ständen , und in der Selbstaufopferung , mit welcher Paul ihm vor Möckern beigestanden habe , die beste Bürgschaft dafür zu besitzen glaube , daß er die Familien- und Geschäfts-Angelegenheiten des Hauses von Arten-Richten keiner zuverlässigeren Kontrole , als der seinigen übergeben könne . Indeß Renatus war von früh auf dazu angehalten worden , bei allem seinem Thun es reiflich zu überlegen , ob er sich und seinem Stande damit auch nichts vergebe , und dieses ewige Erwägen hatte ihm allmählich die Fähigkeit eines schnellen Entschlusses und jede Möglichkeit eines Handelns nach freien , plötzlichen Eingebungen ein für alle Mal genommen . Seine Erziehung hatte ihn , wie einen Fürsten , ängstlich und scheu , hatte ihn mißtrauisch gegen Andere und gegen seine eigenen besten Empfindungen gemacht . Er bedachte also auch in diesem Falle wieder , daß ein solches Aussprechen seines Vertrauens ihm für spätere Zeiten unbequeme , bindende Verpflichtungen auferlegen könne ; daß es den scharfsichtigen Kaufmann leicht auf ein vorhergegangenes Mißtrauen schließen lassen dürfte , und als er dann endlich die Feder in die Hand nahm , um Paul mit nöthiger Behutsamkeit seine Zugeständnisse und Vorschläge zu machen , deutete er es ihm also , ganz gegen seine erste Absicht , in keiner Weise an , daß er wisse , in welchem Verhältnisse Paul zu seinem Vater gestanden habe . Er erwähnte es auch mit keinem Worte , daß er seinen Erretter in der Schlacht erkannt . Er erklärte ihm nur ohne Weiteres , wie er ihn , als den Nachfolger des Herrn Flies , mit welchem die Familie von Arten seit langen Jahren alle ihre Geschäfte zu machen gewohnt gewesen sei , auch ferner mit denselben ganz und gar zu betrauen wünsche . Sollte Paul jedoch aus irgend einem Grunde zu der Uebernahme dieses Auftrages nicht geneigt sein , so müsse er ihn trotzdem jedenfalls ersuchen , sich der bisherigen Mühewaltung wenigstens so lange zu unterziehen , bis Renatus in die Heimath zurückkehren und sich , sofern dies nöthig würde , nach einem andern Handlungshause für seine Zwecke umsehen könne . Er sprach danach in guter Form die Hoffnung aus , daß die alte Geschäftsverbindung keine Störung zu erleiden brauche , knüpfte daran den Wunsch , daß sie beiden Theilen ersprießlich werden oder bleiben möge , und als er den Brief dann noch einmal gelesen und gesiegelt hatte , hielt er sich überzeugt , als ein sich selbst achtender Mann , nach reiflicher Ueberlegung und mit einem Vertrauen gehandelt zu haben , das mancher Andere in ähnlicher Lage Paul nicht bewiesen haben würde und das anzuerkennen derselbe sicherlich nicht ermangeln könne . Ja , er machte sich endlich geradezu darauf gefaßt , sich von dem geschmeichelten Ehrgefühle seines Bastardbruders jetzt für alle Zeit jedes Besten versehen zu dürfen . Er rechnete sich , wie gar Mancher , seine Aufwallungen von guter Empfindung , auch wenn er es , wie eben jetzt , für recht befunden hatte , sie schnell wieder zu unterdrücken , als gute Thaten an , deren Anerkennung und Belohnung ihm von dem Leben nicht vorenthalten werden dürfe , und er gewann damit nichts als die Möglichkeit , sich über das Leben und über die Menschen zu beklagen , wenn sie ihm für das Nichtgeschehene nicht zu danken vermochten und ihn nicht schätzten , wie er selbst sich beurtheilte und hochhielt . - Es verging eine geraume Zeit , ehe Paul von dem jungen Freiherrn die lange ausgebliebene Antwort auf die Todesanzeige des Herrn Flies erhielt . Da Renatus dieselbe nicht , wie es sich eigentlich gebührte , an die Firma , sondern im Style und Tone eines halben Vertrauens an Paul persönlich gerichtet hatte , ließ dieser den Brief sofort verzeichnen , aber er behielt ihn auf seinem Pulte liegen , denn er war nicht mit sich einig , was er thun und wofür er sich entscheiden sollte . Ein paar Tage lang erwog er diese Angelegenheit still mit sich allein , dann trug er sie , als er sich in einer ruhigen Abendstunde mit Seba und Daviden zusammenfand , gegen seine Gewohnheit den beiden Frauen vor . Es begegnet mir selten , sagte er mit seinem schlichten Ernste , nachdem er ihnen das Schreiben von Renatus vorgelesen hatte , daß ich mir über meine Gedanken und Empfindungen keine rechte klare Rechenschaft zu geben vermag , und wo dieses der Fall ist , zögere ich mit meinen Entschlüssen . Ich hatte Anfangs die Absicht , das sogenannte Vertrauen des Freiherrn ohne Weiteres zurückzuweisen , weil er mit der geflissentlichen Rückhaltigkeit der Kaste , welcher er angehört , sich Dank von mir verdienen möchte , wo er mir viel Mühe und mannichfache Verantwortungen auferlegt . Ich wollte seiner halben Wahrheit mit dem ganzen Geständnisse entgegentreten , daß es mir nicht wünschenswerth sei , in das Vertrauen eben seines Hauses gezogen zu werden , weil ich selbst in dessen geheime Geschichte verwickelt bin . Damit ich dann aber auch völlig des äußeren Zusammenhanges mit der freiherrlichen Familie ledig würde , beabsichtigte ich Deine Capitalien , liebe Seba , von Rothenfeld und Neudorf zurückzuziehen und sie hier unter meinen Augen anderweit unterzubringen . Aber ... Hältst Du sie auf den Gütern irgendwie gefährdet ? unterbrach ihn Seba . Paul verneinte dies , da es erste Hypotheken wären und der bloße Bodenwerth der Güter sehr bedeutend sei . So laß das Geld dort stehen , bat die Freundin . Renatus ist der Sohn meiner theuersten Freundin , meiner unvergeßlichen Angelika ! Man soll nicht glauben ... Sie hielt inne , und da Paul sie darauf fragend ansah , sprach sie : Es lebt doch eine Anzahl von Personen , die um Deine Herkunft wissen . Ich möchte nicht , daß irgend Jemand Dir den Vorwurf machen könnte , Du habest aus persönlichem Uebelwollen die ohnehin nicht günstige Lage der Arten ' schen Familie noch verschlimmert . Und wenn Du in Dir selber ungewiß gewesen bist , wie Du handeln solltest , so bitte ich Dich , da