derselben die Inschrift abzuschreiben . 74 An der Mittelbiegung desselben und zwar dort , wo jetzt malerisch zwischen Wald und See das Dörfchen Altenhof gelegen ist , erhob sich noch ein zweites Werbellin-Schloß : Schloß Breden . Unter dem dortigen Forsthause befinden sich gewölbte Keller , die man vor etwa hundert Jahren entdeckte , als der Grund zur Aufführung einer neuen Försterei gelegt werden sollte . Man fand aber nicht bloß alte Gewölbe , sondern auch kupferne und eiserne Gerätschaften , die bis diesen Tag in der Försterfamilie ( seit über hundert Jahren immer dieselbe ) aufbewahrt werden . Die dörfliche Tradition spricht sogar von einem Fasse mit Wein , dessen Dauben bei der Berührung in Staub zerfielen , während der Wein , in der topasfarbenen Weinsteinkruste , die sich gebildet hatte , wie in einer Kristallbowle unverschüttet stehenblieb . 75 Schloß Grimnitz , in unmittelbarer Nähe des » Werbellin « am Grimnitzsee gelegen , war ebenso der bevorzugte Aufenthalt Ottos IV. , des sogenannten Markgrafen mit dem Pfeil , wie Schloß Breden und Schloß Werbellin die bevorzugten Plätze Markgraf Waldemars waren . » Hier war es auch wohl « , so schreibt F. Brunold , » wo Markgraf Otto mit seiner kühnen Gemahlin Heilwig von Holstein am Schachbrett saß , von Spielleuten umgeben , ganz so wie es uns ein Bild in der Manessischen Sammlung der Minnesänger noch heute zeigt . « 1529 ward auf Schloß Grimnitz ein Friede zwischen der Mark und Pommern geschlossen , der ausdrücklich der Friede zu Grimnitz heißt , und 1549 brach hier Kurfürstin Hedwig , die Gemahlin Joachims II. ( nicht die » schöne Gießerin « wie andere erzählen ) durch den morsch gewordenen Fußboden des ersten Stockes und nahm , auf die Hirschgeweihe der darunter befindlichen Halle niederstürzend , so schweren Schaden , daß sie von der Zeit ab an Krücken gehen mußte . 76 Eine gleich große Zahl befindet sich nur noch in dem berühmten Tiergarten ( » Dyrehave « ) von Kopenhagen . Als König Friedrich Wilhelm IV. 1844 in Kopenhagen war , besuchte er auch den Tiergarten , Treiber und Jagdbediente bildeten Spalier und vor dem im Portal der » Eremitage « stehenden Könige wurden gegen dreitausend Hirsche vorbeigetrieben . Die klugen Tiere verrieten keine Spur von Scheu . Die Leute in der Eremitage erzählen von dieser » Revue « bis diesen Tag . 77 Märkische Muränenseen waren zu Bekmanns Zeiten folgende : der Moriner- , der Soldiner- , der Lychener- und der Stechliner- , ferner der Lindower- und der Schermützel-See . Mehrere davon , wenn nicht alle , haben inzwischen ihre Muränen verloren , ebenso wie der » Werbellin « . 78 In China oder Japan , oder vielleicht in beiden Ländern , verstehen es die Bewohner , die Kormorans zum Fischfang abzurichten . Sie bedienen sich dazu der allereinfachsten Prozedur , indem sie dem Kormoran , nachdem ihm die Flügel gestutzt wurden , einen Ring um den Hals legen , der die Kehle des Tieres halb zuschnürt . Nun beginnt der Kormoran mit gewohntem Geschick seinen Fischfang , da er aber , der halb zugeschnürten Kehle halber , die Fische nicht herunterschlucken kann , so wirft er sie großmütig in neben ihm befindliche kleine Boote , wo sie die Fischer in Empfang nehmen . 79 Gegenüber dem Wandpfeiler , der diese Trophäe trägt , befindet sich , in gleicher Höhe mit den Emporen der Kirche , der ehemalig Pfuelsche Chor- oder Kirchenstuhl , groß und geräumig , nach Art eines Zimmers . An seiner Vorderwandung bemerken wir drei oder vier ineinander verschlungene Goldbuchstaben , die aller Entzifferung spotten , höchst wahrscheinlich aber einen Pfuelschen Namenszug darstellen . Der Kirchenstuhl selber hat etwas unheimlich Geheimnisvolles . Die Fenster sind ausgenommen und wenn man auf die Brüstung einer der Nebenemporen steigt , um von der Seite her hineinzulugen , so gewahrt man nichts als einen rostigen Kamin , Spinnweb und verstaubte Gewölbekappen , die unter den aufgerissenen Dielen sichtbar werden . Der Aufgang zu diesem Chorstuhl ist vermauert ( man erkennt noch die Stelle , wo die Treppe mündete ) und wie die Jahre wachsen , so wächst auch der Reiz der Frage : Wer hat diese Dielen aufgerissen ? Wer bangte vor diesem Platz ? Wer hat ihn vermauert ? Havelland Vorwort zur zweiten Auflage Entstanden zwischen 1863 und 1872 . Erstdruck : Berlin ( W. Hertz ) 1873 . Der Text folgt der » Wohlfeilen Ausgabe « von 1892 . Vorwort zur zweiten Auflage Auch diese neue Auflage des dritten Bandes der Wanderungen bat eine Umgestaltung erfahren . Wie bei Band I und II ist alles dem Spezialtitel Nichtentsprechende fortgelassen und durch ausschließlich Havelländisches oder doch dem Flußgebiet der Havel Angehöriges ersetzt worden . Auf diese Weise kamen hinzu : das Havelluch , Oranienburg , Tegel , Fahrland , die Fahrlander Chronik , Sakrow , » Wer war er ? « , Falkenrehde , » Zwei heimlich Enthauptete « und Wust , das Geburtsdorf Hans Hermanns von Katte . Daran schließt sich noch Kloster Chorin , das , wiewohl außerhalb des Flußgebietes der Havel gelegen , um Lehnins willen , dessen Tochterkloster es war , mit herangezogen wurde . Wobei zugleich der Wunsch mitwirkte , dem mehrere Kapitel umfassenden Abschnitt von der Kolonisation der Mark durch die Zisterzienser wenigstens annähernd einen Abschluß zu geben . Das Historische ( im Gegensatz zu » Oderland « ) tritt im ganzen genommen in diesem dritten Bande zurück , und Landschaft und Genre prävalieren . An nicht wenigen Stellen entstand für mich die Frage , ob ich nicht , über die bloße Form hinaus , auch inhaltlich zu Änderungen zu schreiten und von einem inzwischen erfolgten Wechsel der Dinge Notiz zu nehmen hätte . Um ein paar Beispiele zu geben : das Friedrichsche Ehepaar auf der Pfaueninsel ist gestorben , Etzin ist niedergebrannt und der in Trümmern liegende Teil der Lehniner Klosterkirche ist neuaufgebaut worden . Ich hab ' es aber mit Rücksicht darauf , daß alles Umarbeiten und Hinzufügen in