erst nach einer Weile , während welcher der Abbé sie sich selber überlassen hatte , fragte sie , als komme sie auf diesen Punkt nur zufällig zurück oder als benutze sie die Frage nur , um den eigentlichen Boden der Unterhaltung zu vermeiden : Sie haben also die Mutter des Prinzen auch gekannt ? Welche Frage , Gräfin ! entgegnete der Geistliche , indem er sie mit forschendem Blicke ansah . Eleonore besann sich . Freilich , freilich , rief sie , der Prinz ist älter , sehr viel älter , als Sie , und die Fürstin von Chimay ist noch jung gestorben ! Der frühe Tod der Frau Fürstin , meinte der Abbé bedeutsam , hinderte mich nicht , die Mutter des Prinzen Polydor zu kennen , und Sie selber , Gräfin .... Er hielt inne ; Eleonore sah ihn forschend an . - Ich verstehe Sie nicht , Herr Abbé , sagte sie , aber ich bemerke , daß Sie mir eine Mittheilung zu machen denken , auf die Sie mich langsam vorzubereiten suchen , oder daß Sie Sich überzeugen möchten , ob ich von irgend welchen Verhältnissen unterrichtet bin , die Sie , vielleicht als ein Geheimniß , kennen gelernt haben . In beiden Fällen muß ich Sie bitten , Sich bestimmter auszusprechen , denn ich wiederhole es Ihnen , ich verstehe Sie nicht . Der Abbé lächelte . Sie wollen mich glauben machen , Gräfin , sprach er , daß Ihnen , Ihnen allein die Beziehungen verborgen geblieben sein sollten , in welchen Prinz Polydor zu diesem Hause und dadurch auch zu Ihnen steht ; und doch konnte nur Ihre Kenntniß dieser Umstände mir es bisher erklären , was Sie bewog , der Bewerbung des Prinzen , wenn Sie überhaupt gewillt sind , Sich zu vermählen , kein Gehör zu schenken . Eleonore hatte die Farbe gewechselt ; sie preßte die Lippen fest zusammen , wollte eine Frage thun , unterdrückte sie aber und sagte dann : Ich befinde mich in diesem Augenblicke Ihnen gegenüber in einer Lage , die mich demüthigt und beschämt . Ich habe es Ihnen nie verborgen , Herr Abbé , daß Ihr Amt , daß die Tracht des Ordens , die Sie tragen , mir ein Vorurtheil , ein Mißtrauen gegen Sie gegeben haben , wie mir dieselben seit meiner frühesten Jugend eingeflößt worden sind . Jetzt beweisen Sie mir einen Antheil , den ich mir erklären könnte , hätte ich Ihnen nicht meine entschiedene Abneigung gegen Ihre Kirche ausgesprochen ; und ohne daß diese Abneigung oder jenes Mißtrauen im geringsten nur verändert wären , bin ich genöthigt , Sie mit einer Bitte anzugehen und von Ihnen Aufschlüsse zu begehren . Wollen Sie mir , damit ich dieses thun kann , eine Frage aufrichtig beantworten ? Der Abbé erwiederte , daß sie zu befehlen habe und daß sie auf seine Wahrhaftigkeit vertrauen könne . Nun denn , sprach sie , so sagen Sie mir unumwunden : was veranlaßt Sie , Sich um mein Schicksal zu bekümmern , da und nachdem ich Ihnen ausgesprochen habe , daß Sie nicht darauf rechnen dürfen , mich zu Ihrer Kirche zu bekehren ? Was liegt Ihnen daran , was aus mir wird oder wem ich mich verbinde , sofern ich nicht katholisch werde und mich Ihren Ansichten und Hoffnungen nicht füge ? Was bin ich Ihnen , Herr Abbé ? Der Abbé richtete seine dunkeln Augen , deren schönen Glanz die langen Wimpern nur erhöhten , ruhig auf die ihrigen und sagte : Ihre Frage erheischt von mir eine Antwort , die ich Ihnen nicht geben dürfte , wenn ich meiner nicht so völlig sicher wäre . Was Sie mir sind ? - Er schwieg und betrachtete sie unverwandt ; dann sagte er : Fragen Sie jeden Mann , der sich Ihnen naht , was Sie ihm sind ? - Und abermals hielt er inne . Sie wollten mich herausfordern , Gräfin , sprach er dann , indem er sich hoch und stolzer hob , und sein mitleidiges Lächeln glitt strafend über sie hinweg , Sie wollten mich herausfordern , Gräfin ! Sie wollten Sich die Genugthuung bereiten , einen Geistlichen der von Ihnen mißachteten Kirche sich und seinem Eide untreu und zu Ihrem Sclaven werden zu sehen ; schade nur , daß ich Ihnen diese Genugthuung nicht zu bereiten vermag ! Eleonore zuckte zusammen , ihre Wangen erglühten in der dunkeln Röthe der Scham ; sie versuchte ihre Blicke , seinem Worte trotzend , zu dem Geistlichen zu erheben , aber sie vermochte es nicht . Er ließ sie eine geraume Zeit unter dem Drucke der ersten Demüthigung , die sie erfuhr . Als er sah , wie tief sein Vorwurf und diese Erfahrung sie getroffen hatten , nahm er ihre Hand und sagte wie in erbarmendem Vertrauen : Ich habe Ihnen die Wahrheit , eine volle Wahrheit verheißen , und ich habe keinen Grund , Ihnen irgend etwas von demjenigen vorzuenthalten , was Sie zu wissen begehren . Ich wiederhole es Ihnen also ohne jegliches Bedenken , Ihre vollkommene Schönheit , Ihre stolze Unabhängigkeit haben auch auf mich ihres Eindruckes nicht verfehlt . Der Eid , der uns von allem Begehrendürfen und Verlangen abtrennt , verbietet und verhindert das Sehen , das Erstaunen , das Bewundern nicht ; aber wer aus voller Ueberzeugung sich einem großen Gedanken , einem die Welt umfassenden und über das Leben hinausgehenden Zwecke hingegeben hat , der findet keinen Raum in sich für persönliches Wünschen , der erlernt es , auch das Schönste und Begehrenswertheste nur als ein Mittel für den einen großen Zweck zu betrachten , und alles , was ich meiner Phantasie verstattet , was ich meinem Herzen zugestanden habe , als ich Sie in Ihrer von Gott begnadigten Erscheinung mit Ihrem für das Große geschaffenen Sinne vor meinen Augen Sich entfalten sah , war der Wunsch , der heiße Wunsch , Sie diese großen Gaben nicht auf kleinliche und Ihrer selber unwürdige Weise verwenden und