warum er noch staunte . Es war ein Spiegelbild Helenens ! sagte Egon . Wol muß es die Gräfin d ' Azimont sein , erklärte Louis . Irgendwo wird sie in dem Pavillon verweilen . Der Spiegel fing sie von dieser Seite her wie ein lebendes Bild auf . Sie schlief ? sagte Egon . Sie schien zu schlafen ... sie ruhte nur . Der Spiegel empfängt seinen Reflex von jener Seite her , wo das Badezimmer meines Vaters ... Komm , Louis ! Komm ! Damit wollte Egon stürmisch zu jenem Fenster hin , wo die magische rothe Beleuchtung einer Kuppel auf eine zierliche Rotunde fiel , deren Bilder , Statuen , Vasen wir bereits oberflächlich kennen und erst später gründlicher betrachten werden . Auch Louis begriff nicht , wie die Gräfin dorthin gelangen , dort auf einem Divan in beinahe phantastischer Kleidung schlummern konnte . Er glaubte an den Reflex eines dort aufgehängten Bildes ... Er schickte sich an , dem Prinzen zu folgen , der den Eingang nur vom Hofe aus gewinnen konnte und in stürmischer Eile mit trunkenen Sinnen , wie elektrisirt , das schöne verführerische Ziel suchte . Doch in diesem Augenblick hielt sie Sanitätsrath Drommeldey auf . Ei , ei , wohin so rasch ? rief der Arzt und schlug Egon auf die Schulter . Dieser wandte sich , unangenehm überrascht , und hätte sich gern von dem Arzte losgemacht . Aber der Gehorsam eines Genesenden hinderte ihn . Der Arzt hatte schon den Puls in der Hand und behauptete , daß Egon zu lange im Garten verweilt hätte . Er müßte hinauf ... Nein , nein , sagte Egon , es ist nur eine augenblickliche Aufregung ... und so wollte er zu dem Eingang des Pavillons hin . Der Arzt hielt ihn aber sehr entschieden zurück und sagte : Ich statuire keine Aufregungen . Sie bleiben hübsch an meiner Seite , Durchlaucht ! Damit faßte er Egon ' s Arm und lenkte in eine Allee des kleinen Parkes ein , die der Thür , die zum Hofe führte , zunächst lag . Er machte mancherlei Vorschriften und endete damit , daß er sagte : Unter diesen Bäumen ist es zu schwül und unter den Blumen dort lauern noch immer die bösen Geister des Fiebers . Sie müssen sich an frischer reiner Waldluft stärken . Ich schreibe Ihnen für heute Folgendes vor : Nachmittag vier Uhr nehmen Ew . Durchlaucht einen Wagen und fahren mit Herrn Louis und sonst einem Freunde auf das königliche Schloß Solitüde . Dort kommen Sie um punkt dreiviertel auf fünf , ich sage punkt dreiviertel fünf - der Sonne wegen - an , steigen aus , durchwandern die noch sonnenwarmen Boskette , einige Gänge des Parks und setzen sich auf dem kleinen Hügel , wo man die berühmte Aussicht auf die Felder und den dort so mächtig sich ausdehnenden Fluß genießt , eine Viertelstunde in der Sonne nieder ; dann lassen Sie den Wagen an der Südpforte vorfahren , sind mit fünfzig Schritten wieder auf Ihren Polstern und kommen einige Minuten nach sechs Uhr wieder in Ihrem Zimmer an , wo Sie sich etwas vorlesen lassen , eine Suppe essen und um acht Uhr zu Bett gehen . Wird Das befolgt werden ? Egon hatte nur halb zugehört . Er war zu bewegt , zu elektrisirt von dem Gedanken , daß Helene so in der Nähe war , so auf ihn lauschte , so vielleicht in jenem Pavillon auf seinen Anblick gewartet hatte und darüber entschlummert war ... Louis aber , der aufmerksam zugehört hatte , antwortete statt seiner : Pünktlich ! Herr Sanitätsrath ! Nun begleit ' ich Sie auf Ihr Zimmer , sagte Drommeldey , einer kleinen Tisane wegen , die Sie doch noch nehmen sollen und die ich verschreiben muß . Kommen Sie , Durchlaucht ! Bald besuch ' ich Sie nur , um Ihnen von der Welt zu erzählen und mir von Ihnen Pariser Anekdoten auszubitten . Mit feiner weltmännischer Gewandtheit faßte der diesmal allopathisch gestimmte Arzt den träumenden , erschütterten Egon unterm Arm und führte ihn durch den Hof in die vordere Fronte . Louis aber folgte in einiger Entfernung . Zum Pavillon zu gehen und sich in den Cabineten zu überzeugen , ob dort die Gräfin d ' Azimont wirklich auf einem Divan schlief , wie er in jenem Spiegel gesehen hatte , dazu konnt ' er sich nicht überwinden ; aber Doretten Wandstabler , die im Hofe sich tief knixend vor dem Prinzen verbeugte und nicht ohne Gefallsucht zur Feier der Wiedergenesung des jungen schönen Herrn eine gewählte Toilette gemacht hatte und recht auffällig mit einem ungeheuren Bunde Schlüssel klingelte , Doretten Wandstabler hielt er an und sagte energisch : Sie haben die Gräfin d ' Azimont in den Pavillon gelassen ... ? Vergeben Sie ! sagte Dorette schon etwas trotzig . Der Herr Sanitätsrath haben es selbst befohlen . Wie ? Der Arzt wußte ... ? Sie wollte in den Garten stürzen und den Prinzen .... Ein Arrangement ! sagte Louis vor sich hin , voller Entrüstung und die weitern Worte der Beschließerin überhörend . Dann fragte er laut : War die Gräfin allein ? Herr Professor begleiteten sie ... Hören Sie ihn nicht husten ? Herr Professor ? Wer hustet ? Dorette erröthete , daß sie von einem Manne wie von einem gewöhnlichen Besucher sprach , den sie doch gegen Louis Armand bisher verheimlicht hatte . Jetzt aber , wo der Arzt selbst für das Complot gewonnen war , glaubte sie sich nicht mehr so ängstlich zurückhalten zu müssen und ergänzte ihre Aussage dahin , daß sie den Professor Rafflard meine . Louis wollte reden ; aber Egon sah sich nach ihm um . Er folgte dem Prinzen , der nun auf Louis gestützt , zum ersten male wieder die große Treppe bestieg und mit völliger Abwesenheit des Geistes den materialistischen Auseinandersetzungen zuhörte , mit denen Drommeldey gewohnt war , die Psyche seiner Reconvalescenten neu zu beleben und ihnen die