sich alle Welt unter diesem Worte denkt - und ob überhaupt etwas . « » Ein Gemisch von Eigenschaften , die sich scheinbar widersprechen : tiefer Ernst und Kindesheiterkeit , z.B. eine sanfte Seele und ein starkes , muthiges Herz , Laune und Gemüthlichkeit , männliche Entschiedenheit und jungfräuliche Grazie - « » Habe ich denn das Alles ? « fragte Faustine verwundert . » Nein , weit mehr , « sagte Clemens trocken . Feldern sah ihn überrascht an , er glaubte bereits den höchsten Grad der Bewunderung an den Tag gelegt zu haben . Faustine sagte : » Lieber Feldern , ich empfehle Ihnen diesen meinen jungen Freund hier , Herr von Walldorf , Bruder meines Schwagers , der hergekommen ist , um recht gründlich Dresden kennen zu lernen . « » Ganz und gar nicht , « sagte Clemens , wieder sehr trocken . » So geben Sie selbst Ihre Gründe an , « entgegnete Faustine . » Ich bin gekommen , um Sie zu sehen , und nun da diese Absicht erreicht ist - « » Fahren Sie nach Oberwalldorf zurück ? « rief sie lachend . » Will ich schlafen gehen . « » Um morgen in besserer Stimmung wiederzukommen - hoff ' ich . « Feldern sah dem Abgehenden nach und sagte : » Der junge Mann scheint keine besonders gute Erziehung genossen zu haben . « » Keine gute , das ist wahr ! aber zum Glück auch keine schlechte , sondern gar keine . Daher fehlt ihm Manches , aber verdorben ist nichts . Nehmen Sie sich freundlich seiner an . « » Sobald Sie ein Gleiches für meinen Freund Mengen thun . « » O der hat es nicht nöthig , ist seit sechs Monaten hier , hat festen Fuß gefaßt in der Gesellschaft und überall - « » Wenn Sie wüßten , wie er Ihre Bekanntschaft wünscht ! « » Sonderbar ! was weiß er denn von mir ? « » Er hat Sie zweimal gesehen , in der Ferne zwar nur - « » Ach , « rief Faustine , » er hat mich gesehen ! Ja , dann begreif ' ich . « - Feldern lächelte . » Warum lächeln Sie ? « fuhr sie fort ; » muß ich Ihnen denn auseinandersetzen , was doch sehr einfach , daß der frische , unvorbereitete Eindruck einer Persönlichkeit genügend ist , um uns ihre Bekanntschaft wünschen oder meiden zu lassen . Dann haben wir keine Vorurtheile für oder gegen , und die unbefangene Seele weiß , was sie brauchen kann und was nicht . - Es ist wirklich ein Jammer , daß man gar nicht mehr unbefangen sprechen darf ! Alles wird uns als Eitelkeit gedeutet . « » Wenn die Deutung Sie nicht trifft , so werden Sie mir deshalb nicht zürnen . « » Nein ! nur bedauern , daß Sie sich selbst um das Vergnügen bringen , an die Unbefangenheit zu glauben . « » O Gräfin , man muß sehr jung , sehr unerfahren , oder sehr verliebt sein , um das zu glauben - nicht den Frauen gegenüber : das ist unmöglich ! Nur einer einzigen Frau gegenüber ! Es liegt ein Abgrund von Lügenhaftigkeit in ihnen ! « Faustine entsetzte sich fast , den sonst so gemessenen , vorsichtigen Feldern so heftig sich äußern zu hören . Welche Erfahrung , welche Kränkung mußte ihn getroffen haben , um einen so ungewöhnlichen Ausbruch zu veranlassen ! - Ehe sie noch eine Erwiderung gefunden , wendete aber Feldern das Gespräch , indem er sagte : » Also morgen darf ich Mengen herführen , und Sie entschuldigen , daß es früh geschehen wird , denn ich muß hinausreiten , und die Geschäfte wälzen sich erdrückend auf mich . « Er ging bald . Was sind das alles für confuse Zustände ! dachte Faustine ; darf man sich gar nicht mit den Menschen einlassen , ohne im Sturm umgewirbelt zu werden , wie jene Verdammten in Dantes Hölle ? Darf man Keinem die Hand reichen , ohne befleckt oder verwundet zu werden ? Und warum stehe ich denn so friedlich-glücklich zwischen all dem Wirrsal ? O mein Anastas ! - » Endlich ! « sagte Mario , als er am nächsten Tage vor Faustinen stand . » Grade zu rechter Zeit ! « sagte Faustine . Beider Blicke begegneten sich und sanken in einander wie zwei gefaltete Hände . Er fühlte , daß die ungekannte Königin seiner Seele ihm nahe war . Er sprach ungewöhnlich wenig ; er ließ Feldern reden , und Kirchberg , den er schon vorfand , und Clemens , der später kam , und sie , die allein für ihn mit süßer Melodie und nicht mit Schellengeklingel redete . Und wenn sie es that , so sah er sie an mit einer Befriedigung , als habe er durch ein glückseliges Ohngefähr die Lösung eines seltsamen Problems gefunden . Clemens sah sie an mit gespannter Unruhe , mit leidenschaftlicher Angst , ob ihr Auge länger , lieber auf einem andern Gegenstande ruhe ; Mario - als wolle er seinen Blick zu einem Teppich machen , der ihr zartes , traumähnliches Wesen ungefährdet und unverletzt tragen dürfe . Heute , bei hellem Tageslicht und in der Nähe , kam sie ihm nicht so blendend vor wie im Salon von Frau von Eilau , nicht so majestätisch wie auf der Terrasse ; das eigene Zimmer gab ihr einen Anstrich von traulicher Häuslichkeit . Sie selbst und Alles um sie her war so friedlich , so bequem . Kein Fußtritt war auf dem starken Teppich zu hören ; tiefdunkelrothe Vorhänge fielen lang über die Fenster herab , verhüllten die Aussicht auf Schnee und Reif , fingen den matten Strahl der Wintersonne auf und gaben ihm eine glühendere Färbung . Die Thür nach einem zweiten Zimmer war geöffnet ; auch dort dieselbe blaßgraue Tapete , derselbe Teppich , dieselben dunkelrothen Vorhänge . Diese gleichmäßige Farbentemperatur that dem Auge