nahte heran , man rüstete sich , die Gerüste zu besteigen , weil das Pferderennen beginnen sollte . Ich stand ziemlich verlassen auf der Straße , musternd mit sehnsüchtigen Blicken die Galerien und Balkone , ob meine Schöne nicht darauf zu treffen sei . Plötzlich fühlte ich einen leisen Schlag auf die Schulter . So einsam ? tönte in der lieben Muttersprache eine süße Stimme in mein Ohr . Ich sah mich um . Eine reizende Maske , in der Kleidung einer Tirolerin , stand hinter mir . Durch die Höhlen der Maske blitzten jene blauen Augen , die mich damals so sehr überraschten . Sie ist ' s - es ist kein Zweifel . Ich bot ihr schweigend die Hand , sie drückte sie leise . Du böser Otto , flüsterte sie , den ganzen Abend habe ich dich vergebens gesucht . Wie mußte ich schwatzen , um die Signora loszuwerden ! Die Wache rückte die Straße herab . Es war hohe Zeit , die Galerien zu suchen . Ich deute hinauf , sie gab mir ihren Arm , sie folgte . Ein heimliches Plätzchen hinter einer Säule bot sich dar , sie wählte es von selbst . Karneval , Pferderennen , alle Schönheiten Roms waren für mich verloren , als mein stiller Himmel sich öffnete , als sie die Maske abnahm . Noch lieblicher , noch unendlich schöner war sie als an jenem Abend . Die zarte Blässe , die sie damals aus der Kapelle brachte , war einer feinen , durchsichtigen Röte gewichen ; das Auge strahlte noch von höherem Glanz als damals , und der tiefe , beinahe wehmütige Ernst der Züge , wie sie sich mir damals zeigte , war durch ein Lächeln gemildert , das fein und flüchtig um die zarten Lippen wehte . Sie heftete wieder einige Minuten schweigend ihr Auge auf mein Gesicht , strich mir spielend die Haare aus der Stirne , und rief dann plötzlich : Jetzt bist du ' s wieder ganz ! ganz wie an jenem Abend in der Kapelle , den du mir so hartnäckig leugnest ! Gestehst du ihn deiner Luise noch nicht ? Welche Pein ! was sollte ich sagen ? da fiel plötzlich das Signal , die Pferde rannten durch den Korso . Meine Schöne bog den Kopf abwärts , und ich , meiner Sinne kaum mächtig , flüchtete hinter die nächste Säule , um nicht im Augenblick vor dem arglosen Mädchen als ein Tor , oder noch etwas Schlimmeres zu erscheinen . Und was war ich auch anders , wenn ich mich selbst recht ernstlich fragte ? Was wollte ich von dem Mädchen , was konnte ich von ihr wollen ? Und war nicht eine so weit getriebene Neugierde Frevel ? Während ich noch so mit mir selbst kämpfte , ob es nicht ehrlicher sei , ein Abenteuer aufzugeben , dessen Ende nur ein törichtes sein könnte , bemerkte ich , daß meine Stelle schon wieder besetzt sei . Ich schlich näher herzu , um wenigstens zu hören , wer der Glückliche sei , da ich ihn , ohne meine unbescheidene Nähe zu verraten , nicht sehen konnte . Wie magst du nur so zerstreut fragen , sagte Luise , du selbst hast mich ja heraufgeführt . Ich hätte dich geführt , der ich diesen Augenblick erst zu dir trete ? Gestehe , du betrügst mich : wer hat dich hergeleitet ? Mit befangener Stimme , dem Weinen nahe , beharrte sie auf dem , was sie vorhin sagte . Du bist auch wie unser Wetter über den Alpen , soeben noch so freundlich , und jetzt so kalt , so finster . Jener stand schnell auf : Ich bin nicht gestimmt , meine Gnädige , das Ziel Ihrer Scherze zu sein , sagte er , und wenn Sie sich in Rätsel vertiefen , wird meine Gesellschaft Ihnen lästig werden . Er brach auf und wollte gehen . Ich konnte die Leiden der Armen nicht mehr verlängern , trat hervor hinter der Säule , um mich als Auflösung des Rätsels zu zeigen . Aber wie ward mir ! Meine eigene Gestalt , mein eigenes Gesicht glaubte ich mir gegenüber zu sehen . Die überraschende Ähnlichkeit - « Fünfzehntes Kapitel Das Intermezzo - Die Trinker Ein schrecklicher Angstschrei , ein Gerassel , wie Blitz und Donner einander folgend , unterbrach den Erzähler . Welcher Anblick ! Der Jude lag ausgestreckt auf dem Boden des Saales , überschüttet mit Tee , Trümmer seines Stuhles und der feinen Meißner Tasse , die er im Sturz zerschmettert , um ihn her . Der Ärger über eine solche Unterbrechung war auf allen Gesichtern zu lesen ; zürnend wandten die Damen ihr Auge von diesem Schauspiel , von den Herren machte keiner Miene , ihm beizustehen . Er selbst aber blieb sekundenlang liegen , ohne sich zu rühren und schaute verwundert herauf . Ich sprang auf , ihm beizustehen , ich hob ihn auf und sah mich nach einem andern Stuhl um , auf welchen ich ihn setzen könnte . Aber ein Verwandter des Hauses raunte mir in die Ohren , ich möchte machen , daß wir fortkommen , mein Hofmeister scheine sich nicht in dieser Gesellschaft zu gefallen . Wir folgten dem Wink und nahmen unsere Hüte . Als ich mich von der gnädigen Frau beurlaubte , sagte sie mir viel Schönes und lud mich ein , sie recht oft zu sehen ; meinen armen Hofmeister würdigte sie keines Blickes . Sie neigte sich so kalt als möglich , und ließ ihn abziehen . Gelächter schallte uns nach , als wir den Saal verließen , und ich hatte mit meiner Inkarnation so viel menschliche Eitelkeit angezogen , daß mich dieses Lachen ungemein ärgerte . Wie gern hätte ich die Erzählung jenes interessanten jungen Mannes zu Ende gehört7 , wieviel Wichtiges und Psychologisches hätte ich noch von dem » Gardeuniform-liebenden « Fräulein erlauschen können ; und war ich selbst nicht ganz dazu gemacht , junge Herzen an jenem Abend