er auf dem dunkeln Gange träumte nicht mehr , wie er wohl gehofft , wie er glaubte , denn er schlug sich so lange vor die Stirn , bis sie ihn schmerzte , er preßte die Hand krampfhaft auf die Brust und fühlte sein Herz schlagen . Er wollte vorwärts stürzen und die Thüre mit einem Fußstoß eintreten . Aber er besann sich eines Bessern ; der da drinnen war vielleicht stärker als er , und da er Rache nehmen wollte , blutige Rache , so mußte er sich eine Waffe suchen . Wo war etwas der Art im Hause ? Er dachte eine Sekunde nach , dann trat er in ' s Zimmer zurück , warf sich mit fiebrischer Hast in die Kleider und schlich auf den bloßen Füßen die Treppen hinab nach dem Magazine , dessen Thüre er geräuschlos öffnete . Dort in einer Ecke neben der Wage lag das große Packmesser . Als er das kalte Heft desselben ergriff , durchschauerte es ihn unheimlich ; er fuhr mit der andern Hand an die glühende Stirn und wischte sich die Schweißtropfen davon ab . Auch bedeckte er einen Moment lang seine Augen , denn trotz der tiefen Finsterniß , die ihn umgab , gaukelten allerlei formlose Gestalten um ihn her . Das war sein empörtes Blut , welches ihn auch Funken und Blitze sehen ließ , die seinen Augen zu entspringen schienen . Dabei hatte er das Gefühl , als wanke der Boden unter ihm , und als er nun doch vorwärts strebte , dem Ausgang und der Treppe zu , schwankte er hin und her , und mußte sich an den Wänden halten und zuweilen einen Augenblick ausruhen , um nicht niederzustürzen . Von seinen verwirrten Sinnen blieb nur ein einziger klar und thätig - das Gehör . In seinen wildesten Gedanken , mitten in den qualvollsten Anstrengungen des kraftvollen Vorwärtsstrebens lauschte er angestrengt - und jetzt - hörte er abermals schleichende Tritte . Ja , das war er , dem das Mädchen die Thüre geöffnet ; er mußte es sein . - Und doch ! Er sammelte einen Augenblick seine zerstörten Gedanken , um sich zu erinnern , wo er sich befinde , und als ihm klar wurde , daß er im Magazine sei , wußte er auch sogleich , daß die Tritte , die er hörte , aus seinem eigenen Schlafzimmer herunter tönten und nicht aus dem ihrigen . Er horchte angestrengter . Er vernahm ein leises Klirren ; - ja , er irrte sich nicht : droben wurde ein schweres Schloß geöffnet . - Herr des Himmels ! das seiner Kasse . Er zuckte aus seiner horchenden Stellung empor , er strebte die Thüre zu erreichen , und als er gerade auf den Gang hinaus wollte , vernahm er , daß droben ein Fenster geöffnet wurde . Unwillkürlich wandte er den Kopf und blickte auf die untern Fenster , die von dem Magazin auf den Hof gingen und mit denen seines Schlafzimmers correspondirten . Da sah er , wie sich von oben ein Körper langsam herab bewegte : es war ein Mann , der sich an einem Stricke herunter ließ . - » Räuber ! Räuber ! « schrie Herr Blaffer , so laut er konnte . Dabei stürzte er gegen das Fenster , riß es auf und da in diesem Augenblicke der Körper eines Menschen , eines Diebes , gerade vor demselben schwebte , so stieß er demselben mit aller Kraft das große Packmesser in den Leib , so daß er augenblicklich den Strick losließ und dröhnend zu Boden fiel . Leider ließ sich Herr Blaffer darauf verleiten , dem Fallenden nachzublicken , aber nur eine Sekunde lang streckte er seinen Kopf zum Fenster hinaus . Dann taumelte er von einem furchtbaren Schlage auf denselben getroffen in das Zimmer zurück , wo er regungslos liegen blieb . - Der Lehrling hatte droben zitternd in einem Winkel seiner Dachkammer gesessen . Mehrmals war er aufgesprungen und im Begriff , herunter zu eilen , doch jedesmal hielt ihn eine große Angst zurück . Er war sicher , sobald er auf den Gang hinaus träte , augenblicklich zu Boden geschlagen zu werden . Wohl hatte er vernommen , das Jemand das Schlafzimmer des Prinzipals verlasse , - wahrscheinlich Herr Blaffer selbst , der sich in das Magazin hinunter begab . Später hörte er andere Tritte , die sich in dem Schlafzimmer verloren ; vielleicht war der Buchhändler wieder herauf gekommen . Ein Fenster wurde geöffnet und kurze Zeit darauf war es die Stimme des Prinzipals , welche » Räuber ! Räuber ! « rief . Jetzt eilte August auf den Gang hinaus und wollte die Treppen hinab , als er unten im Hause flüsternde Stimmen vernahm : die seiner Schwester und die eines Mannes . Was war das ? Von all ' diesem Räthselhaften überrascht , blieb er oben an dem Geländer stehen und horchte . Zwei Personen schlichen die Treppen hinab , durch den Gang nach der Hausthüre , und darauf vernahm er deutlich , wie diese letztere zugezogen wurde . Er hörte das Schloß zuschnappen , dann war Alles todtenstill im Hause . - Langsam , auf jeder Stufe stehen bleibend , stieg nun der Lehrling die Treppe hinab . Die Stille in dem Hause war ihm fürchterlich . Endlich gelangte er in die Küche , neben welcher die alte Magd in einem Verschlage schlief . Sie hatte von dem Lärmen nichts gehört und war schwer zu erwecken . August hatte die Thüre vorsichtig hinter sich geschlossen , und erst als er Licht angezündet und die Magd bereit war , ihm zu folgen , wagte er sich wieder in den Gang hinaus . Die Thüre des Magazins stand offen und in demselben lag Herr Blaffer am Boden , schwer athmend , doch ohne äußere Verletzung . Der Schlag auf den Kopf hatte ihn betäubt , doch kam er bald wieder zu sich ; und als er sich des Geschehenen erinnerte , als ihm all