habe . « - Albert erschrak , wurde aber sehr beruhigt , als sie ihm erklärt wurden ; da er denn bekennen mußte , daß er der Unbekannte , der ihre Schuld getilgt habe , gewesen sei , indem er Madame Eulers Aufträge ausgerichtet habe . Albertine rief mit gefalteten , empor gehobenen Händen : » O , ihr einzigen , einzigen , edelsten Freunde ! verdien ' ich euch ? « - Albert ließ bei Madame Euler halten , aus Delicatesse , daß Albertine sich erst am Herzen dieser auserlesenen Freundin erholen möchte , ehe sie in ihrem Hause erschiene . Henriette stand da mit offnen Armen , ihre Albertine aufzunehmen ; aber Albertine lag , ehe sie es hindern konnte , stumm weinend zu ihren Füßen . - » Wollen Sie Ihre Albertine , Ihre arme , verirrte Albertine wieder annehmen ? « - » Jetzt haben Sie es versucht , meine einzige Liebe , wie sich ' s schutzlos leben läßt . Albertine , meine immer gute Albertine , begeben Sie sich unter den Schutz eines Mannes , dieses Mannes . Albert , möcht ' ich sagen dürfen , dieses Kleinod sei dein ! « - Albert lag zu Albertinens Füßen ; sein Blick sprach , flehete ; Albertine reichte ihm die Hand , und verhieß ihm ihre Liebe . Henriette sprach gerührt den Segen zu diesem schönen Bunde , durch den alle glücklich werden sollten . Unter diesen Ereignissen war die Nacht beinahe vergangen . Albertine wünschte in ihre Wohnung zurück zu kehren , und Henriette , die sich in dieser einzigen Situation nicht von ihr trennen konnte , wünschte sie zu begleiten . Sie kamen alle drei bei Albertinen an . Die Begierde , mit der seltsamen Neuigkeit heraus zu platzen , hatte Lisetten dieses Mal wundersam munter erhalten . » Ach Herr Je ! « begann sie ; » hier ist recht was kurioses passirt ! « - Albertine , die irgend eine Beziehung auf ihre eigne Geschichte ahnete , stieß das Mädchen leise zurück , und wollte in ihr Schlafzimmer . - » Aber so warten Sie doch , gnädige Frau ! Da ist ja Einer drin , der nicht recht klug ist . Er ist , Gott verzeih ' mir ' s ! ganz gewiß Euer Gnaden gnädiger Herr Bruder , so wie ich mir den vorstelle . « Albertine vernahm nicht sobald das Wort Bruder , als sie rasch in ' s Zimmer flog , und der Gestalt , die sie bei den trübe brennenden Kerzen leicht für die ihres Bruders halten konnte , in die Arme . Albert und Henriette waren ihr auf dem Fuße gefolgt , die schöne Scene des Wiedersehens mit zu feiern . Lindenhain vermochte nicht zu sprechen ; die Freude tödtete die Worte . Langsam rollte die männliche Thräne die Wange herab . Endlich kam ein : » O , meine Albertine ! « in gebrochenen , bebenden Accenten hervor . Albertine vernahm den Laut der Stimme , richtete den Blick auf das Antlitz des vermeinten Bruders , riß sich mit einem Schrei des Entsetzens aus seinen Armen und stürzte an Henriettens Busen . » Es ist Louis , Louis ! « ächzete sie matt und bebend . » Mein Strafgericht beginnt ! « - - Louis - er war es wirklich - blieb den zu Albertinens Umarmung ausgebreiteten Armen schweigend mit auf sie gerichtetem Blicke stehen . - Endlich sagte er langsam und dumpf : » was ist mit dieser , daß sie sich des Wiederkehrenden nicht freut ? Weiß sie es denn schon , daß ich ein Krüppel bin ? Freilich ist die Hand , die ich zum Unterpfand der Treue gab , verloren . Aber sie , sie gab freiwillig die Hand , die noch mein ist ! « Er sprach mit sich selbst . Albert und Henriette blieben stumm . Albertinens Brust hob sich krampfhaft ; sie wagte keinen Blick auf den für sie Erstandenen . » Sind Sie es , Baron Weißensee , der mir dieses himmlische Herz stahl ? « - » Lindenhain , was darf den Mann so fassungslos machen , daß er seine ältesten , besten Freunde nicht erkennt ? Daß er seines Ulmenhorsts vergißt ? « - - » Ulmenhorst ! O Gott ! Ja , er ist ' s , er ist ' s ! « als er ihn beleuchtet hatte . » Aber verzeihe , wenn dieser Anblick , diese schrecklichen Vermuthungen mich für diesen Moment ganz hinnehmen . O Albertine ! jeder Vorwurf löst sich ja in Liebe auf . Komm ! Sei wieder mein ! « - Albertine blickte einen Augenblick nach ihm hin , und verbarg schnell wieder das Angesicht an der Freundin Busen . » O , der strafende Blick ! Dieses verruchte Kleid ! « ( ihr Maskenkleid ) lispelte sie Henrietten zu . » Albertine , bin ich dir denn nun schrecklich ? Hat eine neue Liebe dich so ganz hingenommen ? Siehe , Albertine , betteln muß ich um deine Liebe , betteln um mein Eigenthum . Ein armer , verstümmelter Mensch darf nicht fordern . Siehe hier , wie sie deinen Ludwig zugerichtet haben ! « - der rechte Arm war bis an den Ellenbogen abgenommen - » und hier diese zerfleischte Brust ! Mag dies ein junges , rasches Weib von mir abwenden ; aber so die erste Freude verbittern ; o , o , das ist sehr hart ! « - Albertinens Zartgefühl malte ihr ihre Vergehen mit schwärzeren Farben , als sie es verdiente . Wir wissen , daß sie in Alberten nur den edlen Mann , den treuen Freund achtete ; und wissen es gewiß , daß nur ein Wohlgefallen an der Unterhaltung des Weißensee und eine Auszeichnung desselben vor den andern Männern , die sie sah , alles war , was sie sich vorzuwerfen hatte . Und sie hat es feierlich betheuert , daß sie keinen Mann auf Erden dem lebenden Lindenhain