dennoch von dir verschmäht wird . O glauben Sie das nicht , gnädiger Herr ! Wer weiß aber besser , als Sie , daß der eine Mensch so , der andere so empfindet ? Mir läßt es nun einmal keine Ruhe , und wenn ich auch wenig hätte , würde ich doch denken : es giebt Tausende , die noch weniger haben . Darum , gnädigster Herr ! fleh ' ich Sie an , lassen Sie mich ziehen und thun , was mein Herz mir gebeut ! Sonderbar , daß die ganze Welt sich deines Mitleids erfreut ! wir allein , meinst du , bedürfen dessen nicht . Ach , gnädigster Herr ! wäre Ihnen denn mit meinem Mitleiden gedient ? - Nun wandte er sich schnell von mir ab , und ich fürchtete schon , er würde sich wieder erzürnen ; als er mit einemmale wieder auf mich zukam und sagte : Aber wie , wenn mir nun damit gedient wäre ? - Wie , wenn ich es darauf wagte ? Ach , Sie würden sich irren , gnädiger Herr ! Sie verlangen weit mehr . Und was wäre dieses Mehrere . Sie verlangen , daß ich glücklich seyn soll . Und , nicht wahr ? das ist mit mir , an meiner Seite unmöglich ? O , nicht unmöglich mit Ihnen , an Ihrer Seite ! aber an Ihrem Hofe . Wie , wenn ich ihn abschaffte ? Gnädigster Herr ! Sie spotten meiner nicht ; wenn aber Jemand dieses hörte , würd ' er es glauben . Was er glauben würde , weiß ich nicht ; aber sehen würde er , und wahrscheinlich zum erstenmale : daß es in den Augen eines Mädchens ein Fehler ist , Fürst zu seyn . Ach ja , gnädigster Herr ! und er würde mich auslachen , und darum sehen Sie wohl , daß ich mich an einen Hof niemals schicken werde . Und darum ? O , darum lassen Sie mich ziehen ! Und wie es mir dann geht ? - Wie kommt es , daß diese Frage dir gar nicht einfällt ? O , sie fällt mir ein ! Es wird Ihnen gut gehen , und Sie werden bald wieder einsehen , was Sie schon lange gewußt und eingesehen haben : daß Sie zum Fürsten geboren sind , und ich zur Niedrigkeit und Verborgenheit . Verborgen ! wenn du dein Leben Hunderten widmest ? O ja , gnädigster Herr ! Stiften Sie nur das Kloster ! Dann trag ' ich ein Kleid , wie Alle , die darin sind , und wer kann dann gerade wissen : ob es Diese oder Jene ist , die Diesem oder Jenem geholfen habe ? - Er sah mich nun wieder unbeschreiblich gütig an , und sagte : Wohlan , ich stifte das Kloster ! Die Schwärmerei hat ihre Periode , wie die Ruhmsucht , und beides sind Krankheiten , die geheilt werden können . Worüber lachst du ? Daß Sie mich für krank halten . Jetzt sah er wieder etwas verdrüßlich von mir weg , fragte dann aber mit einemmale : Wer soll die Gesetze für das Kloster erfinden ? - Du ? Jetzt , gnädiger Herr ! spotten Sie meiner ganz gewiß . Nichts weniger ! Der Gedanke kommt von dir , und die Gesetze eines Andern könnten dir vielleicht nicht gefallen . Wenn sie von Ihnen kommen , werden sie mir schon gefallen . Auch das , daß die Nonnen niemals ein Gelübde ablegen , und das Kloster verlassen können , wann sie wollen ? - Das vor allem Andern . Wohlan ! Deine Bitte ist dir gewährt . Ich stifte das Kloster . Nun fiel ich ihm wieder zu Füssen , und dankte ihm mit tausend Thränen . Er aber hob mich ganz gerührt wieder auf , und sagte : Thue nur so etwas nicht mehr ! denn ich kann es nicht tragen . Gehe , du heiliger Engel ! meine Geschäfte rufen mich jetzt . Und wenn du dann ausziehst , den Verlassenen zu helfen ; so denke , daß ich der Verlassenste von Allen bin . Diese Worte drangen mir , wie ein zweischneidiges Schwerdt durch die Seele ; ich konnte meine Thränen nicht mehr stillen , und als ich durch die häßlichen Menschen in den Vorzimmern ging , dacht ' ich recht mit Unwillen : o möcht ' euch Gott bessern , oder Alle vertilgen ! Da ihr den vortrefflichen Mann so unglücklich macht , daß er sich für den Verlassensten von uns Allen hält . Stephani an seine Verwandten . Franz behauptete schon seit mehreren Tagen : Gretchen wisse von dem Bilde . Auch war sie sichtbar verändert , und ihr unschuldvolles Himmelauge begegnete dem meinigen nicht mehr . Gestern kam dann auch die Antwort von Pisa , und ich mußte zum Fürsten . Er empfing mich sehr ernst ; aber doch gütig , und auf die Nachricht mit sichtbarer Freude . Dann aber brach er schnell ab , und ließ einige Gemälde , die er gekauft hatte , und über welche er meine Meinung wissen wollte , herein bringen . Es waren zwei vortreffliche darunter , eine Madonna , und ein Johannes in der Wüste . Wir sprachen viel über die Stellung der Ersten , und von der gefährlichen Klippe , bei Darstellung heiliger Gegenstände an der Grazie zu scheitern . Er behauptete : sie solle ganz bei denselben verbannt werden ; ich aber sucht ' ihm das Gegentheil zu beweisen . Er brauste auf , wie gewöhnlich , und ließ mich nicht zu Worte kommen . Endlich wurd ' er aber doch aufmerksam , als ich sagte : es kommt Alles darauf an , über die Bedeutung des Wortes Grazie einverstanden zu seyn . In dem Sinne , in welchem ich es nehme , muß ich darauf bestehen , daß kein heiliger Gegenstand richtig ohne dieselbe dargestellt werden könne . Und ich sage dir : daß mich gerade diese verwünschte Grazie bei der