Geräusch , wie von einer leicht von einem Felsen herunter springenden Gazelle . Er erstarrt ... Es ist Melanie ! Freundlich und holdselig , wie in Hohenberg , ruft sie ihm von den letzten Stufen , von denen sie sich herabbeugte , zu : Sie böser , undankbarer Mann ! Das Bild , das ich Ihnen mit so vieler Mühe erobert habe , ließen Sie sich wieder rauben . Ist Das wahr ? Melanie ! sagte Dankmar stammelnd und sprachlos . Hier , fuhr sie fort , hier , was ich Ihnen jetzt bringe , halten Sie Das fester . Gehört es nicht Ihnen ? Dankmar nahm , was sie ihm darreichte ... Es waren , auf flüchtigen Blick sah er ' s , diejenigen Papiere , auf die in seiner Angelegenheit Alles , Alles ankam , die einzigen wichtigen , die entscheidenden Papiere ! Sein Schreck über die Möglichkeit , ohne sie gegangen zu sein , die Überraschung , Melanie nun wiederum als eine treue , aufopfernde , hingebende Freundin zu erkennen , wirkten so mächtig auf ihn , daß er sich nicht sammeln konnte und in ihrem Anblick verloren dastand ... Nun , sagte Melanie harmlos , es sind doch die Ihrigen , Wildungen ? Wohl ! Wohl ! Wie soll ich Ihnen danken ! stammelte Dankmar und griff nach ihren Händen , um sie beide zugleich zu küssen . O ! sagte sie , sich leise entziehend ; lassen Sie ' s , sehen Sie diese Hände ! Voller Staub ! Voller Moder ! Es ist meine Schuld nicht , daß Sie mir immer solche tolle Aufträge mit alten Bildern und Papieren geben . Sie ! Lassen Sie ! O Melanie , wie tief beschämen Sie mich ! rief Dankmar und gab die Hände nicht her , er küßte sie und drückte sie an sein Herz wie ein Verzückter . Was wollen Sie denn ? fragte sie mit Lippen , die ihr furchtbares Beben durch scherzhafte Laune vergebens zu beherrschen suchten . Grüßen Sie Ihren blonden Bruder ! Lassen Sie sich nichts von ihm vorreden , was ich ihm für Sie aufgetragen hätte ! Er ist nur eifersüchtig auf mich , weil ich den alten Professor Berg mit den schönen , weißen Locken mehr liebe als ihn und Alle - Euch Alle ! Melanie ! rief Dankmar , mußte Das so kommen ? Nach jener Nacht in Hohenberg ? Die wenigen Tage sind wie Monden . Er konnte sich nicht trennen . Hüten Sie die Papiere besser wie das Bild ! sagte Melanie . Was wird nun mit dem Portrait , das der schönen d ' Azimont ähnlich sieht ? Ja , die ist schön . Kennen Sie sie ? Die sollten Sie sehen ! Die würde Sie bezaubern ... Ein , ein Bild nur , das Ihrige , Melanie , lebt in meinem Herzen ! rief Dankmar und sah tief in die zitternden , braunen Augen des Mädchens . Die Mutter sagte mir , Sie hätten dem Vater böse Dinge gesagt , fuhr sie fort . Versprechen Sie mir , ihm einige Zeilen zu schreiben und ihn um Verzeihung zu bitten ? Wollen Sie Das ? ... Sie zögern ? ... Selbst Das nicht ? Wildungen ? Melanie , ich will zu ihm zurück , ich will ihm zu Füßen fallen , ihm danken ... Das nicht ! Das nicht ! Jetzt nicht ! Sie schreiben ihm und bitten um Verzeihung ? Thun Sie ' s meinem Kindesherzen zu Liebe ! Ja ? Weiter nichts ! Nur Achtung , Schonung , nur ein Wort der Bitte um Verzeihung ! Ich thue es ... Melanie ! rief Dankmar willenlos . Sie gehen ? Sie bleiben nicht ? Melanie ? Sie steigen die Stufen hinauf ... Sie fliehen ... Immer eine Staffel weniger zu meinem Glücke und meine Seele folgt Ihnen ? Melanie ? ... Dankmar stand noch eine Weile , sich besinnend auf Das , was er erlebt hatte . Melanie war verschwunden . Tief erschüttert steckte er nun die wahren Beglaubigungen der Ansprüche seiner Familie zu sich und gab Peters , der am Thorwege wartete , ein stummes Zeichen , voranzugehen . Er folgte schwankend . Er stand still ... Er wagte aber nicht , noch einmal aufzusehen zu den Fenstern , wo diese Zauberin wohnte , die ihn so mächtig überrascht , so plötzlich auf ' s neue in den Bann ihrer Liebenswürdigkeit und Schönheit eingeschlossen hatte . Er bedurfte des ganzen Hinblickes auf die große Aufgabe , die er sich gestellt hatte , auf die neue und eigenthümliche Anwendung , die er im Interesse seines Vaterlandes und des ringenden Geistes der Freiheit und der Menschheitserlösung von dem gehofften glücklichen Erfolge seiner geltend gemachten Ansprüche auf ein großes Besitzthum versuchen wollte , um sich von diesen rasch aufeinander folgenden Schlägen des Schreckens und der Freude zu einem klaren Bewußtsein und der ihm eignen ruhigen Selbstbeherrschung wieder zu sammeln . Schlurck aber , der sich mühsam die Wendeltreppe zu den Seinigen hinaufgeschlichen hatte und von der zornfunkelnden Mutter , von dem die Hände entrüstet zusammenschlagenden Bartusch , dann von Melanie selbst hören mußte , daß sein Kind soeben dem » abscheulichen « jungen Manne die Papiere übergeben hatte , deren ihm höchstwahrscheinliche Entscheidung ihm auch den zweiten Anhalt seiner heitern , bisher so sorglos gewesenen Existenz rauben mußte .. Schlurck zürnte nicht ... nein , er umarmte sein Kind , drückte es wie seinen Rettungsengel an ' s Herz , war sprachlos , zitterte vor Freude und konnte sich vor Wehmuth nicht mehr fassen ... Die Mutter wollte verzweifeln , Bartusch wollte zanken ... Melanie aber sagte : Seid doch ruhig ! Es ist noch nichts verloren ... Seht , der Vater weint ! Ende des vierten Buches . Fünftes Buch Erstes Capitel Genesung Einem regnerischen , unfreundlichen Spätsommer folgte ein milder , klarer , sonniger Herbst . Die Septembertage ersetzten , was man vom August gehofft hatte , gemäßigte Witterung , linde Tage , erquickende