jener Nacht auch die Hülfe der deutschen Wissenschaft . Ein gelehrter Militär in seiner Suite , welcher einst in Jena studirt , wies den Ingenieuren die Stege , die er im tollen Uebermuth der Jugend erklettert . Was man in einer Wette thut um Kannen Bier , soll man ' s nicht , wo der Einsatz die Weltherrschaft ist ! Schaufeln und Aexte halfen nach ; Gerüll , in die Tiefen geschleudert , Baumstämme wurden zu Brücken und das Saalufer von Jena war kein schneebedeckter Simplon . Wo die Pferde nicht konnten , zogen Menschenarme das Geschütz . Napoleon schmähte in dieser Nacht nicht auf die Ideologie der deutschen Studenten . Lange , ehe der erste Hahn krähte , war es vollbracht . Die Massen der kaiserlichen Garden und Linientruppen standen , ein dicht gedrängt Quarré , auf dem Bergufer , und auf dem Landgrafenberg , dem höchsten Punkte , von dem das Auge eine weite Aussicht hat auf die Hochebene , die sich nach Weimar erstreckt , erschien der Feldherr in der Mitte der Seinen . Fackeln beleuchteten den Mantelrock , das schöne , prüfende Auge des Siegers , während er längs der Reihen ritt , und den Jubel , der ihn begrüßte und verdoppelt bei jeder neuen Reihe in die Luft schallte , mit dem Lüften seines Hutes erwiderte . Seine Lippen blieben verschlossen , die Augen sprachen um so beredter : es ist morgen ein größerer Tag denn je ! Der Jubel verhallte , er war in das Gebüsch geritten , um - zu ruhen , bis der Tag der Entscheidung anbrach . Auch seinen Kriegern war es jetzt vergönnt . Sie sanken hin , wo sie in Reih und Glied gestanden , die neben dem Pferde , die unter der Kanone ; die kalte Nacht ihr Mantel . Hier brannten wenige Feuer , auch diese halb versteckt hinter Gebüsch und Erderhöhungen . Die Augen schlossen sich , ein allgemeines Schnarchen , ein Bild des Friedens wenige Stunden vor einem Gemälde des Todes , und welchem ! Nicht Alle schliefen . Die dunklen Gestalten dort vorn , in ihre grauen Kapotmäntel gehüllt , das Gewehr in den Arm gedrückt , gegen einen Baum gelehnt , an einen Steinhaufen gekauert , hatten scharf das Aug geöffnet . Es verfolgte jeden Rauchwirbel , der über den Wachtfeuern des Feindes sich kräuselte , jeden Windzug , der in der Zeltleinwand spielte . Seit die Rotten und Glieder sich auf die Erde gestreckt konnte man das Schauspiel frei übersehen . So weit das Auge in die Nacht reichte , Wachtfeuer und Zeltreihen . Durch sechs Stunden dehnte sich das Schlachtfeld der Preußen aus , hell , licht , Alles in bequemer , hergebrachter Ordnung . Und hier auf engem Raum , um einen bewaldeten Berg zusammengedrängt , im Dunkel seiner Schatten und Nacht , und am Rande eines Abgrunds hinter ihm , der Feind . Die Wachtposten standen kaum auf Schußweite von einander entfernt ; aber es fiel kein Schuß , kein Allarmzeichen , kein versprengtes Pferd störte die Ruhe . Schien es doch ein stillschweigend Abkommen , sie bedurften Beide der Ruhe , um morgen sich zu morden . Nicht Alle schliefen , auch von Denen nicht , welchen es vergönnt war . Unter einer Eiche lag ein zum Tode Verurtheilter . Der Offizier , der ihm zur Bewachung zubeordert , hatte ihm doch höflich das Bund Heu , das für sein Pferd bestimmt , zum Kopfkissen gegeben , daß er , so bequem es ging , eines letzten Schlafes vor seinem letzten Tage sich erfreue . Aber Louis Bovillard konnte nicht schlafen , oder er hatte schon genug geschlafen ; er richtete sich auf und stützte den Kopf auf seinen gesunden rechten Arm . Der linke war verwundet , ein Verband war darum geschlungen . Vorgestern war er , als er , aus dem Saalethal aufgescheucht , über die Schwarzach setzen wollte , von französischen Jägern angerufen worden . Als er die Antwort schuldig blieb , hatten sie gefeuert . Am Arm verwundet , war er vom Pferde abgeschleudert und gefangen worden . Man hatte ihn nach Kahla gebracht und vor ein Kriegsgericht gestellt . Da er nichts sagen konnte oder wollte , als daß er in Aufträgen seiner Regierung nach Franken geschickt gewesen , und , beim Rückwege unter die Schaaren der Franzosen gerathen , den Versuch gemacht , durch den Thüringer Wald sich nach dem Hauptquartier seines Königs durchzuschlagen , hatte das Gericht ihn für einen Spion erklärt und zum Strang verurtheilt . Irgend ein Zufall , der schnelle Abmarsch , hatte die Exekution verhindert ; man hatte ihn mitgeschleppt bis Jena . Auch hier war dazu keine Zeit , man hatte ihn auch auf den Berg mitgeschleppt . - Betrachtete er jetzt über sich den dürren Ast der Eiche , von dem er morgen herab schweben sollte , eine kalte Leiche ? Oder suchte sein Auge durch den nebelgrau belegten Himmel nach einem Stern , an den er seine Hoffnung knüpfen wollte ? Es war keine Hoffnung , die noch mit diesem Leben liebäugelt : das sprach sein umflorter Blick . Man hatte ihn immer menschlich , zuletzt mit chevaleresker Höflichkeit behandelt . Sein Wächter hatte ihm vorhin eine Cigarre angeboten , mit dem seltsamen Trost , wie in Spanien , woher er sie gebracht , die Sitte fordere , daß der Henker mit seinem Opfer eine Art Friedenspfeife raucht . » Der Tod ist ja der Frieden ! « hatte der Gefangene erwidert . Eine Schaar Krähen , von der momentanen Stille getäuscht , hatte sich auf den Aesten des Baumes niedergelassen ; auch sie schienen wie der kluge Feldherr das große Feld zu überschauen , wo morgen Abend eine Tafel , und eine wie große , für sie gedeckt sein sollte . Der Offizier , der , mit verschränkten Armen auf einem Sattel sitzend , die Augen auf einen Moment geschlossen , schien durch das Gekreisch der Thiere erweckt , und sah mit Verwunderung