Versuchung abzuwenden . « » Ach , ja , « rief Elmerice sanft erweicht und drückte Veronika ' s zitternde welke Hand an ihre Lippen - » es ist viel eigner Wille in mir , und eine verlockende Sehnsucht nach dem Glücke dieser Erde ; zu lebhaft fühle ich mich ergriffen von Schmerz und Kümmerniß , um immer recht fromm sein zu können - die rechte Demuth fehlt mir . « » Nun , nun , « - sagte mild und begütigend Veronika - » warum solltet Ihr in so zarter Jungend auch schon dahin gekommen sein ; wonach wir bis in unser höchstes Alter streben , aufrichtige Erkenntniß dessen , was uns gebricht vor Gott , läßt nicht zu , daß wir abwärts wandeln in leidiger Selbstzufriedenheit . « - » Das Maaß , « sagte der Vikar , » ist in allen geistigen Dingen die wahre Demnth ! Weder Ueber- noch Unterschätzung unseres Werthes . Freude haben an dem Fortschreiten des Guten in uns und es erkennen wollen an dem Zusammenhange mit Gott , das arbeitet dem Bösen besser entgegen , als eine Zerknirschung über unsere Fehler , die uns bange und verwirrt macht , und den Frieden der Seele stört , ohne den wir nie gottgefällig sein können . Wahre Demuth , gutes Kind , erträgt eben die Erkenntniß der mangelhaften Natur in sich , ohne in Unruhe und verderbliche Ungeduld zu gerathen - sie glaubt eben auf eine Seligkeit fehlerfreier Existenz gar nicht Anspruch machen zu können , und trägt die kranke Seele und hofft voll Vertrauen auf den Arzt , der sie langsam ausheilen hilft . Unsere Schwachheiten zu vergrößern , daß wir uns davor entsetzen , ist auch eine gefährliche Richtung der Seele , weil sie uns das Gefühl von Unwürdigkeit giebt , was uns von Gott entfernt , indem wir in solcher Stimmung nicht zu ihm aufzusehen wagen , und das ist dann der gewisseste Rückschritt . « » Ach , « rief Elmerice , » welche große Wahrheit geht so gelinde aus Eurem Munde ! O , verschmäht es nicht , mir Eure Weisheit mitzutheilen , da Gott mich zu Euch geführt hat . - Ich will es nicht leugnen , mein Herz schlägt muthlos und bang , und ich bin zweifelhaft , ob mich meine eigenen Fehler quälen oder die Ahnung eines nahen größeren Unglücks . « » Ich sah Euch bald diese Stimmung an , « erwiederte freundlich ernst der Vikar , » und wußte nicht , ob überstandene Leiden oder irgend ein fortnagendes Gefühl Euch diesen Stempel muthloser Traurigkeit aufgedrückt hatten . - Es wirkt wohl , denke ich , Beides in Euch ! « fuhr er fort , da Elmerice ihren Kopf senkte und einzelne Thränen in ihren Schooß fielen , » und aus diesen gesteigerten Empfindungen entsteht eine willige und harte Selbstanklage , wie Ihr sie eben gegen Veronika aussprachet . Nicht Vorwürfe will ich Euch machen , denn meine lange Erfahrung hat mich gelehrt , daß die , welche geistige Hülfe geben sollen , sich sehr bedenken müssen , ein Gemüth zu zerknirschen . Der Tadel , den wir zu dem vorhandenen aufgeregten Zustande hinzufügen , kann das Entgegengesetzte bewirken . Ist das Gemüth sanft und zart , wird es in ihm die Furcht erregen , daß es sich nie wieder mit Gott versöhnen könne - und nicht oft genug kann ich wiederholten , dies für die gefährlichste Furcht zu halten , da sie in Wahrheit gottlos wird . - Ist aber das Gemüth stolz und hart , wird es wieder unsere Pflicht sein , ihm seine Fehler leicht zu machen , das heißt , sie ihm zu erklären , ihr Entstehen betrachtend mit ihm durchgehen , dasselbe nicht mit dem scharfen Worte , wovor die ungewohnte Seele erschrecken würde , auf Gott zu verweisen , aber es zu leiten , daß es ihn selbst endlich entdecke , daß er aus ihm hervorträte , selbst geboren durch den freieren Zustand der Seele . Blinder Eifer verfehlt immer das Ziel - und wehe , wehe , wenn wir erst dem eitlen Verstande gelehrt haben , durch Streit und Widerstreit den schwachen Punkt des kranken Innern zu vertheidigen ! - Lange bleibt ein so durch unsere Schuld gereiztes Wesen wohlgefällig verschanzt hinter diesem dürftigen Bollwerke seiner Eitelkeit und glaubt , der Feind , von dem es sich immer tiefer verwundet fühlt , komme von ganz anderer Seite her . Bitter und krankhaft , kleinlich und schwach hängen sich solche Geister oft an die äußere Gestaltung des Lebens , und sie verlieren zuletzt ganz die Krast der Seele , die nöthig wäre , ihr schwächliches Treiben zu durchschauen und das Unzureichende ihrer Schlüsse zu erkennen . - In dieser Ueberzeugung beruht auch meine Ansicht über die unglückliche Mistreß Gray , die durch ihre ganze Lebensweise so viel Furcht und Schrecken erregt . - Daß sie Herbes erlitten , ohne den Zusammenhang mit Gott finden zu können , da ihre Seele schwach und hochmüthig zugleich war , ist mir , der ich zu lange hier bin , um nicht Manches von ihrem Schicksale zu wissen , sehr klar geworden - daß sie eigentlich böse sei , wie mindestens ihr zuerkannt wird , widerlegt ihr Vertrauen zu Kindern , die Liebe derselben zu ihr , und daß ich die , die sie auswählte und um sich behielt , zu den besten Kindern , Mädchen und Frauen meines Kirchspiels rechnen muß , obwohl es mir schwer werden würde , dies anders zu erklären , als daß sie früher ernst wurden , ihr Nachdenken geschärft und erweckt ward , und sich bei ihnen eine Abneigung gegen alle Rohheiten vorwaltend zeigte . Dir , meine Tochter , rathe ich übrigens , das Schloß zu vermeiden , und hier in unserer stillen Klause - in der Gesellschaft meiner frommen Schwester Veronika Deinen Geist und Dein Herz zu beruhigen . « Voll Dank und Ehrfurcht trennte sich Elmerice von den würdigen Geschwistern , die sie freundlich