, als die symbolische Repräsentation derselben in einem Kinde . Ich müßte mich sehr irren , oder es ist nichts als verlorne Unschuld , was so viele Menschen so allmächtig zu Kindern hinzieht ; in diesen wollen sie wiederfinden , was für sie selbst nicht mehr vorhanden ist ; in diesen wollen sie sich die Möglichkeit einer vom gesellschaftlichen Leben unbefleckten und selbst in ihrer höchsten Entwickelung schuldlos gebliebenen Seele denken . So etwas wirkte freilich nicht in mir ; aber , ohne den ersten Anflug davon , würd ' ich schwerlich dahin gekommen seyn , mich mit einem Wesen zu verbinden , das in jeder Hinsicht ein Kind war . Von Ideen der Nützlichkeit wurde ich durchaus nicht geleitet ; das Nützliche ordnete sich in mir dem Schönen ganz von selbst unter . Um übrigens mein Wesen auf meinen Liebling zu übertragen , erzog ich ihn nach eben den Maximen , welche meiner eigenen Erziehung zum Grunde gelegen hatten . Vor allen Dingen flößte ich ihm die Liebe zur Reinlichkeit und Ordnung ein . Überhaupt dachte ich mir den Körper immer als den Abglanz der Seele ; und so wie ich selbst von dem Bedürfniß der physischen Sauberkeit zu dem einer metaphysischen aufgestiegen war , so sollte dies auch bei meinem Zögling der Fall werden . Dies ist mir auch ganz nach Wunsch gelungen , und hätte das Schicksal nicht gewollt , daß meine Luise vor mir hinsterben sollte , so könnt ' ich auf die Frau des Professors D ... als auf ein Muster aller weiblichen Tugenden hinweisen , diejenigen gar nicht ausgenommen , die zu üben ich selbst nie Gelegenheit gehabt habe . Ich kann von meinem edukatorischen Verdienste jetzt nicht ausführlicher sprechen , wenn ich meine eigene Entwickelungsgeschichte nicht allzuweit aus den Augen verlieren soll . Während ich mich in Luisen - so hieß mein Zögling - zum zweitenmale erzog , und , weil ich mir selbst lebte , auf keine Weise in der Stimmung gestört wurde , die mich zur Harmonie mit der ganzen Welt führte , gerieth die Erbprinzessin aus einer mißlichen Lage in die andere . Von ihren fürstlichen Eltern verlassen , jeder anderen Stütze beraubt , den Intriguen des ... schen Hofes blosgestellt , und , weil sie überall dieselbe Gemeinheit fand , zuletzt an sich selbst verzweifelnd , schwankte sie so lange hin und her , bis sie sich zu einer Aussöhnung mit ihrem Gemahle entschloß . Von welcher Art diese Aussöhnung war , ist leicht zu errathen ; zwei so ungleiche Naturen können nie zu einem dauerhaften Einverständniß zusammenschmelzen , nie diejenige Einheit bilden , ohne welche die Ehe nur ein leerer Schall ist . Immer war indessen die Parthie , welche die Prinzessin genommen hatte , die beste , die sie den Umständen nach nehmen konnte ; denn so lange sie auf ihrem Eigensinn beharrte , mußte sie den Hof in einer verderblichen Gährung erhalten , nicht zu gedenken , daß der Erbprinz von allen Personen ihrer Umgebung zuletzt noch die zuverlässigste und edelste war . Die Prinzessin trug einiges Bedenken , mich in diesem Schritte preiszugeben ; allein ich selbst hob alle die Gewissensskrupel , welche sie sich hierüber machte . In der That , was konnte es mir , nachdem ich mein Schicksal einmal von dem der Prinzessin getrennt hatte , noch verschlagen , daß man mich am ... schen Hofe eine Furie nannte , welche sich zwischen dem Erbprinzen und dessen Gemahlin in die Mitte gestellt und den Frieden des Hofes gestört hätte ? Ich kannte nach gerade die Welt allzugut , um nicht zu wissen , daß es den wenigsten Sterblichen verliehen ist , den Kern von der Schaale , das Wesen von den Formen desselben zu unterscheiden . » Wie man sich auch über mich erklären mag , « schrieb ich der Prinzessin , » so ersuche ich Sie , keine Notiz davon zu nehmen . Mich treffen diese Urtheile nicht ; und eben deswegen dürfen sie Ew . Durchlaucht nicht berühren . Die Hauptsache ist und bleibt , daß die ewigen Oscillationen des Hofes zum Stillstand gebracht werden ; und wenn dies durch Aufopferung meiner Renommée zu Stande gebracht werden kann , so bin ich damit sehr zufrieden ; ich schätze mich sogar glücklich , daß ich mich in Gedanken an die nicht unbedeutende Anzahl der besseren Menschen anschließen kann , die man für Verbrecher oder Wahnsinnige hielt , weil man sie durchaus nicht verstand . Übrigens bin ich unbesorgt für meine Freundin und Beschützerin . Wie auch ihre Umgebung sey , sie wird den Idealen nicht ungetreu werden , die sie bisher zwar gemartert , aber auch hoch beglückt haben ; und denke ich mir vollends , daß ihr im Verlaufe der Zeit die Verwandlung ihres Gemahls gelingen werde , so möchte ich die Stunde segnen , wo ich mich freiwillig aus ihrer beglückenden Gegenwart verbannete , um ihr ein besseres Geschick vorzubereiten . Es ist höchst selten der Fall , daß die Dinge gerade die Wendung nehmen , die wir ihnen geben möchten ; aber dafür nehmen sie oft eine weit glänzendere . « Dieser Schluß meines Briefes drückte mehr meine Wünsche als meine Hoffnungen aus . Wie hätte ich auch das Mindeste hoffen können , da sich nicht begreifen ließ , wie eine solche Verwandlung des Erbprinzen zu Stande kommen könnte ? Hat sich das Zarte einmal in eine Verbindung mit dem Starken eingelassen , so muß es sich auch darauf gefaßt machen , in ihm unterzugehen . Ich konnte nicht an die Prinzessin zurückdenken , ohne mich der unglücklichen Johanna von Castilien zu erinnern , welche , mit dem Erzherzog Philipp vermählt , so lange mit der Stärke ihres Gemahls rang , bis alle ihre Nerven rissen . Der unbesiegliche Theil des Erbprinzen war jene Heftigkeit , vermöge welcher erschütternde Sensationen ihm allein lieb und werth waren . Er konnte der Mann , aber nie der Gemahl der Prinzessin werden ; denn um das letztere zu werden , hätte