um sie zu verkürzen . Jene Besorgniß , die uns überfällt , jene Unruhe , die uns aufregt , wenn wir nach langer Abwesenheit in die Heimath kehren und die bekannten Thürme der Vaterstadt uns sichtbar werden - dieser Unruhe kann ich jetzt nicht Herr werden , da ich mich endlich dem Ziele meines Lebens , der Erfüllung meiner sehnlichsten Hoffnungen , der geliebten Heimath meines Herzens nähere . Ich möchte bei Dir sein , Deine Hand in der meinen halten und in dem warmen Lichte Deiner Blicke die schöne Gewißheit Deines Besitzes fühlen . Als ich gestern tief in Deine Augen blickte und mein Bild so klein und beweglich sich darin wiederspiegeln sah , bin ich eifersüchtig geworden bei dem Gedanken , so klein und flüchtig könne mein Andenken in Deinem Herzen sein ; nun aber verstehe ich das besser . So gewiß , so klar und so deutlich mein Bild , in vollkommner Gleichheit mit mir selbst , mich aus Deinem Auge verschönert anblickt , so wird jeder Gedanke , jedes Gefühl meines Daseins , mir , vollkommen verstanden , gleich gefühlt und doch unendlich schöner wiedergegeben , wenn es durch die läuternde Atmosphäre Deines Herzens , Deines Geistes gegangen ist . Ja ! mein theures Herz ! unsre beiden Seelen sind nur Eine , nur zusammen können wir das höchste Ziel erreichen , das uns zu erreichen möglich ist . Und wie froh , wie frei macht mich das Gefühl , daß ich in Dir den schönsten Preis des Lebens , Dich , Dein Herz , Deine Liebe wieder errungen habe , die nun mein sind für ewig . Wie kann ich Dir danken , wie Dich die Jahre von Schmerz und Kummer vergessen machen , die ich in unglücklicher Verblendung über Dich verhängt hatte ? Nur das beruhigt mich , daß eine Liebe , wahr und stark wie meine , Alles ausgleicht , daß es kein Opfer gibt , keines , meine Clementine ! das ich Dir nicht mit Freuden zu bringen im Stande wäre , wenn Dein Glück es erheischt . Und nicht wahr ? Du hast vergeben , Du denkst nur mit Liebe an mich ? Glaube mir , jetzt ist Alles gut . Ich fühlte es gestern , als Du in meinen Armen ruhtest , als Dein Haupt auf meine Schulter sank : die Nacht des Leidens ist vorüber , und eine schöne Zeit wird uns werden . Nun erst werde ich mein Land lieben , ganz anders lieben , weil es den heimischen Herd enthält , an dem Du waltest ; mit ganz anderm Sinne werde ich für die Zukunft säen und wirken für ein Geschlecht , das nach uns lebt - o ! eine schöne Zeit wird uns jetzt werden . Möge sie Dir mit dem heutigen Tage beginnen . Wirf Alles von Dir , was Dich ängstigt und quält , Geliebteste ! Die Hindernisse irdischer Verhältnisse müssen vor der Gewalt unsrer Liebe schwinden . Noch wenig Tage vielleicht , und wir sind unzertrennlich vereint . - Fühlst Du wie ich die Wonne dieses Gedankens ? An die Zeit denke , wenn wir uns heute wieder sehen , meine Clementine ! und wünsche sie so sehnlich herbei als ich , der nach Dir verlangt mit aller Gluth und Liebe , welcher ein Menschenherz fähig ist . Ich möchte ein Gott sein , wenn Götter stärker zu lieben vermögen , als wir , um Dich so glücklich zu machen durch meine Liebe , als ich es wünsche , um Dir das Geschenk Deines Herzens zu danken . Auf baldiges , seliges Wiedersehen , Geliebte ! Noch zwei Stunden , ehe ich Dich sehe - wie lange ist das noch , und doch wie kurz gegen die lange Zeit , die ich Dich entbehrte . Ganz und immer Dein . Ruhig , wie ein abgeschiedener Geist auf die Erde blicken mag , sah Clementine auf diesen Brief ; sie war unwandelbar entschlossen . Sie hatte eine Stunde des höchsten Glücks empfunden , nun fühlte sie die Kraft zu entsagen . Die Worte Deiner Liebe , schrieb sie , haben mir unbeschreiblich wohl gethan und den reinsten Wiederhall in meiner Brust gefunden . Fest , wie an das Dasein Gottes glaube ich an Deine Liebe und in diesem Vertrauen fordre ich von Dir das Opfer , das mich das schwerste dünkt . Wir dürfen uns nicht wieder sehen , mein Freund ! weil wir nicht für einander leben dürfen . Höre mich ruhig an , Du Geliebter ! Mehr als ich es Dir sagen könnte , muß Dich gestern die Freude , welche mir Dein Wiedersehen bereitet , von meiner heißen Liebe überzeugt haben . Kein trüber Gedanke hat mir die Seligkeit gestört , das Geständniß Deiner Liebe von Deinem Munde zu hören , mein höchstes Glück in Deiner Freude zu genießen . Was der sehnlichste , einzige Wunsch des Mädchenherzens war , Deine Liebe , Du hast sie der Frau gewährt , die sie Dir nicht lohnen darf . In den Jahren , die unsrer Trennung folgten , von Zweifeln an Dir gequält , von Dir entfernt und mich selbst aufgebend , habe ich Tage des herbsten Schmerzes verbracht , die nun alle ausgetilgt sind aus meinem Leben durch eine Stunde des Glückes , und diese Stunde werde ich Dir ewig danken ; wie in dieser Stunde soll mir Dein geliebtes Bild gegenwärtig bleiben . Die Deine aber werde ich nie . Ich darf mein Glück nicht auf Kosten der Ruhe und Ehre eines Mannes erkaufen , der mir sein Glück und seine Ehre anvertraut , mir seinen unbefleckten Namen gegeben hat . Kann ich die Liebe , die er für mich hegt , gewaltsam seinem Herzen rauben ? Darf ich , die Jahre hindurch seine Gefährtin war , ihn verlassen , da das Alter sich ihm naht ? Soll ich ihn dem Gespötte preisgeben , das grausam jeden verrathenen Ehemann verfolgt ? Soll die Welt ihn verlachen , weil er großmüthig mir