Herzogin stehenden jungen Mannes . Er wandte , fast unmerklich erröthend , den Blick von mir ab , so wie der meinige ihn traf , und auch ich schlug die Augen wieder nieder , aber ich fühlte , wie meine Wangen vor dem Strahle seines Blicks in dunkelem Purpur erglühten . Als ich mich nach einer kleinen Weile unbemerkt wußte , sah ich doch verstohlen wieder hin ; es war eine hohe edle Gestalt mit einem sehr ausdrucksvollen schönen ernsten Gesichte . Sein durchaus ruhiger , bescheidener und doch vornehmer Anstand verkündeten in ihm den Mann von Welt und feiner Bildung ; ich sah von ihm auf meine zahlreichen , den Saal füllenden Bewunderer , nie hatten sie mir weniger gefallen ; alle standen in ehrerbietiger Ferne , einige , noch verlegener als ich , drückten sich an den Wänden herum . Ich wünschte in diesem Augenblick nichts sehnlicher . als zu erfahren , wer der interessante Fremde sei . Aber wo hätte ich den Muth hernehmen wollen darnach zu fragen ; ich war mit einemmal ein blödes bescheidnes Kind geworden , und ich kannte mich selbst nicht wieder in dieser Umwandlung . Der Nachmittag war bestimmt , die Herzogin an einige der schönsten Puncte der Umgegend zu führen und sie selbst hatte die Gnade , mich zur Begleitung ihrer Töchter einzuladen . Ich fuhr mit den Prinzessinnen und ihrer Hofmeisterin in einem offenen Wagen , der Fremde ritt neben dem der Herzogin her . Er schien so an ihre Nähe gefesselt , daß er sich von ihr durchaus nicht entfernen durfte , indessen hatte ich doch das Vergnügen , ihn von weitem zu beobachten . Seine schöne Gestalt zeigte sich mir zu Pferde auf das allervortheilhafteste , denn es ist ja eine sehr alte Bemerkung , daß für die Männer das Pferd das ist , was für uns der Tanzsaal , um darauf körperliche Vorzüge im günstigsten Lichte geltend zu machen . Mit stiller Freude wurde ich gewahr , daß er sich nach uns umsah , so oft sich die Gelegenheit dazu bot . Ich bemerkte es jedesmal , wenn es geschah , mochte aber um so weniger es wagen , nach seinem Namen zu fragen . Eine elegante und ausgesuchte Kollazion erwartete die Herzogin nach vollendeter Spazierfahrt , in einem der schönsten Gärten in der Nähe der Stadt , und ein brillantes , von einem in diesem Fache berühmten Künstler dirigirtes Feuerwerk sollte mit sinkender Nacht die Freuden dieses Tages beschliessen . Für die Herzogin war zu diesem Zweck dicht am Hause eine grosse , mit einem seidnen Baldachin bedeckte Estrade erbaut worden . Einige Stufen führten von dieser Estrade in den Garten hinunter , und vom Hause aus gelangte man , ebenfalls einige Stufen hinab , durch drei der grossen , bis an den Fußboden reichenden Fenster des in der ersten Etage befindlichen Speisesaals , auf die für die Herzogin und die Damen bestimmten Plätze . Ich fand den meinigen unfern den Prinzessinnen , am Ende der zweiten Reihe von Stühlen . Das Feuerwerk begann , die laue Sommernacht schien für ein Vergnügen dieser Art eigends geschaffen zu sein . Dunkle Wolken bedeckten den Horizont , ohne doch mit wahrem Regen zu drohen , und das in bunten feurigen Farben stets wechselnde lustige Strahlenspiel zeigte sich auf diesem dunkeln Hintergrunde , in feenhafter Zauberpracht . Der Anblick der zahllosen geputzten Zuschauer , welche im Garten , um die Estrade her gruppirt , theils sassen , theils standen , erhöhte den Reitz des magischen Schauspiels , indem alle die vielen Köpfe sich bald im hellsten Lichte zeigten , bald zurücktretend in das geheimnißvolle Dunkel der Nacht , wieder verschwanden . Das ganze Feuerwerk gieng zur Freude aller Anwesenden ganz vortrefflich von statten ; schon zeigte sich die letzte glänzendste Dekorazion , ein im hellsten Brillantfeuer strahlender Säulentempel . Ein feuriger Adler flog zu einem der obern Fenster des Hauses hinaus über die Estrade weg , um die an dem Tempel angebrachten Namenzüge der hohen Herrschaften anzuzünden , alles war in gespannter froher Erwartung . Doch ehe der Adler noch die Mitte seiner Bahn erreichte , riß einer der Drähte entzwei , an welchen er schwebte , der feurige Klumpen prallte sinkend zurück , gerade auf den Platz zu , wo die Herzogin saß . Er setzte die seidene Drapperie des Baldachins in Brand , verwundete ein paar Damen und fiel dann mitten in der Estrade zu Boden , wo er , dampfend und zischend und prasselnd , Angst und Gefahr um sich her verbreitete . Von dem Tumulte , dem Geschrei , dem Entsetzen der Unordnung , worin sich jezt alles auflöste , kann Euch keine menschliche Zunge einen Begriff geben . Man muß so etwas mit erlebt haben , um es sich vorstellen zu können . Alle Rücksichten waren im Moment vergessen , jeder dachte nur an sich und die Seinen . Die , welche auf der Estrade sich befanden , stürmten schreiend durcheinander , den in den Speisesaal führenden Zugängen zu . Jeder rief mit überlauter Stimme die Namen der Seinen , die er im Gedränge zu verlieren fürchtete , und alle vermehrten im panischen Schrecken die allgemeine Unordnung und die erst aus dieser hervorgehende Gefahr , welcher ein einziger besonnener Mann hätte zuvorkommen können . Mit einem Griffe , der die glimmenden Drapperien herunter gerissen , mit einem Fußtritt , der den Funken sprühenden Adler in den Garten hinab geschleudert hätte , wäre alles gethan gewesen . doch daran war jezt nicht mehr zu denken . Die leichten Latten , welche rings um die Estrade eine Art Balustrade gebildet hatten , wurden von denen zertrümmert , die aus dem Garten hinauf diese erkletterten , um ihren oben befindlichen Frauen und Töchtern zu Hülfe zu kommen ; die Stühle wurden umgeworfen , einige der Fliehenden fielen über diese , oder über die zu dem Hause hinaufführenden Stufen , andere stiegen über die Gefallenen weg . Die Herzogin war zum Glück gleich im ersten Augenblick ins Haus