, denn ich sehe etwas Ähnliches , wenn ich dich anschaue . - Ja Mathilde , die höhere Welt ist uns näher , als wir gewöhnlich denken . Schon hier leben wir in ihr , und wir erblicken sie auf das Innigste mit der irdischen Natur verwebt . - Du wirst mir noch viel herrliche Sachen offenbaren , Geliebtester . - O ! Mathilde , von dir allein kommt mir die Gabe der Weißagung . Alles ist ja dein , was ich habe ; deine Liebe wird mich in die Heiligthümer des Lebens , in das Allerheiligste des Gemüths führen ; du wirst mich zu den höchsten Anschauungen begeistern . Wer weiß , ob unsre Liebe nicht dereinst noch zu Flammenfittichen wird , die uns aufheben , und uns in unsre himmlische Heimath tragen , ehe das Alter und der Tod uns erreichen . Ist es nicht schon ein Wunder , daß du mein bist , daß ich dich in meinen Armen halte , daß du mich liebst und ewig mein seyn willst ? - Auch mir ist jetzt alles glaublich , und ich fühle ja so deutlich eine stille Flamme in mir lodern ; wer weiß , ob sie uns nicht verklärt , und die irdischen Banden allmählich auflöst . Sage mir nur , Heinrich , ob du auch schon das grenzenlose Vertrauen zu mir hast , was ich zu dir habe . Noch nie hab ' ich so etwas gefühlt , selbst nicht gegen meinen Vater , den ich doch so unendlich liebe . - Liebe Mathilde , es peinigt mich ordentlich , daß ich dir nicht alles auf einmal sagen , daß ich dir nicht gleich mein ganzes Herz auf einmal hingeben kann . Es ist auch zum erstenmal in meinem Leben , daß ich ganz offen bin . Keinen Gedanken , keine Empfindung kann ich vor dir mehr geheim haben ; du mußt alles wissen . Mein ganzes Wesen soll sich mit dem deinigen vermischen . Nur die grenzenloseste Hingebung kann meiner Liebe genügen . In ihr besteht sie ja . Sie ist ja ein geheimnißvolles Zusammenfließen unsers geheimsten und eigenthümlichsten Daseyns . - Heinrich , so können sich noch nie zwey Menschen geliebt haben . - Ich kanns nicht glauben . Es gab ja noch keine Mathilde . - Auch keinen Heinrich . - Ach ! schwör es mir noch einmal , daß du ewig mein bist ; die Liebe ist eine endlose Wiederholung . - Ja , Heinrich , ich schwöre ewig dein zu seyn , bey der unsichtbaren Gegenwart meiner guten Mutter . - Ich schwöre ewig dein zu seyn , Mathilde , so wahr die Liebe die Gegenwart Gottes bey uns ist . Eine lange Umarmung , unzählige Küsse besiegelten den ewigen Bund des seligen Paars . Neuntes Kapitel Abends waren einige Gäste da ; der Großvater trank die Gesundheit des jungen Brautpaars , und versprach bald ein schönes Hochzeitfest auszurichten . Was hilft das lange Zaudern , sagte der Alte . Frühe Hochzeiten , lange Liebe . Ich habe immer gesehn , daß Ehen , die früh geschlossen wurden , am glücklichsten waren . In spätern Jahren ist gar keine solche Andacht mehr im Ehestande , als in der Jugend . Eine gemeinschaftlich genoßne Jugend ist ein unzerreißliches Band . Die Erinnerung ist der sicherste Grund der Liebe . Nach Tische kamen mehrere . Heinrich bat seinen neuen Vater um die Erfüllung seines Versprechens . Klingsohr sagte zu der Gesellschaft : Ich habe heute Heinrichen versprochen ein Mährchen zu erzählen . Wenn ihr es zufrieden seyd , so bin ich bereit . - Das ist ein kluger Einfall von Heinrich , sagte Schwaning . Ihr habt lange nichts von euch hören lassen . Alle setzten sich um das lodernde Feuer im Kamin . Heinrich saß dicht bey Mathilden , und schlang seinen Arm um sie . Klingsohr begann : Die lange Nacht war eben angegangen . Der alte Held schlug an seinen Schild , daß es weit umher in den öden Gassen der Stadt erklang . Er wiederholte das Zeichen dreymal . Da fingen die hohen bunten Fenster des Pallastes an von innen heraus helle zu werden , und ihre Figuren bewegten sich . Sie bewegten sich lebhafter , je stärker das röthliche Licht ward , das die Gassen zu erleuchten begann . Auch sah man allmählich die gewaltigen Säulen und Mauern selbst sich erhellen ; Endlich standen sie im reinsten , milchblauen Schimmer , und spielten mit den sanftesten Farben . Die ganze Gegend ward nun sichtbar , und der Wiederschein der Figuren , das Getümmel der Spieße , der Schwerdter , der Schilder , und der Helme , die sich nach hier und da erscheinenden Kronen , von allen Seiten neigten , und endlich wie diese verschwanden , und einem schlichten , grünen Kranze Plaz machten , um diesen her einen weiten Kreis schlossen : alles dies spiegelte sich in dem starren Meere , das den Berg umgab , auf dem die Stadt lag , und auch der ferne hohe Berggürtel , der sich rund um das Meer herzog , ward bis in die Mitte mit einem milden Abglanz überzogen . Man konnte nichts deutlich unterscheiden ; doch hörte man ein wunderliches Getöse herüber , wie aus einer fernen ungeheuren Werkstatt . Die Stadt erschien dagegen hell und klar . Ihre glatten , durchsichtigen Mauern warfen die schönen Strahlen zurück , und das vortreffliche Ebenmaaß , der edle Styl aller Gebäude , und ihre schöne Zusammenordnung kam zum Vorschein . Vor allen Fenstern standen zierliche Gefäße von Thon , voll der mannichfaltigsten Eis- und Schneeblumen , die auf das anmuthigste funkelten . Am herrlichsten nahm sich auf dem großen Platze vor dem Pallaste der Garten aus , der aus Metallbäumen und Krystallpflanzen bestand , und mit bunten Edelsteinblüthen und Früchten übersäet war . Die Mannichfaltigkeit und Zierlichkeit der Gestalten , und die Lebhaftigkeit der Lichter und Farben gewährten das herrlichste Schauspiel , dessen Pracht durch einen hohen Springquell in