Ursache . Die Gesellschaft , sagte der Graf lächelnd , hat ihn erheitert und so diese wohlthätige Wirkung hervorgebracht . Das kann nicht sein , entgegnete der Arzt , ich wollte ihm ja heut Morgen Gesellschaft leisten , ich gab mir alle Mühe ihn zu erheitern , aber wer sich auf nichts einlassen wollte , das war mein Kranker . Ja , dann läßt sich freilich seine Besserung gar nicht erklären , sagte der Graf scherzend , die Ursache dieser Wirkung wird nicht aufzufinden sein . Man muß darüber nachdenken , erwiederte der Arzt ganz ernsthaft ; Jetzt muß ich aber darauf bestehen , sagte er zu St. Julien , daß Sie sich zur Ruhe begeben , das zu lange Aufsitzen ist Ihnen durchaus schädlich . Fügen Sie sich den Vorschriften des Arztes , sagte Emilie , wie Sie es versprachen , damit er Sie recht bald wieder herstellt , und wir bald mit einander das erste Duett singen können . Singen , rief der Arzt im höchsten , mit Unwillen vermischten Erstaunen , Sie denken daran , zu singen ? Gott behüte , ich habe Ihnen kaum zu sprechen erlaubt , von Gesang kann gar nicht die Rede sein , und wenn ich Sie auch ganz hergestellt habe , so ist es doch möglich , daß Ihre Brust schwach bleibt , und daß sie sich solche Gedanken müssen vergehen lassen . Dann stellen Sie mich aber nicht ganz her , sagte St. Julien mit heiterer Laune , denn vor meiner Verwundung hätte ich Tagelang singen können , ohne daß ich es in der Brust gefühlt hätte ; wenn Sie es also unternehmen , mich vollkommen wieder herzustellen , so müssen Sie mich in diesen Zustand zurück versetzen . Was das für Ansichten sind , sagte der Arzt , das beweist recht , wie wenig Sie von der Arzneiwissenschaft verstehen . Wir wollen uns aber heut darüber nicht streiten , sondern ich will Sie auf Ihr Zimmer führen und Ihre Wunden verbinden . Er wollte ihm den Arm bieten , um ihn zu führen , der Graf aber , der seine gutmüthige Ungeschicklichkeit kannte , zog die Klingel und überlieferte den Kranken der sanften Pflege des höflichen Dubois . X Des andern Morgens erschien der Graf nicht beim Frühstück , und man meldete der Gräfin , er habe das Schloß zu Pferde in Begleitung eines Reitknechts schon vor einigen Stunden verlassen . Die Gräfin sowohl , als Emilie vermutheten es leicht , wohin ihn dieser frühe Ritt geführt hatte , und ihre Vermuthung war nicht ungegründet . Ein scharfer Wind wehte dem Grafen schneidend entgegen , als er am frühen Morgen über die Hügel trabte , und der Sonnenschein funkelte blendend auf den Schnee , so weit sein Auge reichte ; der Frost schüttelte seine Glieder , und er wünschte den Weg beendigt zu haben , aber dennoch hatte er nicht das Unangenehmste eines Wintertages empfunden ; als aber nach und nach das Blau des Himmels von grauem Gewölk bedeckt wurde , das sich wie schwerer Nebel niedersenkte , so daß Erde und Himmel sich nicht mehr unterscheiden ließen , und , als er nun die tieferen Gründe und Schluchten hinter sich gelassen und eine ziemlich ausgedehnte Ebene erreicht hatte , ein scharfer Wind heulend blies , der ihm den Schnee , der vom Himmel herabfiel , eben so entgegen trieb , wie den , der vom Boden aufgeweht im Wirbel gedreht wurde , so , daß Erde und Himmel auch in dieser Rücksicht sich vereinigt zu haben schien : da bereute er es beinah , daß er sich selbst der unfreundlichen Witterung ausgesetzt und nicht einem Diener die Botschaft anvertraut hatte . Herzlich erfreut war er daher , als er plötzlich bemerkte , daß er sich am Eingange eines Dorfes befand , denn der vom Himmel herabfallende und der von der Erde aufgewehte Schnee verdickte die Luft dermaßen , daß sich die nächsten Gegenstände kaum unterscheiden ließen . Der Graf stieg in der Schenke des Dorfes ab , um sich einigermaßen zu erwärmen , und erkundigte sich dann nach dem Meierhofe , den der Obrist Thalheim bewohnte . Der Wirth , ein wohlbeleibter , gutmüthiger Mann , gab die nöthige Auskunft , indem er den Obristen herzlich bedauerte . Daß Gott erbarm ! rief er aus , was wird der arme alte Herr anfangen , er hat Niemanden gedrückt , aber nun drücken ihn Viele , nicht der Feind ist so schlimm gegen uns , wie man gegen ihn ist . Der Graf fragte , ob das kleine Gut , das der Obrist bewohnte , weit entfernt vom Dorfe liege ? Keine halbe Viertelstunde , rief der Wirth , und ich habe schon wollen hingehen und ihm anbieten , wenn sie ihn morgen austreiben , fürs Erste hieher zu ziehen ; aber lieber Gott ! so ein Herr kann nicht in einer Schenke wohnen , und dann könnte ich ihn auch nicht immer ernähren , und wäre er einmal hier , so würde ich ihn nicht wieder los , denn Wer wird sich die Last aufladen wollen ; alt ist er auch , und stürbe er bei mir , so müßte ich ihn noch begraben lassen , und ich bin selber ein gedrückter Mann . Die schweren Zeiten , der Krieg , die vielen Abgaben , das soll Alles aus der Schenke bestritten werden , Kinder habe ich auch , das muß man Alles bedenken . Der Graf , ob er zwar auf die edelste Weise jeden Vorzug anerkannte und niemals annahm , daß die Geburt allein schon Rechte verleihen könne , war doch keinesweges gleichgültig gegen die Vorzüge der Abkunft , und ihm schauderte innerlich vor dem Gedanken , daß ein Mann von vornehmer Geburt , von guter Erziehung , der dem Staate mit Auszeichnung gedient hatte , durch den Drang der Umstände so erniedrigt werden könnte , von der Wohlthätigkeit eines Schenkwirths abhängig zu werden . Er fragte deßhalb mit inniger Hast , ob er einen Boten