könnten mich sonst beim Doktor auf ewig in Mißkredit stürzen . « - » Dacht ' ich ' s doch , « rief Eduard bei sich , » Priesterin , Sonnambüle , Jakobinerin , Buhlerin , Alles in Allem ! « Sophie wollte in ihren Erörterungen und Geständnissen von Neuem beginnen , als die Thüre sich öffnete und der Baron eintrat . Er grüßte und nahm Platz , indem er seine Tochter aufmerksam von der Seite in ' s Auge faßte ; sie that unbefangen und fing sogar an , ein Liedchen zu singen , das durch seine falschen Töne Eduard ' s Ohr nicht wenig beleidigte . » Ich wette , « sagte der Alte zu ihr , » Du hast wieder allerlei Bekenntnisse zu Markte gebracht und nach deiner Art räsonnirt , der Kaffee ist kalt geworden und ein Theil der Sahne ist auf ' s Tuch verschüttet . « Sie begütigte mit einem Handkuß den Scheltenden und schlüpfte zur Thüre hinaus . » Wenn ich doch den Unfug in meinen alten Tagen nicht noch zu erleben brauchte , « rief der Baron , indem er ihr nachsah ; » wahrlich , in die Tiefen des Meeres möchte ich mich betten , die Kammern der Felsen möchte ich aufschließen , um mich vor dem Unsinn , dem leeren polternden Treiben zu verstecken . Ich weiß , daß es nur ein Schwindel , ein Traum ist , worin die heutige Welt befangen ist , daß dieser jammervolle Zustand bald vorübergehen wird und muß - doch dauert er mir jetzt schon viel zu lange . « Er saß grimmig da , und erst dann gelang es Eduarden , ihn in eine bessere Stimmung zu bringen , als er einen Gang in die würzige Frische des Morgens vorschlug . Unser Freund konnte sich nicht entschließen , auf ' s Schloß zu gehen , um sein Werk anzufangen . Als man den Garten entlang ging , wurde Sophie bemerkbar , die Küchenkräuter einsammelte . » Das wird eine ächt liberale Suppe werden , « spöttelte der Alte , » da sie wiederum es sich nicht nehmen läßt , selbst die Ingredienzen einzusammeln ; wir werden uns wohl , theurer Freund , den Hunger heute vergehen lassen müssen . « Nach einer Pause fragte er : » Kennen Sie das Fräulein Magdalena oben im Schloß ? « - Eduard schüttelte das Haupt . » Ein treffliches Geschöpf , « fuhr der Baron fort , » ich könnte Ihnen von Wohlthaten erzählen , von in der Stille verübten trefflichen Handlungen , doch lassen wir das , man muß seinem Nebenmenschen auch nichts Gutes hinter dem Rücken nachsagen . « Er schwieg und Eduard empfand durchaus keine Neigung , den Discurs fortzusetzen ; in dem Augenblick holte sie ein Diener vom Schlosse ein , und brachte von der Fürstin eine Einladung an Eduard , auf ' s Schloß zu kommen . Der Alte trennte sich von ihm , und sobald er fort war , erschien Sophie mit dem Bündel gepflückter Kräuter . » Nicht wahr , « sagte sie , » der treffliche Alte hat schon wieder über mich gelästert ? o ich bin oft der Verzweiflung nahe ; wie schwer wird es uns doch , den Schatz zu verbergen , den wir über Nacht gehoben haben ! Er will mich nun einem vernünftigen kalten Mann verbinden , einem eingefleischten Altgläubigen , der sich nicht scheut , noch eine Perücke zu tragen und den Uz und Gleim zu lesen , mit einem Worte , er will mich einem Pfarrer vermählen , der im nächsten Städtchen wohnt , und von Zeit zu Zeit seine dürren aristokratischen Beine hierher in Bewegung setzt , um mir seine Person anzutragen . Wahrlich , man kann einen Abscheu gegen jede Verbindung bekommen , wenn man sieht , wie Ihr Geschlecht sich vereinigt , das unserige in ein unbedeutendes läppisches Nichts hinab zu drücken . Kindische Tändeleien füllen unsere Jugend , Sitte , Vorurtheil , Männerstolz beraubt uns nach und nach jeder höhern Wirksamkeit , und indem die Eitelkeit Ihres Geschlechts einen Kitzel darin findet , mit unserer Erscheinung wie mit einer geputzten Puppe zu spielen , so lange dieser der Flitter vergänglicher Jugend und Schönheit anklebt , so findet zugleich der Stolz der Männer seine Berechnung dabei , durch eine so unwürdige Verweichlichung unsere Theilnahme den Angelegenheiten des Gemeinwesens zu entziehen , und unsern Geist zur Führung der Staatsgeschäfte untauglich zu machen . Was sind wir Weiber jetzt und was könnten wir seyn ? Wer mag heutzutage an Thusnelden erinnern , ohne fürchten zu müssen , lächerlich zu werden ? und doch ist nicht Liebe , Vaterland , Freiheit ein und dasselbe im Busen eines jeden edleren Weibes , kann sie den Mann lieben , der unwürdigem Joche seinen Nacken beugt ? « - Aus ihrem Auge stürzten , als sie dieses sprach , Thränen , zugleich entfielen ihr die Küchenkräuter , und ein Hündchen , welches sie begleitete , stürzte sogleich über den grünen Haufen her , und verschleppte unter Gebell und Sprüngen die farbigen Wurzeln ; die neue Thusnelde hatte Mühe , indem sie ihm nachjagte , ihre Schätze wieder zu erlangen , als sie zurückkehrte , war Eduard schon auf dem Wege nach dem Schlosse begriffen , ein Diener trug ihm das Malergeräth nach . Eine Woche war vergangen , während er ziemlich eifrig an dem Bilde arbeitete , doch mit innerem Widerstreben . Magdalena schien seine eisige Kälte zu empfinden , manchmal zog sich ein bittendes Lächeln über ihre Züge , doch lag sie stumm in ihrem sammetnen Lehnsessel . Die Fürstin ging ab und zu , die Oberhofmeisterin las zuweilen ein kleines französisches Lustspiel vor . Eduard hatte nie eine ähnliche Qual empfunden ; er sah , wie unter seinen Händen die Arbeit verkümmerte , wie jede volle Linie , jede warme Form ermattete und erstarrte , dennoch konnte er sich einen gewissen Triumph nicht verhehlen , der in der Ueberzeugung bestand , daß es