, geht noch nicht ! rief die Unbekannte , wie erwachend , und stellte sich schnell von ihrem Platze vor die Herzogin , sagt mir , edle Frau , Ihr wollt mich ferner schützen ? Kein Mensch kann hier feindlich eindringen ? Diese Zimmer sind ganz sicher ? - Ach verzeiht mir , liebe Mistreß Morton , oft habt Ihr gütig diese Fragen mir beantwortet , ich glaubte Euern tröstlichen Worten , und doch sehnte ich mich nach der Bestätigung aus diesem Munde . O , zürnt mir nicht , Mylady , man nannte mich furchtlos sonst . Ach , man hat sich schwer getäuscht , meinem glücklichen Leben fehlte blos das Furchtbare , mit ihm lernte ich auch die Furcht kennen . - Seid unbesorgt , erwiederte die Herzogin , dies störe nimmer Eure Ruhe . Für Eure Sicherheit verbürg ' ich mich ; im Schooß der Euern waret Ihr nicht sicherer . - Gott lohne Euch so große Güte ! rief nun das holde Wesen , und es wiederstrahlte ihr Gesicht von Dank und inniger Verehrung . Sie hatte lieblich sich gebeugt und ihre Hände kindlich auf die Brust gekreuzt . Die reichen braunen Locken umschatteten in glänzender Fülle die hohe Stirn , das liebliche Oval . Sie hob die Augen langsam zur Herzogin empor , und wer diesen Blick erkannt hatte , der mußte für immer sich ihr weihn . Auch schien die Herzogin davon aufs Neue erschüttert ; noch ruhete ihr Auge darauf , als könnte sie es nicht losreißen , aber ihre Füße , ihre Arme hoben sich außer aller Haltung wie zur Flucht . Die Farbe wechselte auf ihren Wangen , und kaum vernehmlich stammelte sie ein wenig motivirtes schnelles Abschiedswort . Rasch eilte sie durch die Zimmer und blieb dann unbeweglich vor Pons stehen , der im Vorsaal harrend in seiner tief gebeugten Stellung um ihre Befehle fragte . Sie sah ihn nicht , seine Worte erreichten nicht ihr Ohr . Ihre Augen blickten trübe in die Ferne des Saales , als gewahre sie dort einen Gegenstand . Pons hob bei ihrem fortgesetzten Schweigen den Kopf empor , vielleicht in guter Hoffnung einer Fortsetzung des früheren Scherzes . Aber so auffallend war der Ausdruck in den Zügen seiner Herrin , daß er zurück sprang und die Augen scheu nach dem Raume warf , in den die Herzogin hineinstarrte . - Zur selben Zeit trat Mistreß Morton vor , und ihre Stimme erreichte ihr Ohr . Was willst Du , Morton , was habe ich gethan , wie sagst Du ? rief die Herzogin jetzt schnell auf einander . Pons erwartet die Befehle Euer Durchlaucht , sagte Morton in fast strengem Ton . Die Herzogin strich mit der Hand über die gespannte Stirn und deutete dann nach den Thüren , welche zu den Zimmern der alten Herzogin führten . Pons verschwand wie der Blitz , aber die Herzogin behielt keine Zeit sich zu sammeln , denn die alte Lady , von ihrer Nähe unterrichtet , hatte schon Lovelance an die Thür geschickt , den möglichen Besuch der Schwiegertochter zu empfangen . Sie kam ihr in ihrem Wohnzimmer entgegen , aber die freundlichen Mienen und Worte , mit denen sie daher kam , erstarben , als sie die Herzogin näher anblickte . Todtenbleich mit gebrochenen Augen zuckten ihre Lippen nach Worten , aber nur ihre Hand konnte ein schwaches Zeichen gegen die Thür machen . Diese verschloß sich dem Winke , und sie ergriff mit letzter Kraft einen Lehnstuhl , darauf bewußtlos niedersinkend . Ruft Niemanden zu Hülfe , Milady , rief die besonnene Morton , und erschreckt nicht , es wird bald vorüber gehen . Ich führe Alles bei mir , was der Frau Herzogin nöthig ist . Während dem löste sie geschickt den Gürtel und die Banden an dem Kopfzeuge , und rieb Stirn und Schläfe und die zuckenden Pulse mit flüchtigen Tropfen , indeß die alte Lady , so ruhig und gefaßt , wie die alte Dienerin , mit mütterlicher Innigkeit zwischen ihren warmen Händen die erstarrten der Herzogin zu beleben suchte . Sah meine Tochter die Fremde ? - Sie sah sie so eben . - Dies waren die einzigen leise gewechselten Worte der beiden Frauen . Ihren stillen Bemühungen entsprach bald der Erfolg . Die Herzogin schlug die Augen auf , und sich zusammenraffend blickte sie umher . Als ihr klar ward , was geschehen war , suchte sie sich zu erheben . Sie wollte sprechen , doch die alte Lady ließ sie nicht zu Worte kommen , sondern sagte , indem sie sanft sie zu einem Stuhl am Kamin führte und in ungestörter Ruhe , wie es schien , sich an ihrer Seite niederließ : Muß ich nicht wieder schelten ? Wie Du Deine Gesundheit wagst ! Ohne Mantel bist Du über die kalten Gallerien und Säle gegangen , und die Luft ist so voll Nebel heute , daß kein Fenster dicht genug ist , ihn abzuhalten . Vergißt Du ganz , wie Deine Gesundheit jetzt zarter behandelt sein will , als sonst ? Wollten wir Dich strafen , plauderten wir aus , wie leidend Du Dich machst , aber wenn Du Deinem alten Mütterchen nur künftig folgen willst , wollen wir Dich nicht verrathen , denn Deine Kinder hätten freilich groß Recht , mit Dir zu schelten . Die Herzogin senkte den Blick , den sie , während die edle Lady sprach , fest auf sie gewendet hielt , als wollte sie die unbefangenen Worte prüfen . Doch wenn auch zweifelhaft blieb , ob sie diese jähe Ohnmacht wirklich dem Nebel in den Gallerien zuschrieb , Wohlwollen , ungekünstelt und rein , wie es in diesem Herzen vorwaltete , war der unverkennbare Ausdruck in ihren weichen Zügen , ihrem Blick , im Ton der Stimme . Der starre Ernst auf dem bleichen Angesicht der Herzogin löste sich , wie öfters an der Seite dieses warmen , hingebenden Gemüths , in eine Art von Ergebung auf . Sanft zog