Brief und die beigefügte Rolle , die meinen letzten Willen , und die kleinen Verfügungen über mein mütterliches Vermögen enthält . Wer weiß , ob wir uns hier je wieder sehen . Mir steht eine ernste Stunde bevor . Meiner Treue , meinem anhaltenden Bitten , vertraut Demetrius den Posten an einer der gefährlichsten Stellen , und wenn dies Zutrauen mich ehrenvoll auszeichnet , so sichert mir die Gefahr des Auftrags entweder künftigen Ruhm oder Heilung aller meiner Schmerzen . So erwarte ich den kommenden Morgen . Es ist Mitternacht . Alles ist stille . Vielleicht wacht außer mir nur noch Ein Auge , das in diesen ernsten Stunden für mich betend und angstvoll zum Himmel blickt . Auch deiner , gutes , edles Wesen ! harret vielleicht ein besseres Schicksal , wenn morgen der Tod den unwillig geliebten Freund deinem kämpfenden Herzen entreißt , und über seiner Asche dein ängstlicher Streit sich in ruhige Wehmuth verliert . Meinen Vater tröste du . Verlaß Athen , kehre nach Nikomedien zurück ; mein Testament enthält die Verfügungen , die dich für jenen Schritt entschädigen sollen . Ihm , dem von drei hoffnungsvollen Söhnen nur der ungeliebteste übrig blieb , wird deine sanfte Gemüthsart , dein heiterer Sinn leicht Ersatz für den ernsten , allzudüstern Sohn werden . So sehe ich wohl Einige , die durch meinen Tod gewinnen , Niemand , der darunter leiden wird ! Und welche Thränen hätte nicht die Zeit getrocknet ? Leb ' wohl , Phocion ! Daß wir uns wiedersehen , weiß ich gewiß ! Wie , wo , wann - das sind Fragen , die vielleicht morgen ein Pfeil , ein Schwert befriedigend löset . 22. Larissa an Junia Marcella . Lager vor Nisibis , im Sept . 301 . Morgen mit anbrechendem Tage wird Nisibis gestürmt . Alles ist bereit . Demetrius führt sein Heer an , Agathokles hat er auf sein dringendes Bitten einen der gefährlichsten Posten übergeben . Ich verstehe Agathokles Wunsch . Ruhm oder Tod ! Die männliche Seele findet in Beiden Beruhigung . Aber was aus mir werden wird ? daran geht die rauhere Kraft achtlos vorüber . Ich kann nicht zusammenhängend denken , viel weniger schreiben . Von dir habe ich nun auch seit fast zwei Monaten keine Nachricht . Meine Brust ist fest , fest zusammengedrückt . Bald steht mein Blut , bald jagt es stürmend durch die Adern . Ich habe viel in meinem Leben gelitten ; solche Angst habe ich nie empfunden . Ich vermag nicht zu beten - nur hingeworfen auf meine Kniee kann ich jammern . Selbst das Labsal der Thränen versagt dem geängsteten Herzen ! Bete für mich , Junia ! Was will ich ? Wozu ? - Bis der Brief dich erreicht , ist mein Schicksal längst entschieden . 23. Larissa an Junia Marcella . Nisibis , im Sept . 301 . Der Kelch des bittersten Leidens ist diesmal vorübergegangen . Nisibis ist erobert , Demetrius und Agathokles leben ! Dieser ist gar nicht , mein Gemahl wohl bedeutend , aber nicht gefährlich verwundet , und in dem beglückten Gefühle , so großem Unglücke entgangen zu seyn , übersieht das getäuschte Herz die dunkeln Stellen , deren noch so viel übrig sind . Jetzt will ich sie alle vergessen , ich will nur Gott danken , der mir diese zwei theuersten Wesen erhielt , und mich vor Verzweiflung bewahrte . Auch hat es der Vorsicht , deren Fügungen in dem Gange meines Schicksals immer sichtbarer erscheinen , gefallen , ein neues schönes Band zwischen dem Freunde meiner Jugend und mir anzuknüpfen , ein Band , das viele Empfindungen , die ich bisher verdammen mußte , rechtfertigt , und mir erlaubt , dem Zuge meines Herzens ohne so große Aengstlichkeit zu folgen . Demetrius dankt der Treue , dem Muth , der Anhänglichkeit seines Legaten das Leben . O meine Junia ! Welche Seligkeit liegt in diesem Gedanken ? Nicht allein die Schönheit der Handlung selbst , sondern auch die Sicherheit , die sie meinem Geiste gewährt , die Freiheit , den mit reiner schwesterlicher Liebe lieben zu dürfen , der unsern gemeinschaftlichen Vater erhalten hat ! Ich darf ihn jetzt nicht mehr so scheu betrachten , ich darf einen Theil meines Gefühls ihm ungehindert zeigen . Die reine Dankbarkeit , die unschuldige Neigung , die in meinem Herzen liegt , ist kein Verbrechen . O Junia ! Ich bin befriedigt , ich verlange für meine Wünsche kein höheres Glück . Und wenn es auch nicht lange währen sollte , denn schon sehe ich Wolken an unserm Horizont heraufsteigen , so war ich doch für kurze Zeit recht glücklich ! Diese Zeit ist mein , diese Erinnerungen kann mir keine Zukunft rauben , und der helle Zwischenraum in meinem nächtlichen Leben soll mich stärken , künftige Widerwärtigkeiten mit freudigem Muthe zu ertragen . Agathokles hatte zuerst auf seinem Posten , welcher der gefährlichste von allen war , die Mauer erstürmt . Wie es da erging , diese schrecklichen Auftritte , diese fürchterlichen Gestalten des Todes , die ich erzählen hörte , wirst du mir zu wiederholen erlassen . Genug , nach einem zweistündigen Gefechte drangen die Unsrigen , ihren muthigen Führer an der Spitze , in die Stadt ein . Nicht lange darnach erreichte Demetrius von der andern Seite denselben Zweck . Aber da man auf dieser schwächern Seite der Stadt den Sturm vermuthet hatte , fand er viel größern Widerstand , und das Gefecht wurde von beiden Seiten mit der heftigsten Erbitterung fortgesetzt . So gelangten sie bis auf den Marktplatz , die Besatzung wich nur Schritt vor Schritt , die Unserigen mußten jeden Fußbreit Boden theuer erkaufen . - Plötzlich stürzte , als Demetrius mit den Seinen schon auf dem Platze stand , aus einer Nebenstraße ein weit überlegener Haufe von feindlichen Soldaten hervor . Demetrius sah die Seinen um sich her fallen , er stritt fast allein gegen den wüthenden Schwarm . Einer von den Seinigen hatte die Besonnenheit ,