starb . Jesus war nicht der größte , aber der edelste Mensch , dessen Namen die Geschichte aufbewahrt hat . Dies ist der historische Kern eines Ereignisses , aus welchem spätere Zeiten ein episches Gedicht machten mit Wundern und einer ganz fabelhaften Göttermaschinerie . Eine kleine Anekdote wurde welthistorisch . Die französische Revolution hinterließ eine Menge von politischen Wahrheiten , welche im Ansehen geblieben sind , selbst wenn jene weniger glücklich vonstatten gegangen wäre . So kam es auch , daß die verunglückte Revolution des Schwärmers Jesu etwas zurückließ , was zuletzt eine Religion wurde . Sollte hier zum ersten Male ein kleines , zufälliges Faktum den Anstoß zu einer großen Bewegung gegeben haben ? Nein , die Folgen jener Historie mögen so umfassend gewesen sein , wie sie es waren , so kann davon nichts auf die Naivetät der Historie selbst zurückfallen . Jesus war in Rücksicht auf den jüdischen Messiasglauben nicht der rechte Messias , sondern ein falscher , so gut wie Theudas , Judas Galiläus und Bar Kochba . In Rücksicht auf die Weltgeschichte war er desgleichen nicht mehr ; nur daß seine Anhänger zufällig von der Zeit , von dem unsinnigen Heidenritus , von der Sucht des Geheimnisses profitierten . Das Ereignis , das allen den folgenden Begebenheiten und Revolutionen zum Grunde lag , steht an und für sich betrachtet auf keiner höhern Stufe als die Lebensumstände des Pythagoras , Zoroaster oder Sokrates . Jesus war Jude . Er dachte nicht daran , eine neue Religion zu stiften . Es war bei ihm weder von einer Aufhebung noch von einer Erläuterung des Judentums die Rede . Er sagte selbst , daß er nicht gekommen sei , das Gesetz aufzulösen , sondern zu erfüllen ; ein Ausdruck , der freilich im griechischen Texte mehr sagt als das bloße : Befolgen , aber nicht über den Begriff eines vollkommnen , in allen seinen Bezügen verstandenen Judentums hinausgeht . Da war auch nicht eine einzige neue Lehre , welche Jesus brachte . Enthüllte er tiefer die Geheimnisse Gottes ? Nein , er kennt nur jenen pädagogischen Gott des Judentums . Waren seine Andeutungen über die Unsterblichkeit neu ? Sie waren es , der dunkeln und zweifelhaften Lehre des Alten Testaments gegenüber : aber seit dreihundert Jahren glaubten die Juden an die Fortdauer nach dem Tode aus eignem Antriebe : die Pharisäer hatten daraus das Feldgeschrei ihrer Parteimeinung gemacht . Was blieb demnach im Munde Jesu übrig ? Eine Moral , welche allerdings veredelnde Kraft hat , aber nie mehr gibt und geben will als das lautre Judentum . Die Moral Jesu hält sich immer dicht bei den Gebräuchen des Zeremonialgesetzes und ist nur darin charakteristisch , daß sie für den äußern Ritus innerlich entsprechende Gesinnungen forderte . Jesus lehrte : Liebe deinen Nächsten wie dich selbst ! So lehrte schon Moses ; aber der Stifter einer neuen Religion mußte sagen : Liebe deinen Nächsten mehr als dich selbst ! Daraus schließt man , daß Jesus eine Person war , die einzig und allein der Geschichte , keineswegs aber der Religion oder Philosophie angehörte . Törichter Glaube , das Neue Testament für die Grundlage einer Religion anzusehen , für ein Buch , das geschrieben worden wäre , um symbolischen Wert zu haben ! Der Kanon ist nichts als die erste Erscheinung des Christentums . Das Christentum selbst liegt darüber hinaus : das heißt , vage Begriffe über ein gescheitertes historisches Ereignis wurden von Männern herumgetragen , die dabei beteiligt gewesen waren . Die Apostel hatten die Fähigkeit nicht gehabt , eine Begebenheit zu verstehen , welche mit sich selbst in Widersprüchen lag ; sie konnten sich nur der Wirksamkeit nicht entschlagen , welche eine so bedeutende Persönlichkeit wie die ihres Lehrers auf sie ausübte : sie glaubten seinen dreisten Behauptungen , daß er der Messias wäre , und fanden bei der Verbreitung dieser Ansicht darin eine Unterstützung , daß Jesus seine baldige Wiederkunft versprochen hatte . So entspann sich ein romantisches Truggewebe von Wundern , subjektiven , die Jesus verrichtet habe , objektiven , die an ihm selbst geschehen wären . Die Apostel übersahen , wie sehr die Mehrzahl dieser Wunder , welche eher auf einen Eskamoteur als auf einen Propheten schließen lassen ( ich erinnere nur an die Fabel von dem Stater im Leibe eines Fisches ) , das göttliche Gepräge ihrer Erzählungen verwischte . Ja , sie wußten nicht einmal , wieviel sie moralisch wagten , alle ihre Behauptungen wechselseitig ohne Prüfung anzunehmen . Denn das Altertum war überall auf das Außerordentliche hin gerichtet und konnte sich keine große Begebenheit ohne Abweichungen von dem natürlichen Laufe der Dinge erklären . Auffallend bleibt es indessen , daß die Apostel selbst im Neuen Testamente so wenig scharf und präzis als Verbreiter der Lehre Jesu auftraten , daß erst andere meist ein Amt übernahmen , was ihnen vor allen zukam . Hätten sie wirklich den Leichnam Jesu gestohlen ? Dann klänge dies Stillschweigen fast wie böses Gewissen . Hierüber mag ich nichts entscheiden : nur dies scheint fest , daß die Apostel Menschen von borniertem Verstande waren , daß sie überhaupt viel Ähnlichkeit mit unsern Theologen hatten und daß es zuletzt nicht ohne typische Vorbedeutung war , wenn neben der Krippe Jesu gleich ein Ochs und ein Esel standen . Diejenigen unter den Anhängern Jesu , welche , ich sage nicht , logische Schlüsse machen , doch wenigstens begreifen konnten , wie z.B. der von den Theologen gern zu einem tiefsinnigen Philosophen gestempelte Paulus , befolgten in der Stiftung einer neuen Sekte den dreisten Gang , daß sie in Jesu nur die Neuerung anerkannten . Sie rissen seine Erscheinung als etwas Isoliertes vom Gesetze los . Sie machten aus polizeilichen Differenzen ihres Lehrers mit der Synagoge absichtliche , dogmatische , religionsstiftende . Eine übermütige Exegese , welche die Stellen des Alten Testamentes in einem sträflich verkehrten Sinne auf Jesus bezog , mußte ihre Absichten unterstützen . Jesus wurde ein Wundertäter , und er machte als solcher unter den Heiden ein Glück