zweifelhaft sein , von seines Gleichen als eine Mißheirath angesehen wird , die in gewissen Fällen der Staat als eine solche gesetzlich anzuerkennen nicht Bedenken trägt , ja , so lange selbst die Arbeit , die ich thue , der Handel , auf dem mein Wohlstand und mein Stolz , wie der ganze große Weltverkehr beruhen , als ein dem Adeligen nicht anstehendes Thun erachtet wird , so lange fühle ich mich nicht berufen , die Hand dazu zu bieten , daß diesen alten Geschlechtern neben ihren ererbten Vorrechten auch noch ihr ererbter Besitz trotz ihres oft hochmüthigen und müßiggängerischen Leichtsinnes erhalten bleibe . Der Stolz auf ihr Blut , vergiß das nicht , ist in ihnen völlig unabhängig von ihrem Besitze , wendete Seba ein . Aber die Besitzlosigkeit zwingt sie , sich in Arbeit und Gewerbe aller Art zu uns zu gesellen und damit ihren Ansprüchen auf eine Ausnahmestellung so nothwendig zu entsagen , als sie genöthigt gewesen sind , aus ihren einsamen Burgen und Raubnestern in die Städte und in das flache Land hinunter zu ziehen . Ausnahmestellungen verschlechtern den , der sie inne hat , wie sie auch jenem zu nahe treten , gegen den sie sich richten . Willst Du es geflissentlich verkennen , fragte Seba , deren hoher Sinn es sich zur Aufgabe gemacht hatte , selbst da gerecht und mild zu sein , wo sie am meisten Anlaß zur Strenge und zur Verdammung hatte , willst Du es verkennen , daß die letzten Jahrzehnde viel , sehr viel in jenen Zuständen geändert haben , deren Du gedenkst ? Haben wir uns nicht lange vor den Freiheitskriegen in dem gemeinsamen Bestreben , für die Erhebung des Vaterlandes zu wirken , mit Personen aller Stände , mit den Mitgliedern des ältesten Adels in nie zu vergessender Begeisterung und Einigkeit zusammengefunden ? Habt ihr nicht Mann an Mann in Reihe und Glied gestanden , der Bürger wie der Edelmann ? Ja , entgegnete Paul , und es ging ein düsterer Schatten über seine festen , ernsten Züge , ja , so lange Noth am Manne war , so lange der Mann seinen Mann zu stehen hatte und man die Landwehr brauchte , sich des Feindes zu erwehren ! - Er hielt wie im Nachdenken eine kleine Weile inne . Dann sprach er mit ernstem Gewichte : Die Spanne Zeit , die seitdem verflossen , ist kurz genug ; aber blicke um Dich und frage heute nach , und Du wirst erfahren , was Dich nicht erfreut ! Wo ist die Freundschaft der Gräfin Rhoden geblieben , die zur Zeit des Tugendbundes ohne Dich kaum leben zu können behauptete ? Wo zeigt sich noch die große Verehrung , welche Hildegard für Dich hatte ? Seit der Freiherr von Arten ihnen ein Asyl in seinem Schlosse angeboten hat , seit die alte Ordnung der Dinge wieder hergestellt , ist jene Freundschaft sehr schweigsam geworden , und von Hildegard ' s Verehrung ist auch nichts mehr zu hören . Und vollends nun im Heere ! Wir Landwehrmänner sind , wie es sich gebührt , zu unserem Herde , zu unserer Arbeit , zu einer schaffenden Thätigkeit zurückgekehrt . Die Wunden , welche der Krieg dem Lande geschlagen , verlangen ihre Heilung . Die Junker aber stehen und bleiben in der Armee nach wie vor , auch im tiefsten Frieden , in Reihe und Glied beisammen , und schon jetzt wieder fühlen sie sich als die alte Kaste . Nur noch eine kleine Geduld , und sie werden es vergessen haben , daß es nicht eine , daß es sicherlich nicht ihre Kaste allein gewesen ist , welche das Joch der Fremdherrschaft von uns genommen hat , sondern daß der König seinen Thron und wir unsere Befreiung der großen , ganzen Masse des Bürgerstandes zu verdanken haben , der sich mit seiner überwiegenden Zahl und Kraft in den Kampf gestürzt und geholfen hat , ihn glorreich auszufechten . Er stand auf und ging ein paar Mal im Zimmer auf und nieder . Da gesellte sich Davide abermals zu ihm , und ihren Arm wieder in den seinigen legend , fragte sie : Du bist also entschlossen , das Verlangen des Freiherrn nicht zu erfüllen ? Ja , denn es ist sicherlich das Klügste , was ich thun kann . Die beiden Frauen schwiegen ; aber Paul konnte bemerken , daß es ihm dieses Mal nicht gelungen war , sie zu seiner Meinung hinüberzuziehen , und er wollte eben das Gemach verlassen , um dem Freiherrn zu melden , daß er dessen Wünschen nicht entsprechen könne , als Seba ihn mit der Bitte anging , ihr zu Liebe von seinem Vorsatze abzustehen . Sie behauptete , man dürfe im besonderen Falle , und er dürfe gerade in diesem besonderen Falle es den Einzelnen nicht entgelten lassen , was man gegen die Gesammtheit , welcher jener zufällig angehöre , einzuwenden habe . Wer sich geistiger Freiheit rühmen könne , habe vielmehr die sittliche Aufgabe , die weniger Freien so viel als möglich an sich heranzuziehen , um ihnen den Weg zu richtigeren Anschauungen zu eröffnen ; und als Paul darauf den Einwand machte , daß ihre Güte sie zu falschen Schlüssen und Urtheilen verleite , erklärte sie , daß , wie sie auch irren möge , sie sich doch von dem guten Herzen und der guten Sinnesart des jungen Freiherrn völlig überzeugt halte . Schon daß Renatus sich eben an Paul wende , verbürge ihr , wie die Erfahrungen der letzten Jahre für Renatus Frucht getragen hätten . Es könne ihm ja in seiner Familie , unter seiner Bekanntschaft nicht an Personen fehlen , die ein solches Vertrauensamt zu übernehmen nicht anstehen würden . Wenn er trotzdem es eben Paul zu übertragen wünsche , dessen Abstammung von dem verstorbenen Freiherrn Franz für Renatus kein Geheimniß sei , wenn er einen Bürgerlichen , dessen auf Freiheit gegründete Gesinnungen er kenne , wenn er endlich einen Kaufmann zum Berather und Vertrauensmanne der Familie zu