Ereignisse , es ist eine schwere Sünde , von denen Sie Kunde begehren , sagte er , und doch müssen Sie erfahren , was Sie nur zu nahe angeht und was außer Ihnen kaum für Jemanden ein Geheimniß ist . Es hat durch lange Jahre , noch bei Lebzeiten des Herrn Herzogs von Duras , ein Liebesverhältniß , eine heftige Leidenschaft zwischen der Herzogin und dem Fürsten von Chimay bestanden , welche eine stillschweigende Trennung der herzoglichen Ehe veranlaßt hatte , lange ehe die Frau Herzogin ihres ersten und einzigen Kindes genas . Der Herzog hatte also vollen Grund , dieses Kind nicht als das seinige anzuerkennen ; der Fürst hingegen wünschte , sich den Sohn der geliebten Frau anzueignen , und diese verlangte für ihren Sohn nach einer Stellung , wie seine Abstammung sie ihm gesichert hätte , wäre seine Geburt eine rechtmäßige gewesen . Man kam also auf das Auskunftsmittel , den Neugeborenen einer Anderen , einer Fremden unterzuschieben . Freunde der Frau Herzogin und des Fürsten fanden in der schönen , brustkranken Tochter einer herabgekommenen Familie die Person und die Willfährigkeit , deren man bedurfte . Die Herzogin gebar in einer kleinen schweizerischen Stadt den Prinzen Polydor , Fräulein von Merrieux wurde dem Fürsten von Chimay hier in der Carmeliter-Kirche angetraut , der Fürst sicherte ihren Eltern ein namhaftes Vermögen zu , das fürstliche Ehepaar begab sich nach der Schweiz , den Sohn der Herzogin persönlich in Empfang zu nehmen , und diese mochte sich darauf Rechnung gemacht haben , nach dem voraussichtlichen Tode der jungen Fürstin sich ihren Sohn als Pflegesohn aneignen zu können . - Der Abbé hatte diese Thatsachen nackt und trocken hingestellt . Jetzt machte er eine kleine Pause , und ruhig und nachdenklich hob er dann auf ' s Neue zu erzählen an . Des Menschen Gedanken und des Herrn Wege sind gar oft verschieden , sagte er , und auch in diesem Falle bewährte sich die allwaltende Gerechtigkeit des Herrn . Wider alles menschliche Voraussehen stellte Gott die Gesundheit der Fürstin , die sich für die Ihrigen geopfert hatte , völlig wieder her , und er wendete ihr auch die ganze Neigung ihres Gatten , die volle Liebe ihres Pflegesohnes zu . Der Fürst vergaß in den Armen seiner edeln Gemahlin , auf welche Weise er sie erwählt hatte . Ihre Frömmigkeit suchte durch Buße sein Vergehen zu sühnen , und als wenig Jahre danach der Herzog von Duras das Zeitliche verließ , fand die Frau Herzogin sich von dem Genossen ihrer Sünde , wenn nicht vergessen , so doch aufgegeben . Erst nach dem Tode der gottergebenen Frau Fürstin stellte die alte Freundschaft zwischen Ihrer Frau Tante und dem Fürsten von Chimay sich allmählich wieder her , und Sie werden es , da Sie die Frau Herzogin ja kennen , nur begreiflich finden , wie viel ihr daran gelegen sein muß , Sie , die Sie ihre rechtmäßige und einzige Erbin sind , mit dem Prinzen Polydor , mit ihrem Sohne , zu verbinden . Eleonore war dem Berichte des Geistlichen mit höchster Spannung , mit großer Aufregung gefolgt . Nun , da er seine Erzählung beendet hatte , leuchtete eine unheimliche Freude aus ihren Augen . Ja , Sie sind mein Freund ! rief sie triumphirend aus , Sie sind mein wahrer , mein einziger Freund , und Sie sollen es sehen , daß ich Ihres Vertrauens nicht unwerth bin , Herr Abbé ! Aber mich brauchen lassen wie Fräulein von Merrieux ? Mich brauchen lassen , um Ihren Fehltritt gut zu machen und Ihrem Sohne sein Erbe zuzuwenden ? - nimmermehr , Frau Herzogin , nimmermehr ! Dazu ist Eleonore Haughton nicht gemacht ! - Noch einmal meinen Dank , mein Freund , mein edler , mein großmüthiger Freund ! wiederholte sie dem Abbé , und sich dann plötzlich von ihm wendend , verließ sie das Gemach . Der Abbé sah ihr schweigend nach . Er war mit sich zufrieden , und wie ein sieggewohnter Mann das Gelungene erwägend , dasjenige , was jetzt zu leisten war , bedenkend , ging auch er von dannen , um ruhig und in sich gefaßt , wie immer , der Frau Herzogin seine gewohnte Aufwartung zu machen . Siebentes Capitel Renatus hatte , seit er der Gast der Herzogin und am Hofe empfangen worden war , nur selten und nur flüchtige Briefe in die Heimath gesendet , und er schlug sich die Nachrichten , welche ihm von dort mit Regelmäßigkeit gegeben wurden , gern aus dem Sinne . Hildegard kam in jedem ihrer Briefe darauf zurück , daß die Signorina , wie sie Vittoria noch immer zu nennen liebte , sich in unbegreiflicher Weise verändert habe . Sie sei heftig und herrisch geworden , könne sich nicht darein finden , nicht mehr die ausschließliche Neigung ihres Stiefsohnes zu besitzen ; sie mißgönne Hildegarden die Liebe ihres Verlobten , und an den Gedanken , künftig nicht mehr die Herrin des Hauses zu sein , könne oder wolle sie sich entschieden nicht gewöhnen . Die Schreiberin versicherte dabei , daß sowohl sie als ihre Mutter alles Mögliche thäten , das gute , alte Verhältniß zwischen ihnen und der Signorina aufrecht zu erhalten . Dies sei aber gar nicht leicht , und es gelinge eigentlich nur Cäcilien , die noch immer dasselbe harmlose Kind geblieben sei , Vittorien zu gefallen und zufrieden zu stellen . Dazu bemerkte Hildegard , es falle ihr auf , wie die gleichen Ereignisse auf die verschiedenen Charaktere verschieden wirkten . Was sie beträfe , so habe der Ernst der Zeiten sie gereift und ihren Sinn mehr und mehr dem äußeren Scheine abgewendet . Sie preise sich deßhalb glücklich , daß sie berufen sei , künftig an ihres geliebten Renatus Seite auf dem Lande in edler und ernster Zurückgezogenheit ihre Tage hinzubringen . Sie habe in diesem Betrachte durchaus den Sinn und die Anschauungsweise ihrer Mutter geerbt . Cäcilie hingegen trage ein Verlangen nach der Welt , in dem sie