53 Schöning war nicht mit bei Fehrbellin . Er befand sich unter den Fußtruppen , die , unter dem Oberbefehl General Görtzkes , den Reiterregimentern nachrückten . 54 Als Ofen endlich gefallen war , weckte die Nachricht davon in ganz Europa ein Gefühl freudigen Dankes . Aus Rom wurde berichtet : » der Papst habe mit lauter Stimme und unter den Dankestränen der Kardinäle das Gebet verrichtet . « Überall wurden Feste gefeiert , in Genua , Madrid , Brüssel usw. drei Tage lang , und der Kurfürst schrieb , » daß er die vergnügte , für die gesamte Christenheit so importante Nachricht während des Gottesdienstes in Potsdam empfangen und dem Allerhöchsten für die Besiegung eines so blutdürstigen Feindes öffentlich gedankt habe . « Man empfand die Abwendung einer Gefahr , die das Christentum überhaupt bedroht hatte . 55 Der Herzog von Vecha wurde in vollem Ornat , angetan mit dem Orden des goldenen Vließes , vor dem Zelte des Obergenerals , des Herzogs Karl von Lothringen , zur Schau gestellt . Windlichter umstanden den Sarg und alles drängte sich herbei , den Gefallenen zu sehen . – Karl von Derfflinger war derselbe , bei dessen Todesnachricht der alte Feldmarschall die bekannten Worte : » Warum hat sich der Narr nicht besser in acht genommen ! « gesprochen haben soll . Wilhelm von Oranien sagte nach der Schlacht an der Boyne , als ihm der Tod des Bischofs von Derry gemeldet wurde : » Ganz recht , warum war er auch , wo er nicht hin gehörte ! « Es ist sehr wahrscheinlich , daß diese Wendung , etwas verändert und um vieles weniger passend , auf Derfflinger übertragen worden ist . 56 Wie Fatime in Polen und Sachsen , so spielte eine andere Türkin Emmetah Uellah , fünfzig Jahre später in Preußen eine Rolle . Im Jahre 1766 kam der bekannte Lord Marshall , der letzte » Freund « des Königs , nach Potsdam und lebte in dem nach ihm genannten Hause in Sanssouci . Ihn begleitete seine Pflegetochter Emmetah Uellah , die Tochter eines Janitscharenhauptmanns , welche sein Bruder , der Feldmarschall Keith , im Jahre 1737 bei der Erstürmung der Festung Oczakow vor sicherem Tode gerettet hatte . Emmetah Uellah ( » die Barmherzigkeit Gottes « ) war eine auffallende Schönheit und im hohen Grade liebenswürdig . Schon 1747 , als sie mit dem damals noch kaiserlich-russischen Feldmarschall zum ersten Male nach Berlin kam , hatte sie allgemeines Aufsehen erregt und auf den Gesandtschaftsreisen ihres Pflegevaters sich so vorteilhaft ausgebildet , daß sie mit ungezwungenstem Anstand die Honneurs des Hauses machen konnte . D ' Alembert erzählt von ihr , Lord Marshall , obgleich schon im Greisenalter , habe eine leidenschaftliche Neigung für sie gefaßt , sei aber nicht erhört worden . Emmetah erwiderte auf den Antrag des Lords : » Ich bin deine Sklavin , und du kannst mit mir schalten , wie du willst ; aber du würdest mich sehr unglücklich machen , wenn du von deinem Rechte Gebrauch machen wolltest . Ich liebe dich wie eine zärtliche Tochter ihren Vater nur lieben kann , mehr aber verlange nicht von mir ! « Lord Marshall dachte viel zu edel , um der Unterwürfigkeit seiner Sklavin zu verdanken , was die Liebe des Mädchens ihm versagte , und selbst die giftigste Zunge unter den Tischgenossen Friedrichs hat es nicht gewagt , das Verhältnis zwischen beiden zu verdächtigen . Der König , welcher nicht liebte , Frauenzimmern in Sanssouci zu begegnen , sah sie nur bei seinen Besuchen in Lord Marshalls Hause , wo sie in den ersten Jahren die liebenswürdigste Wirtin zu machen wußte . Emmetah war wohl vorzüglich die Veranlassung , daß Lord Marshall sich von jungen Offizieren der Potsdamer Garnison gesucht und umgeben sah , die er dann für die spanische und englische Literatur , namentlich für den damals in Deutschland noch wenig bekannten Shakespeare zu interessieren suchte . 57 Ähnliche Eifersüchteleien und ein entsprechender Grad von Verbitterung herrschten damals überhaupt in der brandenburgischen Armee , und Schöning , was neben manchem andern ihn entschuldigen mag , war all die Zeit über gereizt worden . Vielfach wurden ihm die Honneurs versagt , besonders seitdem Feldmarschall Schomberg bei der Armee war . Graf Dohna z.B. , der – ein Anhänger Schombergs und ein Gegner Schönings – als Oberstleutnant bei den Grands Mousquetaires stand , rief den Offizieren zu , als Schöning ihre Reihen passierte : » Meine Herren , daß Sie nicht grüßen ! Ich verbiete es Ihnen . « 58 Zum Teil freilich waren die schiefen Stellungen , in die er beständig geriet , unverschuldet . General von Promnitz wollte sich mit ihm schießen , weil Schönin statt seiner das Kommando zur Verfolgung Horns erhalten hatte , und General Beauvais d ' Espagne nahm 1687 den Abschied , weil er es nicht ertragen konnte , daß man dem General Schöning , der nach dem ungarischen Feldzug ein Liebling des Großen Kurfürsten geworden war , den Vorzug einräumte . 59 Dies Denkmal , das vom Warthebruch und zugleich auch von dem hohen Eisenbahndamm aus gesehen werden kann , der dicht bei Tamsel das Bruch durchschneidet , gereicht dem Parke jederzeit zu einer besonderen Zierde ; seinen schönsten Moment aber hatte dasselbe wohl , als in der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober 1861 König Wilhelm I. , von seiner Krönung in Königsberg zurückkehrend , im Eilzuge an Tamsel und seinem Park vorüberfuhr . Signale , vom Eisenbahndamm aus , wurden gegeben und in demselben Augenblicke , in dem der Zug an der Parklichtung vorüberglitt , strahlte das Viktoriabild des Obelisken in rotem Feuer . Dahinter stieg das Schloß in scharf gezeichnetem Umriß auf . Aber einen Moment nur . Dann sank alles wieder in Nacht . 60 Da über verschiedene Daten aus dem Leben dieser Frau , namentlich über das Jahr ihrer Geburt und ihrer Verheiratung abweichende Angaben vorkommen , so lasse ich hier nachstehendes folgen . Luise Eleonore von Schöning wurde , dem