sogar Ekel erwecken : kannst du hingegen deinem Gaste Hunger machen , so wird ihm auch gemeine Kost willkommen seyn . « - Was müßt ' ich denn thun ( sagte Theodota mit der schafmäßigsten Miene in einem der schönsten Gesichter ) , um denen die mich besuchen Hunger zu machen ? - » Vor allen Dingen dich wohl in Acht nehmen , ihnen wenn sie satt sind nichts weiter vorzusetzen , geschweige sie noch gar nöthigen zu wollen . Lässest du ihnen Zeit , so wird der Appetit von selbst wiederkommen ; wenn du aber siehest , daß dieß der Fall ist , so übereile dich ja nicht ; locke sie durch die artigsten Manieren , die feinsten Liebkosungen : sey lebhaft , reizend , sogar muthwillig ; aber entschlüpfe ihnen immer wieder wenn sie dich zu haben meinen , und ergib dich nicht eher , bis du gewiß bist daß sie den höchsten Werth auf deine Gefälligkeit legen . « - Diese Lehre schien der jungen Person einzuleuchten . Wenn nur du , sagte sie und lächelte den alten Herrn so holdselig an als ihr möglich war , wenn nur du mir Freunde jagen helfen wolltest ? - » Warum nicht , wenn du mich dazu bereden kannst ? « - Das möchte ich wohl gern , wenn du mir nur sagen wolltest , wie ich es machen muß . - » Das ist deine Sache ; du mußt eine Seite ausfindig machen , wo du mir beikommen kannst . « - So besuche mich nur recht fleißig , lieber Sokrates ! - Ich habe nur nicht viel übrige Zeit , meine gute Theodota , erwiederte Sokrates , der des Scherzens mit der albernen Puppe überdrüssig zu werden anfing ; meine häuslichen und öffentlichen Geschäfte lassen mir wenig müßige Augenblicke . Auch habe ich eine hübsche Anzahl guter Freundinnen , die mich Tag und Nacht nicht von sich lassen wollen , weil ich sie gar wirksame Liebestränke und Zauberlieder lehre . - Ei , was du sagst ! Verstehst du dich auch auf solche Dinge , Sokrates ? - » Wie sollt ' ich nicht ? Meinst du der Apollodor und der Antisthenes hier gehen mir um nichts und wieder nichts nie von der Seite ? Oder Cebes und Simmias kommen ohne ihre guten Ursachen bloß meinetwegen bis von Theben hergelaufen ? Du begreifst doch daß so was nicht ohne Hexerei und Liebestränke und Zauberschnüre möglich ist . « - So sey so gut und leihe mir eine solche Schnur , damit ich sie gleich auf dich werfen kann . - » Ich will aber nicht zu dir gezogen seyn , sagte Sokrates lächelnd , du sollst zu mir kommen . « - Von Herzen gern , wenn du mich nur annehmen willst . - » Das will ich wohl , es wäre denn daß eben eine bei mir wäre die ich lieber habe . « - Hier endigte sich dieser in seiner Art einzige Sokratische Dialog ; 85 wir empfahlen uns und gingen lachend unsres Weges . Schade , sagte Lais , daß so viel Witz und Laune an so ein Attisches Hühnchen verschwendet wurde ! Ich hätte mir nie vorgestellt , daß es eine so erzeinfältige Hetäre in einer Stadt wie Athen geben könnte . - Das macht , sie ist eine geborne Athenerin , eines ehrsamen Bürgers Tochter , so wohl erzogen wie du vorhin sagtest daß die Griechischen Töchter beinahe alle erzogen würden , und bloß durch Armuth und Hang zum Müßiggang und zur Ueppigkeit verleitet , sich in eine Profession zu werfen , worin sie , ungeachtet aller Mühe , die sich Sokrates selbst mit ihr gegeben , schwerlich jemals eine Virtuosin zu werden die Miene hat . Aber weißt du , sagte Lais , daß ich ganz verliebt in deinen Sokrates bin , und große Lust habe , dich nach Athen zu begleiten und seine Schülerin zu werden ? - Beim Anubis ! fuhr ich etwas unbesonnen heraus , ich traue dir Muthwillen genug zu , einen solchen Einfall , wenn er dich anwandelt , auszuführen . Niemand kann eine größere Meinung von deiner Zaubermacht haben als ich ; ich glaube daß dir - alles mögliche möglich ist ; und doch wollte ich dir nicht rathen , diese Probe an dem kaltblütigsten Achtundsechziger , den vermuthlich der Erdboden trägt , zu machen - falls es dich etwa verdrießen könnte wenn sie fehl schlüge . - Reize mich nicht , Aristipp ! versetzte sie ; wer weiß wie weit ich es , trotz seiner achtundsechzig Jahre und seiner Kaltblütigkeit , mit Hülfe seiner eigenen Theorie , bei ihm bringen könnte ? Ich schmeichle mir , Freund Kleonidas , durch die großmüthige Vertraulichkeit , womit ich dich an meinem neuen Verhältniß und der schönen Lais Theil nehmen lasse , einigen Dank von dir zu verdienen ; und in dieser gerechten Voraussetzung könnt ' ich mich leicht zu der angenehmen Arbeit entschließen , eine Art von Tagebuch über alles Merkwürdige , was während meines Aufenthalts in Aegina vermuthlich noch begegnen wird , für dich zu halten . Freilich werd ' ich wenig Zeit zum Schreiben haben , und große Arbeitsamkeit ist leider auch keine meiner glänzendsten Tugenden . Ich will mich also zu nichts anheischig gemacht haben . Ich überlasse mich , wie du weißt , am liebsten den Eingebungen des Augenblicks , und so thue ich oft mehr als ich mir selbst zugetraut hatte . Mein Wirth Eurybates , der sonst mit Sokratischen Tugenden eben nicht schwer beladen ist , besitzt wenigstens Eine , und gerade die , wodurch er sich jetzt am meisten um mich verdient machen kann , in einem hohen Grade ; und das ist die edle Tugend , seinen Freunden nicht durch übermäßige Dienstgeflissenheit lästig zu seyn , und sie ihrer Wege gehen zu lassen , wenn er merkt daß ihnen ein Gefallen damit geschieht . Ich gestehe daß mir anfangs ein wenig bange war , ich möchte ihn bei