. Keinen Moment Rast , das Leben von Hunderttausend hängt an einem Haar . Dringen Sie zu ihm durch , selbst übergeben Sie ihm die Briefe , denn er ist von Verräthern umringt . Ich will den Angriff von Saalfeld , ich will Alles vergessen , aber keine Weiber zwischen uns . Die Königin muß fort . Sie bringen ihm , Ihrem Vaterlande Frieden , junger Mann . Rasch , ohne sich umzusehen , ohne zu athmen , wie der Blitz ! « Das Schlachtroß bäumte sich unter dem Imperator . Der erste Kanonenschuß tönte dumpf aus der Tiefe , und in dem Augenblick ging die Sonne auf , eine unförmliche , bluthroth dunstende Kugel , den Herbstnebel färbend , der nicht weichen wollte . Auch des Imperators Haupt war einen Augenblick von ihr angeglüht , der Jubelruf seiner Garden schwellte in die Luft . In Louis Bovillard rief eine Stimme : » Dieser Sieger bringt der Welt nicht das Heil , er bringt ihr den Sieg der Lüge . « Kaum daß der Kaiser fortgesprengt , stand der schönste andalusische Renner vor der Thür , man hob ihn hinauf , vornehme Offiziere waren dabei geschäftig , man empfahl ihm dringend Eile , die Richtung , die er zu halten habe , rechts am linken Saaleufer fort , damit er aus dem Bereich der scharmutzirenden Parteigänger komme , dann müsse er nordwestlich nach der Gegend zwischen Weimar und Auerstädt sich halten , rasch direkt nach des Königs Hauptquartier . Der Kapitän geleitete ihn wieder bis zu den äußersten Vorposten . Las er die Fragen und Zweifel auf der Stirn des Entlassenen ? Er flüsterte ihm zu : » Ein Emissär Napoleons , ein Herr von Montesquieu ist , wie ich eben hörte , von preußischen Parteigängern gefangen . Ihm könnte das Schicksal drohen , dem Sie entgingen . Die Großmuth ist vielleicht das Facit einer Rechnung . Gedenken Sie daran . « Das konnte es nicht sein ! Auf einer Höhe hielt er einen Moment , um Athem zu schöpfen . Der mit Millionen Menschenleben spielte , konnte zu einem solchen Spiel in solchem Augenblick sich nicht gedrängt fühlen - um einen seiner Offiziere ! Da hörten die einzelnen Signalschüsse auf , das Knattern der Tirailleure verstummte vor dem Krachen der Geschützsalven , es donnerte an den Bergen und die Erde unter ihm zitterte . Jetzt trieb ein frischer Morgenwind die Nebel aus einander . In dem Rahmen breitete sich zu seinen Füßen ein sonnenerhelltes Bild - die Schlacht von Jena . Und in ihm riß auch ein Vorhang , es ward heller und heller : dort will er den Fürsten von Hohenlohe schlagen , und er wird vernichtet , wenn das Hauptheer ihm nicht zeitig zu Hülfe eilt . Den König soll der Brief zweifelhaft machen , er soll , der Sirenenstimme der Friedenslockung horchend , den Moment versäumen , er soll zaudern , um selbst vernichtet zu sein ! Louis Bovillard fühlte an sein Herz . Es schlug nicht , wie es sollte , er fühlte seinen Puls , er konnte die Schläge nicht zählen , er drückte die Hand an seine kalte Stirn . Ein tiefbanger Seufzer stieg aus seiner Brust : » O Du Lenker des Weltalls ! - nur bis dahin - warum so groß die Mission , wenn der Athem so kurz ist . Kraft nur - dann - dann - « Der Andalusier unter ihm scharrte und schnaufte in frischer Morgenjugendlust : » Dank für das Geschenk ! « rief Louis . » Trage mich , mein Segler , durch die Lüfte . Du und ich , wir mögen in Staub sinken , wenn der Athem nur ausreicht zu einem Wort - ein letztes Wort ! « Vierundachtzigstes Kapitel . In der Dorfkirche . Im letzten Dorfe , welches die Königin passirte , hatten die Relaispferde gefehlt . Der Geistliche hatte seine Ackerpferde vorgespannt ; aber sie waren auch müde , eben von einer Vorspannfahrt zurückgekehrt . Die Königin glaubte dem alten Manne die Sorge um seine Thiere anzusehn ; sie hatte sich anfänglich geweigert sie anzunehmen . Der Prediger hatte erwidert : wer weiß , was heute sein ist , ob es morgen sein bleibt ! Wer es hingiebt zu einem guten Werke , hat das Bewusstsein hinter sich . Es war noch keine Flucht ; die Monarchin hatte endlich , von den tausend Stimmen , die laut und lauter gegen ihre Anwesenheit beim Heere sich aussprachen , gedrängt , das Hauptquartier verlassen ; sie wollte über Naumburg nach ihrem geliebten Magdeburg zurück . Es war ein herzzerreißender Abschied gewesen von dem Gemahl - der Schatten einer Leiche schwebte schon über der Umarmung . Ihr schwarzes Kleid galt der blutigen Erinnerung an den Prinzen Louis Ferdinand . Tausend wüste Nachrichten schwirrten durch Weimar , als sie es verließ . Alles hatte sich verändert , der Feind kam nicht von daher , wo man ihn erwartete , sondern griff vom Rücken an . So viel wusste man schon , nicht , wie weit er vorgedrungen . Die festen Positionen an der Saale mussten ihn doch aufhalten ! Aber Wirrwarr überall auf der Straße : verfahrenes Fuhrwerk , Marodeure , Kranke , umgestürzte , geplünderte Bagagewagen , versprengte Flüchtlinge , die , jenseits der Saale durch die ersten Angriffe der Franzosen geworfen , jetzt ihre Corps aufsuchten . Viele suchten sie auch nicht . Bei Lobeda war die sächsische Bagage , ehe die Franzosen erschienen , von den eignen Trainknechten aufgegeben , überfallen und geplündert worden . Wer mochte unter den Hunderten , die davon auf der Straße erzählten , die Vorfallenheiten vergrößerten , ausschmückten , die Beraubten immer von den Räubern unterscheiden ! Wohin war schon jetzt der Zauber der Autorität , wenn man Mühe hatte , für den königlichen Wagen Platz zu machen . In jenem Dorfe mochte die Ankunft der Monarchin eine Katastrophe abgewendet haben . Verwilderte Schaaren Zersprengter , die sich eingelagert , machten Miene , das Mein und Dein