Zeichnung war beinahe ganz angelegt , als die Sonne sich auf einmal hinter eine dicke Wolke verbarg , die ein plötzlicher Wind von Abend her am Horizont herauftrieb ; es donnerte in der Entfernung . Unsere Wanderer rafften sich auf , um vor dem nahenden Gewitter noch ein Dorf zu erreichen , von dem sie nicht weit entfernt waren . Das Wetter zog sich aber schneller zusammen , als sie dahin gelangen konnten . Ein Wirbelwind jagte den Staub wie eine dichte Wolke über ihnen empor , der Donner kam näher , die Blitze wurden stärker , einzelne große Regentropfen fielen . Juliane ward ängstlich , sie lief aus allen Kräften , bald versetzte der Sturm ihr den Atem , der Staub verdunkelte , und verletzte ihre Augen . Sie fürchtete ebensosehr auf freiem Felde zu bleiben , als Schutz unten einem Baume zu suchen . Ihre Füße waren vom Laufen auf den spitzen Steinen wund geworden , und sie stieß allenthalben an . Ein starker Blitz , dem der Donner gleich nachfolgte , fiel vor ihnen nieder , Julianes Knie wankten , sie fiel halb ohnmächtig zu Boden . Die beiden Freunde nahmen sie abwechselnd in ihre Arme , und trugen sie fort . Das Gewitter war nun ganz nahe , Blitz und Donner wechselten unaufhörlich , der Regen strömte in Güssen herab . In der Verwirrung verfehlten sie den rechten Weg zum Dorfe , sie irrten , für Julianes Gesundheit besorgt , ängstlich umher ; endlich erblickten sie , indem sie an einem Bache hinaufgingen , am jenseitigen Ufer eine Mühle , die einsam im Tale lag , von Bergen umschlossen . Eine Brücke ging nicht hinüber , sie riefen laut ; aber der Sturm und das Rauschen des Bachs war lauter als ihre Stimmen . Endlich gelang es ihnen nach vielem Winken und Rufen bemerkt zu werden ; einige Müllerburschen kamen mit einem Kahn zu ihnen herüber , nahmen die beiden Freunde und die von Angst und Müdigkeit halbtote Juliane ein und brachten sie nicht ohne Mühe über den vom Regen angeschwollenen Bach nach der Mühle . Sie waren vom Müller und von seiner Frau nicht gekannt , wurden aber gastfrei aufgenommen . Eduards erste Sorge war trockne Wäsche und Kleider für Julianen zu verschaffen . Eine neue Verlegenheit entstand . Sie mußten Julianens Geschlecht der Müllerin entdecken , diese war erstaunt und getraute sich nicht , ihnen zu glauben . Nach vielen Bitten und Beteurungen ließ sie sich endlich bewegen , Wäsche und Kleider für Julianen herzugeben , und ihr bei der Umkleidung hülfreich zu sein , denn die Arme war so erschöpft , daß sie kaum zu stehen vermochte . Während sie umgekleidet und zu Bette gebracht ward , war in der daranstoßenden Stube ein Kaminfeuer gemacht worden ; Eduard und Florentin waren dabei beschäftigt , ihre Kleider zu trocknen . Die Müllerin trat aus der Kammer , und berichtete ihnen , die Jungfer wäre eingeschlafen ! Sie sah die jungen Leute mit mißtrauenden neugierigen Blicken an . Sie konnte sich das Verhältnis auf keine rechtliche Weise erklären , in dem diese junge schöne Person , von deren Geschlecht sie nun völlig überzeugt war , mit den beiden Männern stehen müsse . Sie hatte allerlei Vermutungen , schmiedete sich irgendeinen Zusammenhang , den sie ihnen in nicht gar feinen Wendungen deutlich zu verstehen gab . Zuletzt sagte sie etwas ängstlich : sie habe zwar ihre Hülfe nicht versagen dürfen , aber weder sie noch ihr Mann würden gern Leute beherbergen , die sich zu verbergen Ursache hätten ; und mehr solcher Redensarten , die eben keine günstige Meinung von ihren Gästen verrieten . Die beiden belustigte ihre Besorgnis , und sie vermehrten sie mutwillig durch geheimnisvolle Bitten , sie nicht zu verraten . Florentin trieb tausend kleine Possen um sie her und suchte sie durch Schmeicheleien und artigen Scherz freundlich zu erhalten . Sie schien dafür auch gegen ihn besonders gefällig , und Eduard zog sie deshalb auf . Bald war sie so dreist gemacht , daß sie sich einige zweideutige Späße über Julianen erlaubte , deren Stand sie weit entfernt war zu ahnden . Sie drang immer mehr mit Fragen in sie , die aber nicht ernsthaft beantwortet wurden . Der Müller war unterdessen seinen Geschäften nachgegangen , und hatte seiner Frau die Sorge für die Wanderer überlassen . Juliane erwachte nach einem kurzen Schlummer und hörte zu ihrer nicht geringen Beschämung die Zweifel und den Argwohn der Müllerin . Sie gab ein Zeichen , daß sie erwacht sei , Eduard eilte zu ihr ans Bett , um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen ; sie bat ihn , diesen für sie sehr verdrüßlichen Auftritt zu endigen , und die Frau über ihren Irrtum ernsthaft aufzuklären ; sie hatte zwar anfangs gewünscht , unbekannt zu bleiben , lieber wollte sie aber diesen Vorsatz aufgeben und ihren Namen entdecken , um den Vermutungen und den Zudringlichkeiten der Frau ein Ende zu machen . Eduard ging sogleich wieder hinaus , und verkündigte ihr nun , wen sie unter ihrem Dache bewirte . Juliane rief sie zu sich , und bestätigte , was Eduard gesagt hatte ; aber die Frau wollte ihnen durchaus nicht glauben . Alles was sie zu ihrer Beglaubigung vorbringen mochten , schien eben dem Argwohn der guten , etwas einfältigen Frau nur neue Nahrung zu geben ; » das machen Sie mir nicht weis « , rief sie , » daß meine gnädige Herrschaft zu Fuß , ohne Bedienten und verkleidet ausgehen wird « ! Florentin lachte ausgelassen über diese tolle Begebenheit , Juliane mußte trotz der Verwirrung auch lachen . Die Müllerin lief hinaus und holte ihren Mann . Dieser sah kaum Julianen etwas genauer an , als er sie gleich erkannte : er hatte sie oft gesehen , wenn er in seinen Geschäften aufs Schloß gekommen war , in der Männertracht aber , blaß und ohnmächtig , mit nassen herunterhängenden Haaren , beim Eintritt nicht wiedererkannt ; er bat sie sehr