Grüßen der alten sarmatischen Großmutter , der Jagellona , einer gebildeten , noch aus Kosziuszko ' s Zeiten stammenden Polin .. sie thronte wie eine Zauberin unter dem Dache eines Feigenbaums , der eure Wohnung umwand , auf einer steinernen Erhöhung und klöppelte mit der alten Tante , einer Deutschen , ihrer Schwägerin , Teppiche ... von dieser wunderbaren Familie ergriffen , gehalten von deiner Freundschaft , geblendet von Louison , nehm ' ich für die Nacht vorlieb auf einem Sack von Maisstroh als Lager ... es ist ein Sonnabend ... am Sonntag begleit ' ich Louison schon in die Kirche ... Sie zeigt mir in der Frühe den Reliquienschrein der heiligen Märtyrer in der Kathedrale ... am Abend holen die Nachbarinnen sie ab und wir wandern nach der Croix-Rousse auf die Chaumière ... schon am zweiten Sonntag hatt ' ich einen Blumenstrauß von ihrem Hut gewonnen ... am dritten lohnte sie mich nicht mehr für meine Liebe , sondern nur noch für meinen Fleiß ... wir müssen uns beherrschen , sagte sie , arbeiten , Glück verdienen ... ich arbeitete , um den ersten Kuß zu verdienen ... ich arbeitete , um drei Küsse zu verdienen ... ich arbeitete ... Bis du sie ganz gewannst und sie ohne des Priesters Segen dein Weib war , fiel Louis ein . Beide schwiegen erschüttert ... Ein schwarzer verspäteter Schmetterling , den die Knaben am liebsten haschen , obgleich er der Trauermantel heißt , setzte sich eben auf das Papier in Egon ' s Hand . Als der bunte Sommervogel zu den Blumen entschwebte , war es ihnen , als hätte sie die verwandelte Seele Louison ' s begrüßt ... Ich klage dich nicht mehr an , mein Freund , sagte Louis . Du hattest uns getäuscht , aber auch dich selbst . Schon als wir von Lyon zur Erweiterung unsres Geschäftes nach Paris zogen und von Jagellona , der Tante , ja den Ältern selbst die Grabeshügel zurücklassen mußten , war die Erkenntniß über dich gekommen , daß dir die Kraft fehlen würde , diese Rolle länger fortzuspielen ... Keine Rolle ! rief Egon . Nie , nie hab ' ich daran gedacht , daß ich jenen arkadischen Schäfern von Navarra nachahmen wollte , die sich in Schäfer nur verkleideten . Ich war so mit mir einig , als Franz Rudhard in Paris zu wirken , meinen deutschen Beziehungen zu entsagen , daß ich es der Mutter kurz vor ihrem Tode nach Hohenberg schrieb und für immer von meinem vergangenen Leben mich lossagte . Eine Schwärmerei , sagte Armand , von der dich die Fahrt auf dem See von Enghien heilte ! Jene weichen Arme der Liebe öffneten sich , für die du geboren bist ! Damals , als ich noch glaubte , dein Name wäre Franz Rudhard , hätt ' ich dich morden können , daß du die Schwester verließest , die dir Alles geopfert hatte . Sie hielt mich zurück , sie hoffte auf deine Wiederkehr . Sie hoffte , bis der Thau der Nächte ausblieb und die Blume keine Thränen mehr hatte . Sie verwelkte . Ich erhalte einen Auftrag für eine Villa in Enghien , ich soll zu einem Tempel der Freude und des Glückes den Schmuck , die Vergoldungen und Spiegel zaubern , ich komme in das Boudoir jener Frau , wo Louison einst in deinen Armen sich von dem Unglück einer Wasserfahrt erholte ... Schweige , Louis , schweige ! rief Egon . Und Louis , erschreckend über sich selbst , fiel rasch ein : Vergebung ! Vergebung ! Was beginn ' ich mit einem Kranken ! Der Schmetterling auf diesem Papiere war das Bild der Versöhnung und ich hatte dir ja auch nur zu sagen , Egon , daß ich um Egon ' s willen Franz vergab . Schon als du uns verlassen hattest , ahnten wir deinen höhern gesellschaftlichen Ursprung , aber als ich auf dem frischgeschaufelten Grabe Louison ' s erfuhr , daß du ein Prinz bist , Sprößling eines vornehmen Hauses , daß du aus Liebe zu dieser Todten , aus Liebe zu dem bescheidenen Leben der Armuth , aus Hingebung an die große Sache der Arbeit , deinem Stande , deinen Titeln , allen Vortheilen deiner Geburt drei Jahre entsagen lernen , arbeiten konntest ... o , Egon , und wenn die Grabeshügel der Ältern auf den Tod meiner Schwester erst gefolgt wären , statt daß sie ihr vorangegangen , wenn das Herz des zu seiner Sphäre zurückkehrenden Jünglings mir das Leben der eignen Geliebten geraubt hätte ... wer weiß , ob ich nicht vergeben hätte um dieses heroischen Entschlusses willen , um eine That , so einzig und groß , daß ich alle eigenen Schmerzen vergaß und dein blieb , Egon , um der Sache des Volkes und der Menschheit willen ! Und ich verspreche dir , sagte Egon feierlich , daß diese von Patschouli duftende Verlockung - er zeigte dabei auf das noch ungelesene Papier - mich nicht aus der Bahn entfernen wird , auf der wir uns wieder begegneten und dein reines Herz meiner elenden Schwäche vergeben hat ! Geliebt zu werden ist süß ! warf Louis ein , um die Selbstanklage Egon ' s zu mildern . Ich sehe rathlos , fuhr Egon fort , auf die schmeichelnden Worte , die ich nun seit acht Tagen von dieser Unbesonnenen erhalte , die mir von dem Herzen Frankreichs hierher nachreist und an eine Trennung unserer Wege nicht zu denken scheint ! Ich zittre vor dem Wiedersehen . Es ist etwas in mir , das mir sagt : Louison ' s Schatten verlangt die Sühne der Trennung von Helenen ... Nein , nein , fiel Louis ein , Louison ' s Schatten ist gesühnt durch unsere Versöhnung an ihrem Grabe . Hätte sie geahnt , was du ihr zum Opfer brachtest , wer weiß , ob die Vernunft nicht Trostgründe geboten hätte , die heilend wirkten . Man soll nicht Liebe von sich stoßen ; nie ! nie