Nächte . Es hatte gestürmt wie im April . Nun war es fast , als ginge noch einmal der Mai über die Erde und das kalte , steinerne Thor des Winters würde sich noch lange , lange nicht öffnen . Man führte nun doch noch die fast aufgegebenen Reisepläne aus , man flüchtete wieder auf ' s Land zurück , man begrüßte die Gärten , die sich durch all die Regenschauer nur erfrischt hatten und noch aus Florens Blumenhorne reiche , bunte Spenden boten . Sechs Wochen nach den auf den voranstehenden Blättern geschilderten Ereignissen , an einem Morgen dieser holden Septembertage , schritt eine schlanke , männliche Gestalt , blaß und hinfällig , am Arme eines andern jungen Mannes , durch die Gänge eines kleinen Parkes , durch dessen hie und da schon gelbes Laubwerk die Sonne mit der ganzen Wärme jenes Strahles brannte , an dem in gesegneteren Gegenden , als die , wo wir uns befinden , die Traube auf den Bergen ihre letzte Glut und Reife empfängt . Kein Lüftchen regte sich . Käfer , die im feuchten August erstarrt schienen , erhoben sich zu neuem Leben . Selbst noch ein dunkelfarbiger Schmetterling hüpfte von einer der vollen Blumenglocken der schlanken Malve zur andern ; denn in einer Seitenbiegung kam man aus dem kleinen Parke in einen Blumengarten . Hier und da stand ein Obstbaum und verbreitete den vollen würzigen Duft der reifenden Äpfel , den milderen , weicheren von Birnen , ja an der Einfassungsmauer der ganzen Anlage blickte aus dem dunkeln großblätterigen Grün eines Rebenspaliers sogar manche Traube , die für eine Pflege und Wartung lohnen und danken wollte , die das Spalier in diesem Jahre nur spärlich empfangen zu haben schien . Der am Arme des Andern langsam schleichende junge Mann deutete erschöpft auf eine verwitterte steinerne Bank , die an der Grenzscheide des Parkes und des Gartens stand . Hier mochte lange kein ruhiger Freund der Natur , kein so dankbarer Anbeter der Herrlichkeit Gottes in stillergebener Betrachtung verweilt haben . Die Bank von einer Steinlehne bequem begrenzt , mit einem in diese Lehne gehauenen Wappen im Rücken geziert , war verwittert , vom Regen zerbröckelt , Moos überschimmelte sie wie eine flache Felswand . In der den Rücken zierenden Krone und ihren durchbrochenen Henkeln , wenn man wie Richard II. bei Shakespeare die Krone einem Eimer vergleichen wollte , stand noch Wasser , das die Luft oder der Stein so rasch aufzusaugen nicht die Kraft gehabt hatte . Der Gefährte des blassen Spaziergängers war auf diese Unbequemlichkeit gerüstet . Er trug ein großes Polster , das er nicht der Länge nach , sondern so in die Quere auf die Steinbank legte , daß der Ermüdete sich auch zugleich durch eine weiche Rücklehne erfreut fand , als er erschöpft vom Arme des Gefährten abließ und auf das Polster niedersank . Ah , Das thut wohl ! sagte der Leidende . Das ist kein Gefühl des Schmerzes mehr in den schweren Gliedern ; Das ist die Lust und Wonne der Genesung ! Und zu seinem Gefährten sich wendend , setzte er in französischer Sprache hinzu : Aber Louis - der Stein ist kalt für dich und hart ... Wir hätten das Kissen in die Länge legen sollen . Damit wollte er aufstehen , stemmte sich schon an die Seitenlehne und hob sich mühsam in die Höhe . Nein , nein , sagte der Andere in derselben fremden Sprache und hielt ihn nieder , während er sich neben ihn setzte ; diese Steinbank ist für Gesunde , wie ich es bin . Ja und die kleine Erhöhung über uns , die Wappenkrone , ist ein Symbol , daß nun bald die Rücksichten der Gesellschaft an die Stelle der Freiheiten des Krankenzimmers treten werden . Laß es nur so ! Der Genesene ließ die großen , noch schweren Augen liebevoll auf seinem Gefährten ruhen , legte ihm die noch heißen Hände , in denen ein leises Zittern bebte , in die seinen und sagte , die blassen Lippen des schöngeformten Mundes mäßig öffnend : O nie ! Nie , mein Freund ! Sieh nur , betonte lebhafter der Andere , wie uns diese Krone auf der Rückwand trennt ! Es ist noch Regen in ihr , erwiderte der Leidende mit scherzender , aber mehr wehmüthig gemilderter Miene , sie schwimmt fort ! Laß sie dahintanzen auf den Wellen des Lebens ! Sinkt sie unter , ich lohnte dem Taucher nicht , der sie mir wiederbringt . Sprich nicht zuviel , Egon ! bemerkte sorgend der Gefährte . Genieße die linde Luft ! Ziehe sie in deine Brust mit tiefem Athem ein ! Sie wird dich stärken . Egon gehorchte . Er war in jener gehorsamen Schwäche , die dem Genesenden so rührend steht ... Der Kranke widerstrebt . Lange währt es , bis er sich den Anordnungen Derer fügt , die aus Liebe zu ihm streng sind . Endlich schwindet in seiner gebrochenen Kraft das Bewußtsein , die Macht des Widerstrebens läßt nach , er muß sich gefallen lassen , was besorgt mit ihm geschieht ; denn er weiß nicht mehr , was die Welt um ihn her bedeutet , seine Sinne schwinden . Endlich aber bricht der Lichtstrahl des Bewußtseins wieder durch die Nacht des schon drohenden Todes , das Leben faßt mit starkem Arme den Wiedergewonnenen und drückt ihn an ' s Herz und der Genesende wird ein Kind , ein neugeborenes , schwaches , hülfloses Kind , gehorsam und ergeben , sanft und duldsam , wie umgewandelt , wie neuerschaffen , jedes Gebot vollziehend , jeder Weisung gehorchend und gerührt ... über sich selbst ! Egon sah auf die Blumenbeete hinüber . Die Zeit der Rosen und Nelken war hin . Die Düfte hatten nicht mehr die süße Würze des Juli . Aber es waren noch Farben , die seinem Auge wohlthaten und durch allzu lebhaftes Colorit es nicht reizten . Er sog sich förmlich hinein in dies sichere , feste Leben