden und das Bestehen seiner Handlung auf diese Weise gesichert zu sehen , schmerzte den alten Herrn , dem freilich das Glück der einzigen Tochter höher stand , als die Erfüllung seiner Lieblingswünsche . In diesem Sinne war seine Antwort anerkennend und ehrenvoll für Reinhard . Er bat ihn , ihm bis zum nächsten Tage Zeit zu gönnen , ehe er sein bindendes Wort zu dieser Heirath ausspräche ; er müsse erst mit sich , mit Jenny und den Seinen einig werden , da ihm persönlich der Antrag ganz unerwartet gekommen sei . Mehr konnte Reinhard eigentlich nicht verlangen . Er hatte es so voraussehen können , und doch war er unzufrieden mit sich , mit Allem . Er wünschte Jenny noch einmal zu sehen ; aber das verweigerte die Mutter , besorgt , die neue Aufregung könne der Tochter schädlich sein ; doch versprach sie ihm , gleich zu Jenny zu gehen , ihr das Ergebniß der Unterredung mitzutheilen , und entließ Reinhard mit den Worten : Gehen Sie , Lieber , und grüßen Sie Ihre Mutter ; ich hoffe , wir sehen uns morgen Alle , und zwar recht glücklich wieder . Je gespannter die Pfarrerin der Rückkehr ihres Sohnes geharrt hatte , um so mehr erschreckte sie der Ernst in seinen Zügen . Er erzählte ihr , wie Alles gekommen war , wie er glaube , am Ziele seiner Hoffnungen zu stehen ; er pries sich glücklich , Jenny nun die Seine zu nennen , und doch fühlte seine Mutter , die ihn kannte wie sich selbst , daß irgend Etwas sein Glück störe . Und so war es wirklich . Reinhard war durch Jenny ' s Betragen bei seiner Ankunft auf eine Weise verletzt worden , die er so leicht nicht verschmerzen konnte . Zu einer versöhnenden Erklärung hatte der flüchtige Augenblick nicht hingereicht , den Jenny an seiner Brust gelegen : ein Glück , das er sich und der ruhigen Neigung der Geliebten allein verdanken wollte , war ihm vom Zufall unerwartet zugeworfen , in einem Augenblick , in dem er kaum in der Stimmung gewesen war , es zu empfangen oder zu begehren . Nach der leidenschaftlichen kurzen Minute in Jenny ' s Armen schien ihm das Betragen ihrer Aeltern kalt , und obgleich er sich fortwährend wiederholte , daß er Jenny ' s Liebe besitze , daß er seinen heißesten Wunsch erfüllt sähe , kam keine rechte Freude in seine Seele . - Tadeln wir ihn deshalb nicht ! Es genügt nicht immer , daß wir an unser Ziel gelangen ; es kommt wesentlich darauf an , wie wir es erreichen . Der morgende Tag wird für das Seinige sorgen ! mit den Worten verließ der alte Meier am Abend seine Frau und Jenny , die noch lange beisammenblieben und , der Vergangenheit gedenkend , tausend Entwürfe machten , wie es möglich zu machen sei , daß Mutter und Tochter nicht getrennt würden , was bei Reinhard ' s Beruf leicht der Fall sein konnte . Denn daß der Vater seine Einwilligung geben würde , da Jenny ihm versichert , sie könne nicht glücklich sein , nicht leben , ohne Reinhard , daran glaubten die Frauen nicht zweifeln zu dürfen . Und doch war der alte Herr der Heirath lange nicht so geneigt , als die Beiden glaubten ; und die Morgenstunde fand ihn mit Eduard und Joseph , die er zu sich beschieden hatte , in ernster Berathung . Er theilte ihnen die Vorgänge des letzten Abends mit und fand zu seiner Verwunderung , daß man sie gewissermaßen erwartet hatte . Eduard bekannte , er habe seit längerer Zeit eine Neigung Jenny ' s und Reinhard ' s zu einander vermuthet , habe aber absichtlich geschwiegen , weil dergleichen Verhältnisse wie eine Aeols-Harfe wären , die man bei der leisesten Berührung hell erklingen mache ; und er habe andrerseits die Ueberzeugung gehegt , daß die Aeltern keinen Grund irgend einer Art haben könnten , dieser Neigung entgegen zu sein , da ihnen Allen Reinhard als einer der tüchtigsten Menschen bekannt sei . Was Du da sagst , mein Sohn , sprach der Vater , ist größtentheils wahr . Ich finde es auch begreiflich , wie gerade Dir - Eduard wurde verwirrt , - eine Heirath aus Neigung so unerläßlich scheint , daß alle andern Rücksichten davor schweigen . Anders aber urtheilt man in meinen Jahren , als in den Euren . Und doch , wandte Eduard ein , hast Du , lieber Vater ! bei der Wahl Deiner Gattin nur Dein Herz gefragt . Das , glücklicherweise , ergänzte der Vater , nirgend gegen Bestehendes zu kämpfen hatte . Doch das gehört nicht hierher . In einer Stunde , wie diese , müssen falsche Rücksichten nicht beachtet werden : ich sage es daher offen , wir Alle wissen , daß Joseph Jenny liebt . Mir war das sehr erwünscht , denn es war mein fester Wille , sie ihm zur Frau zu geben , und Dich , Joseph , den ich wie einen Sohn liebe , wirklich zu meinem Sohne zu machen . Ich weiß das , lieber Onkel ! aber Jenny hat keine Neigung für mich , und sie würde vielleicht mit mir , wie ich nun einmal bin , auch ohne Reinhard ' s Dazwischentreten nicht