Hintergebäuden den dritten Posthof . Unmittelbar zur Linken , wenn man aus dem zweiten Posthof in den dritten eintritt , befindet sich ein in Stein gehauenes Brustbild des alten Sparr und unter demselben folgende , im Auftrage der Baronin von Blumenthal ( geb . von Schwerin ) angefertigte Inschrift : Aeternitati sacer heros Illustriss . L. B. Otto Christoph de Sparr Coeli possessiones occupaturus Gratam circumspexit posteritatem Et linqendae huic sedi Singulari mentis destinatione Heredem fecit Illustriss . dominam Loysam B. de Blumenthal Ex Domo Schvverinia Atque ea Testatura benefico cineri Qvanti fecerit hoc inter vivos donum Simul Ut perennius esset Generosae mentis monumentum Ingenti id sumptu A damnosa die vindicavit et restituit In firmitatem et decus hoc Qvod lector prospicis Servet hunc verticem salus Et limen custodiat Jehovae vigil . oculus Heroi autem nostro In sion esto habitatio Et in pace locus ejus . P. J. J. Anno CDDCLXVIII . ( In der Mitte des vorigen Jahrhunderts gehörte das Sparrsche Stadthaus dem Minister Adam Otto von Viereck . ) 71 Das Sparrsche Erbbegräbnis in der Marienkirche besteht in einem an der Nordseite des Chores gelegenen Anbau , dessen oberer Teil einen kleinen , jetzt zum Teil zur Bibliothek eingerichteten Saal enthält . Darunter befindet sich die eigentliche Gruft , über deren am inneren Chor befindlichen Eingange sich das Grabdenkmal von weißem Marmor erhebt . Dasselbe zeigt , in architektonischer Einfassung von zwei Säulen nebst Sims , einen etwas überlebensgroßen , geharnischten Mann , kniend vor einem Pult , auf welchem ein Buch nebst Totenkopf und Kruzifix . Hinter dem Betenden , zur Linken des Beschauers , ein helmtragender Edelknabe in ganzer Figur . Unter der Decke des Pultes schaut mit nach seinem Herrn gewandten Kopfe ein Hund hervor . An der mit leiser Architekturandeutung versehenen Fläche hinter der Hauptfigur stehen in deutscher Sprache die Verse Hesek . 37 , 3 – 6 und Hiob 19 , 25. Über dem Sims eine gleichsam zum Giebel sich gestaltende Gruppe : inmitten das einfache Sparrsche Wappen von Mars und Minerva gehalten , zu deren Seiten je zwei an Geschützen gefesselte sitzende Figuren . Dahinter eine Anzahl Fahnen . Das ganze im Übergang von Renaissance zum Barockstil , trägt zwar in der gebotenen herkömmlichen Anordnung die Manier oder den Charakter der Zeit , erweist sich dagegen in seiner Ausführung höchst verdienstlich . Ist gleich ein geharnischter Mann der möglichst ungünstige Gegenstand für Skulptur , so sind doch Kopf und Hände der knienden Hauptfigur vortrefflich modelliert , überhaupt aber ist im ganzen , wie in den Teilen , zumal in den Nebenfiguren , ein künstlerisch modifizierter Realismus unverkennbar . Es offenbart sich darin etwas von dem kräftigen Geiste Schlüters , verbunden mit einem Anfluge jener Manier , die die französische Bildhauerkunst des vorigen Jahrhunderts beherrschte . Wer das Werk schuf , ist nicht mit Sicherheit festgestellt . Die Tradition nennt den jüngeren Artus Quellinus , einen Holländer , den Sohn und Schüler seines gleichnamigen Vaters . Das Denkmal selbst trägt weder Namen noch Chiffre . 72 Es ist sehr interessant zu verfolgen , in welcher Art und nach welchen Gesetzen das Volk sich seine Helden ausstaffiert . Es verfährt dabei lediglich nach einem ihm innewohnenden romantischen Bedürfnis und ist gegen nichts gleichgültiger , als gegen den wirklichen historischen Sachverhalt . Otto Christoph von Sparr war in den letzten zehn Jahren seines Lebens ein frommer Kriegsheld . Hätte seine Frömmigkeit nach außen hin in irgend etwas Wundersamem eklatiert , so würde diese eklatante Tat für das Sagenbedürfnis der Prendener Stoff und Anlehnung geboten haben ; da Sparrs Frömmigkeit aber stille Wege ging und alles frappierend Wundersame vermied , so war sie für die Prendener so gut wie gar nicht da , die denn auch sein Leben um Züge befragten , die mehr in die Augen sprangen . Da hörten sie von Türkenzügen , vom Niederschießen des Marienkirchturms , von Kettenkugeln , von seinen sonstigen Wundern als Artilleriegeneral , und der Zauberer war fertig . Er hat nun Fausts Mantel und fährt , wie Derfflinger , über die Kirchtürme hin , an denen der eine die Peitsche des Kutschers , der andere die Teerbutte seines Wagens hängen läßt . Was den Stein mit den Krampen und Ketten und den vier Sklaven angeht , so ist es ersichtlich , daß das Reiterbild des Großen Kurfürsten , mit den vier Gefesselten am Sockel desselben , zu dieser wie zu ähnlichen Sagen Veranlassung gegeben hat . 73 Es verlohnt sich , dies eigens hervorzuheben , denn unter den mannigfachen kleinen Strapazen , womit das Hinaufsteigen in alte Türme und das Hinabsteigen in alte Grüfte verbunden ist , steht das Glockeninschrift-Lesen obenan . Ohne » Licht und Leiter « geht es eigentlich kaum , aber beide sind nie zur Hand und so fällt einem das Los zu , sich zu helfen , so gut es geht . Das erste ist , daß alle Schallöcher geöffnet werden , die nun natürlich einen Zug herstellen , als sollte Wäsche getrocknet werden , während es dem vom Treppensteigen Erhitzten wie der Tod über den Rücken läuft . Nun sind die Schallöcher auf und das Licht dringt ein , aber entweder die Distanz oder die gotischen Buchstaben oder gar der Schwalbenguano spotten noch immer der Entzifferungskunst des unten Stehenden , der sich nun genötigt sieht , die Reste seiner Turnerschaft hervorzusuchen . Erst ein Griff nach dem Querbalken , dann ein Schwung in das Kreuzgebälk hinein , – so , halb hängend , halb stehend , beginnt die Lektüre . Ist nun ein gefälliger Küster , dem sich Wort für Wort diktieren läßt , mit in den Turm hinaufgestiegen , so kann das Schlimmste der Expedition als überstanden angesehen werden , hat er aber , aus diesem oder jenem Grunde , seine kleine Tochter mit hinaufgeschickt , so bleibt einem schließlich nichts anderes übrig , als sich , wie der Glöckner von Notre-Dame , seitwärts auf die Glocke zu werfen und , die » große Marie « fest umarmend , auf dem erzenen Nacken