hierauf schon im Begriff , über den Verkauf des Geschäftes zu sprechen , doch dachte er : » Es ist besser , ich schweige darüber . « Er schüttelte deßhalb die dargebotene Hand , affektirte einige Rührung und begleitete den Maler bis an die Hausthüre , worauf dieser sich entfernte . Der Buchhändler trat in sein Comptoir zurück und ging mit großen Schritten auf und ab , wobei er das Lineal auf dem Rücken hielt und sich zuweilen damit auf die Schulterblätter klopfte . - » Auch der hat bittere Erfahrungen , « sagte er nach einiger Zeit in einem höhnischen Tone , » und ist doch hübsch und jung . Ja , trau ' Einer dem verfluchten Weibergeschlecht ! Wenn mich nur die dumme Grille dieses Herrn Erichsen nicht ein paar hundert Gulden gekostet hätte , die ich an das Bettelpack weggeworfen . Aber ich will mich noch dafür revanchiren ! Ein recht artiger Brief an den Herrn Staiger soll mein letztes Geschäft als Chef der Handlung Johann Christian Blaffer und Compagnie sein . « Damit trat er an den Pult und schrieb mit sichtlichem Wohlbehagen : » P.P. Die schlechten Zeiten , unter denen gegenwärtig der Buchhandel seufzt , veranlassen uns , Sie zu ersuchen , Ihre Arbeiten für unsere Handlung einstellen zu wollen . Onkel Tom ist beendigt , und wir sind außer Stande , das neue Unternehmen , für welches ja ohnedies noch kein Kontrakt zwischen uns abgeschlossen ist , in ' s Leben treten zu lassen . Genehmigen Sie indessen die Versicherung der ausgezeichneten Hochachtung , mit der wir sind Johann Christian Blaffer und Comp . « Wohlgefällig betrachtete der Buchhändler den säubern Schnörkel unter seinem Namen , setzte vorsichtig das Datum von gestern bei und siegelte den Brief . Dann rieb er sich die Hände , als habe er ein gutes Werk gethan , verschloß das Comptoir und ging in sein Schlafzimmer hinauf . Als es einige Stunden darauf dunkel wurde , saß August an dem Fenster seiner Kammer , den Blick auf die Straße gerichtet , wo man nach und nach alle Gaslampen angezündet hatte ; auch die bewußte vor dem Hause brannte hell und lustig , und so sehr der Lehrling auch umher spähte , nirgendwo ließ sich Jemand sehen , der Lust zu haben schien , diese einzige Flamme wieder auszulöschen und so den sehnlichst erwarteten Besuch des Herrn Beil anzuzeigen . Endlich wurde August zum Nachtessen gerufen , und das ging trübselig vorüber , wie die meisten in der letzten Zeit . Herr Blaffer sprach nichts und warf nur zuweilen finstere Blicke über den Tisch hinüber nach Marie , welche in tiefe Gedanken versunken zu sein schien , und wohl aus diesem Grunde häufig etwas Unpassendes sagte oder da lachte , wo es gerade nicht nothwendig war - ein Benehmen , welches die gute Laune des Buchhändlers durchaus nicht erhöhte , ja ihm einige beißende Bemerkungen ablockte , welche von dem jungen Mädchen nicht gerade auf die ehrerbietigste Art beantwortet wurden . Dann wurde der Prinzipal heftig , grob und kränkend , was zur Folge hatte , daß sie ihm einen verächtlichen Blick zuwarf , den Teller hastig zurückstieß , sich vom Tische erhob und auf ihr Zimmer ging . Glücklicherweise ließ sich August durch diese Scene gar nicht anfechten , sondern speiste mit großer Gemüthsruhe , wornach auch er seine Dachkammer aufsuchte . Trotzdem es ihm aber in der letzten Zeit besser in dem Hause gegangen , so erschien ihm doch Manches dafür so unheimlich und widerwärtig , daß er sich nach der früheren Zeit zurücksehnte , und namentlich nach Herrn Beil , mit dem er so manche Stunde angenehm verplaudert , und der es so vortrefflich verstanden , seine guten Lehren humoristisch in artige Gleichnisse einzukleiden , und der selbst Püffe und Katzenköpfe auf ungezwungene und fast angenehme Art zu geben wußte , so daß man ihm gar nicht einmal darüber böse sein konnte . Ach ! sogar dieser Püffe erinnerte sich August sehnsüchtig , und er hätte gern dergleichen wieder ausgehalten , dann wäre ja der gute Herr Beil wieder bei ihm gewesen . - Aber er hatte seinen Besuch noch nicht angezeigt , denn drunten die Gasflamme brannte hell wie immer , bestrahlte den eisernen Kandelaber und warf einen weiten Lichtkreis vor sich auf den Boden . - Doch halt ! was war das ? Plötzlich war das Licht verlöscht , und August hatte doch Niemand gesehen , der sich demselben genähert . Wie schlug ihm sein Herz ! Er eilte an die Kammerthüre und horchte in ' s Haus hinab . Drunten war Alles stille ; der Buchhändler hatte sich zur Ruhe begeben , und als August aufmerksamer lauschte , hörte er ihn aus seinem Schlafzimmer leise husten . Er wartete noch eine lange , lange halbe Stunde , dann ließ er sich an dem Treppengeländer hinab gleiten . Er hatte dieses Manöver oft ausgeführt , wenn er sich verschlafen hatte und von dem Prinzipal nicht gehört sein wollte . Unten angekommen , schlich er leise zur Hausthüre , drehte den Schlüssel zweimal , schob die schweren Riegel zurück und kehrte nun , gehorsam dem erhaltenen Befehl , mit verhaltenem Athem in seine Dachkammer zurück . Jede Minute , die er hier oben zubringen mußte , däuchte ihm eine Ewigkeit . Er hielt das Ohr an die Thüre und lauschte angestrengt in ' s Haus hinunter . - Alles ruhig und still , sogar Herr Blaffer hüstelte nicht mehr ; wahrscheinlich war derselbe eingeschlafen . Doch jetzt vernahm August ein Geräusch - aber nein , es kam nicht unten vom Hause herauf , es kam vom Dache her . Was konnte das sein ? Ja , in der Nebenkammer , wo ehedem die Schwester geschlafen , vernahm er es jetzt . Dort schlich etwas auf dem Boden , dort tappte es an der Wand fort und suchte die Thüre zu finden . Das konnte doch nicht Herr Beil sein , der sollte ja , was