war da zu tun , wo niemand hinreichen konnte . Nebst einigen Entschlossenen eilte der Hauptmann herbei , trieb sogleich die Menge von dem Damm herunter nach den Ufern , um den Hülfreichen freie Hand zu geben , welche die Versinkenden herauszuziehen suchten . Schon waren alle teils durch eignes , teils durch fremdes Bestreben wieder auf dem Trocknen , bis auf einen Knaben , der durch allzu ängstliches Bemühen , statt sich dem Damm zu nähern , sich davon entfernt hatte . Die Kräfte schienen ihn zu verlassen , nur einigemal kam noch eine Hand , ein Fuß in die Höhe . Unglücklicherweise war der Kahn auf der andern Seite , mit Feuerwerk gefüllt , nur langsam konnte man ihn ausladen , und die Hülfe verzögerte sich . Des Hauptmanns Entschluß war gefaßt , er warf die Oberkleider weg , aller Augen richteten sich auf ihn , und seine tüchtige , kräftige Gestalt flößte jedermann Zutrauen ein ; aber ein Schrei der Überraschung drang aus der Menge hervor , als er sich ins Wasser stürzte , jedes Auge begleitete ihn , der als geschickter Schwimmer den Knaben bald erreichte und ihn , jedoch für tot , an den Damm brachte . Indessen ruderte der Kahn herbei , der Hauptmann bestieg ihn und forschte genau von den Anwesenden , ob denn auch wirklich alle gerettet seien . Der Chirurgus kommt und übernimmt den totgeglaubten Knaben ; Charlotte tritt hinzu , sie bittet den Hauptmann , nur für sich zu sorgen , nach dem Schlosse zurückzukehren und die Kleider zu wechseln . Er zaudert , bis ihm gesetzte , verständige Leute , die ganz nahe gegenwärtig gewesen , die selbst zur Rettung der einzelnen beigetragen , auf das heiligste versichern , daß alle gerettet seien . Charlotte sieht ihn nach Hause gehen , sie denkt , daß Wein und Tee und was sonst nötig wäre , verschlossen ist , daß in solchen Fällen die Menschen gewöhnlich verkehrt handeln ; sie eilt durch die zerstreute Gesellschaft , die sich noch unter den Platanen befindet . Eduard ist beschäftigt , jedermann zuzureden : man soll bleiben ; in kurzem gedenkt er das Zeichen zu geben , und das Feuerwerk soll beginnen . Charlotte tritt hinzu und bittet ihn , ein Vergnügen zu verschieben , das jetzt nicht am Platze sei , das in dem gegenwärtigen Augenblick nicht genossen werden könne ; sie erinnert ihn , was man dem Geretteten und dem Retter schuldig sei . » Der Chirurgus wird schon seine Pflicht tun , « versetzte Eduard . » Er ist mit allem versehen , und unser Zudringen wäre nur eine hinderliche Teilnahme . « Charlotte bestand auf ihrem Sinne und winkte Ottilien , die sich sogleich zum Weggehen anschickte . Eduard ergriff ihre Hand und rief : » Wir wollen diesen Tag nicht im Lazarett endigen ! Zur barmherzigen Schwester ist sie zu gut . Auch ohne uns werden die Scheintoten erwachen und die Lebendigen sich abtrocknen . « Charlotte schwieg und ging . Einige folgten ihr , andere diesen ; endlich wollte niemand der letzte sein , und so folgten alle . Eduard und Ottilie fanden sich allein unter den Platanen . Er bestand darauf , zu bleiben , so dringend , so ängstlich sie ihn auch bat , mit ihr nach dem Schlosse zurückzukehren . » Nein , Ottilie ! « rief er , » das Außerordentliche geschieht nicht auf glattem , gewöhnlichem Wege . Dieser überraschende Vorfall von heute abend bringt uns schneller zusammen . Du bist die Meine ! Ich habe dirs schon so oft gesagt und geschworen ; wir wollen es nicht mehr sagen und schwören , nun soll es werden . « Der Kahn von der andern Seite schwamm herüber . Es war der Kammerdiener , der verlegen anfragte , was nunmehr mit dem Feuerwerk werden sollte . » Brennt es ab ! « rief er ihm entgegen . » Für dich allein war es bestellt , Ottilie , und nun sollst du es auch allein sehen ! Erlaube mir , an deiner Seite sitzend , es mitzugenießen . « Zärtlich bescheiden setzte er sich neben sie , ohne sie zu berühren . Raketen rauschten auf , Kanonenschläge donnerten , Leuchtkugeln stiegen , Schwärmer schlängelten und platzten , Räder gischten , jedes erst einzeln , dann gepaart , dann alle zusammen und immer gewaltsamer hintereinander und zusammen . Eduard , dessen Busen brannte , verfolgte mit lebhaft zufriedenem Blick diese feurigen Erscheinungen . Ottiliens zartem , aufgeregtem Gemüt war dieses rauschende , blitzende Entstehen und Verschwinden eher ängstlich als angenehm . Sie lehnte sich schüchtern an Eduard , dem diese Annäherung , dieses Zutrauen das volle Gefühl gab , daß sie ihm ganz angehöre . Die Nacht war kaum in ihre Rechte wieder eingetreten , als der Mond aufging und die Pfade der beiden Rückkehrenden beleuchtete . Eine Figur , den Hut in der Hand , vertrat ihnen den Weg und sprach sie um ein Almosen an , da er an diesem festlichen Tage versäumt worden sei . Der Mond schien ihm ins Gesicht , und Eduard erkannte die Züge jenes zudringlichen Bettlers . Aber so glücklich wie er war , konnte er nicht ungehalten sein , konnte es ihm nicht einfallen , daß besonders für heute das Betteln höchlich verpönt worden . Er forschte nicht lange in der Tasche und gab ein Goldstück hin . Er hätte jeden gern glücklich gemacht , da sein Glück ohne Grenzen schien . Zu Hause war indes alles erwünscht gelungen . Die Tätigkeit des Chirurgen , die Bereitschaft alles Nötigen , der Beistand Charlottens , alles wirkte zusammen , und der Knabe ward wieder zum Leben hergestellt . Die Gäste zerstreuten sich , sowohl um noch etwas vom Feuerwerk aus der Ferne zu sehen , als auch um nach solchen verworrnen Szenen ihre ruhige Heimat wieder zu betreten . Auch hatte der Hauptmann , geschwind umgekleidet , an der nötigen Vorsorge tätigen Anteil genommen ; alles war beruhigt ,