der Regel nur Schwerfälligkeiten schafft , schließlich doch vorgezogen , das meiste so zu belassen , wie sich ' s etwa um ' s Jahr 1870 dem Auge präsentierte und bitte den Leser , wo sich die Benötigung dazu herausstellen sollte , dies freundlichst im Auge behalten zu wollen . Berlin , 24. April 1880 Theodor Fontane Havelland Havelland Grüß Gott dich , Heimat ! ... Nach langem Säumen In deinem Schatten wieder zu träumen , Erfüllt in dieser Maienlust Eine tiefe Sehnsucht mir die Brust . Ade nun Bilder der letzten Jahre , Ihr Ufer der Saône , der Seine , Loire , Nach Kriegs- und fremder Wässer Lauf Nimm , heimische Havel , mich wieder auf . Es spiegeln sich in deinem Strome Wahrzeichen , Burgen , Schlösser , Dome : Der Juliusturm , den Märchen und Sagen Bis Römerzeiten rückwärts tragen , Das Schildhorn , wo bezwungen im Streite , Fürst Jaczo dem Christengott sich weihte , Der Harlunger Berg , der an oberster Stelle Weitschauend trug unsre erste Kapelle , Das Plauer Schloß , wo fröstelnd am Morgen Hans Quitzow steckte , im Röhricht verborgen , Die Pfaueninsel , in deren Dunkel Rubinglas glühte Johannes Kunckel , Schloß Babelsberg und » Schlößchen Tegel « , Nymphäen , Schwäne , blinkende Segel , – Ob rote Ziegel , ob steinernes Grau , Du verklärst es , Havel , in deinem Blau . Und schönest du alles , was alte Zeiten Und neue an deinem Bande reihten , Wie schön erst , was fürsorglich längst Mit liebendem Arme du umfängst . Jetzt Wasser , drauf Elsenbüsche schwanken , Lücher , Brücher , Horste , Lanken , Nun kommt die Sonne , nun kommt der Mai , Mit der Wasserherrschaft ist es vorbei . Wo Sumpf und Lache jüngst gebrodelt , Ist alles in Teppich umgemodelt , Ein Riesenteppich , blumengeziert , Viele Meilen im Geviert . Tausendschönchen , gelbe Ranunkel , Zittergräser , hell und dunkel , Und mitteninne ( wie das lacht ! ) Des roten Ampfers leuchtende Pracht . Ziehbrunnen über die Wiese zerstreut , Trog um Trog zu trinken beut , Und zwischen den Trögen und den Halmen , Unter nährendem Käuen und Zermalmen , Die stille Herde , ... das Glöcklein klingt , Ein Luftzug das Läuten herüberbringt . Und an dieses Teppichs blühendem Saum All die lachenden Dörfer , ich zähle sie kaum : Linow , Lindow , Rhinow , Glindow , Beetz und Gatow , Dreetz und Flatow , Bamme , Damme , Kriele , Krielow , Petzow , Retzow , Ferch am Schwielow , Zachow , Wachow und Groß-Behnitz , Marquardt-Ütz an Wublitz-Schlänitz , Senzke , Lenzke und Marzahne , Lietzow , Tietzow und Rekahne , Und zum Schluß in dem leuchtenden Kranz : Ketzin , Ketzür und Vehlefanz . Und an deinen Ufern und an deinen Seen , Was , stille Havel , sahst all du geschehn ? ! Aus der Tiefe herauf die Unken klingen , – Hunderttausend Wenden hier untergingen ; In Lüften ein Lärmen , ein Bellen , ein Jagen , » Das ist Waldemar « , sie flüstern und sagen ; Im Torfmoor , neben dem Cremmer Damme , ( Wo Hohenloh fiel ) was will die Flamme ? Ist ' s bloß ein Irrlicht ? ... Nun klärt sich das Wetter , Sonnenschein , Trompetengeschmetter , Derfflinger greift an , die Schweden fliehn , Grüß Gott dich Tag von Fehrbellin . Grüß Gott dich Tag , du Preußenwiege , Geburtstag und Ahnherr unsrer Siege , Und Gruß dir , wo die Wiege stand , Geliebte Heimat , Havelland ! Potsdam , im Mai 1872 Die Wenden Die Wenden in der Mark 1. Geographisch-Historisches 1. Geographisch-Historisches Lichthelle Götter , Höret , Höret unser Flehen um Sieg ! Wir kämpfen für Leben und Freiheit , Für Weib und Kind . Notschirmer Radigast , Krieghelfer Svantevit , Leidwahrer Triglaw , O verleihet uns Sieg ! Karl Seidel Am Nordufer der Mittelhavel , den ganzen Havelgau und südlich davon die » Zauche « beherrschend , lag die alte Wendenfeste Brennabor . Ihre Eroberung durch Albrecht den Bären ( 1157 ) entschied über den Besitz dieses und der benachbarten Landesteile , die von da ab ihrer Christianisierung und , was insonderheit die Havelgegenden angeht , auch ihrer Germanisierung rasch entgegengingen . Diese Germanisierung , soweit sie durch die Klöster erfolgte , soll uns in den nächsten Kapiteln beschäftigen ; unsre heutige Aufgabe aber wendet sich ausschließlich der heidnischen Epoche vor 1157 zu und versucht in dieser Vorgeschichte der Mark eine Geschichte der märkischen Wenden zu geben . Dieser Ausdruck ist nicht völlig korrekt . Es soll heißen : Wenden , die , noch ehe es eine » Mark « gab , in demjenigen Landesteile wohnten , der später Mark Brandenburg hieß . Zuerst ein Wort über die Wenden überhaupt . Sie bildeten den am meisten nach Westen vorgeschobenen Stamm der großen slawischen Völkerfamilie ; hinter ihnen nach Osten und Südosten saßen die Polen , die Südslawen , die Groß- und Kleinrussen . Die Wenden rückten , etwa um 500 , in die halb entvölkerten Lande zwischen Oder und Elbe ein . Sie fanden hier noch die zurückgebliebenen Reste der alten Semnonen , jenes großen germanischen Stammes , der vor ihnen das Land zwischen Elbe und Oder inne gehabt und es – entweder einem Drucke von Osten her nachgebend , oder aber durch Abenteuerdrang dazu getrieben – im Laufe des fünften Jahrhunderts verlassen hatte . Nur Greise , Weiber und Kinder waren teilweis zurückgeblieben und kamen in Abhängigkeit von den vordringenden Wenden . Diese wurden nunmehr der herrschende Stamm und gaben dem Lande sein Gepräge , den Dingen und Ortschaften ihre wendischen Namen . Als nach drei- , vier- und fünfhundert Jahren die Deutschen zum ersten Male wieder mit diesem Lande » zwischen Elbe und Oder « in Berührung kamen , fanden sie , wenige Spuren ehemaligen deutschen Lebens abgerechnet , ein völlig slawisches , d.h. wendisches Land vor . Das