weiter kommen . Es wird Vieles besser werden , als wir denken - und - wir werden uns wiedersehen und froher als heut - « Endlich musste doch die Glasthür geschlossen werden , von der Zugluft schmolzen schon die Talglichter . Die Geschwister wollten mit ; anfänglich die Mutter auch , sie fühlte sich zu schwach . Die Kinder aber konnten sich im Gedräng und der Finsterniß verlieren . So machte es sich denn wie von selbst , daß van Asten seine ehemalige Braut allein nach dem Wagen begleitete . Die Sterne funkelten hell am klaren Herbsthorizont , als sie aus dem Baumgang traten . An der Hinterpforte stand der Wagen . Sie reichte ihm die Hand . Mit ihrer Silberstimme sprach sie : » Walter , hinter uns ist es klar ; ich hoffe es wird auch vor uns immer klar bleiben . « Er schlug ein : » Es werden noch viele Nebel aufsteigen , bewahre Deinen hellen Blick und dann bleibt es zwischen uns klar . « - » In keinem Fältchen Deines Herzens ist ein Groll , « sprach sie » nicht wahr ? - Das giebt mir Muth . Aber - « Sie zauderte . » Sprich es aus ! « sagte er . » Es soll gar kein Fältchen zwischen uns bleiben . « - » Ich möchte Dich auch ganz zufrieden , ganz klar mit Dir selbst verlassen . Bin ich ' s noch , Walter , die wie eine Nachtwolke zwischen Dir und Deinem Vater schwebt , den Wünschen des Mannes , dessen Glück und Frieden Dir das Theuerste sein müsste ? « » Und wenn Du es wärest , was kannst Du dafür ? Kann der Nordpol dafür , daß der Magnet nach ihm zeigt ? Es wäre die Arbeit eines Narren , den Magnet zwingen zu wollen , daß er nach einer andern Himmelsgegend weist . Das sind ewige Nothwendigkeiten , vor denen sie sich beugen sollen und müssen , die nicht Muth haben , sie freiwillig anzuerkennen . Dieser überreichen Welt an Allem fehlt nur etwas - Charaktere . Ich bilde mir nicht ein , sie bessern zu wollen , dazu fühle ich mich zu schwach , aber ich bin stark genug , mich nicht von ihr bilden , fortreißen zu lassen . « » Lebe wohl , Walter ! « sprach sie mit erstickter Stimme . » Ich habe den Glauben : es ist kein Lebewohl für immer . Wir sehen uns wieder . « Sie drückte , sich auf den Zehen hebend , einen Kuß auf seine Stirn ; dann schwebte sie in den Wagen , er rollte fort . Dreiundachtzigstes Kapitel . Der Schüler des Schauspielers . Es war eine wunderbar bewegte Nacht vom 13. zum 14. Oktober . Die Sterne warfen kein Licht auf das tiefe Saalethal , und die Tausende von Lichtern , die auf Befehl an den Fenstern der Stadt Jena brannten , verbreiteten nur einen ungewissen Schimmer , der die Dunkelheit noch dunkler zeigte . Durch die Krümmungen der Schlucht , so weit das Auge getragen hätte , das Ohr reichte , wogte und wallte es ; es war kein Strom , der durch die Rippen der Erde bricht , keine Windsbraut , die die Wolken peitscht , keine Feuersbrunst , die über Dächerreihen prasselt , es war ein heimliches dumpfes Wirken und Schaffen , wie eine Sprache , die keine artikulirten Töne findet . Wie die Riesenschlange die Erde umfasst : in lautloser Wuth und Kraft drückt sie ihre Weichen , und da steigen gepresste Schmerzenstöne in die Luft , so durchbrach die Monotonie hier ein Schrei , dort ein Hallo , ein Zusammenstoß der Geschütze und Rüstwagen , ein Peitschenknallen , ein grässlicher Fluch . Dann aber tiefe Stille , man hörte nur den dumpfen , dröhnenden , ehernen Tritt der Tausende , die Erde stampfend , das Wiehern der Rosse , das wuchtige Rasseln der Kanonen . Die Heeressäulen der Franzosen wälzten sich durch das tiefe Saalethal ; wie die fabelhafte Heerschlange , die im Thüringer Walde sich zeigt , eine Kette , Mann und Roß , von den Höhen der Berge bis schon hinaus viele Meilen über Jena , da , wo die Unstrut in die Saale fällt . Die Thüringer , die das Weh aller großen Kriege , welche Deutschland zerfleichten , in ihren schönen Thälern , an ihren Berggeländen recht aufgesogen und eingesammelt , hatten solche Massen Krieger nie gesehen . Eine Völkerwanderung schien es . Wo die Schlange sich in dem Lichtschein ringelte , blitzte es auf von den Bajonetten und Flintenläufen , den funkelnden Säbeln , von umbauschten Helmen . Da auf dem Markte preschten die Chasseure , Raum machend für den Gewaltigen , und die Glieder standen und präsentirten . Es war eine kurze , aber ernste Heeresschau . Tausende und Tausende wälzten sich durch die Thore weiter , aber Tausende und Tausende verschwanden aus der lichthellen Stadt , man wusste nicht , wohin . Keiner legte sich zur Ruhe , der Kaiser wachte ! Für nicht wie viel Tausende sollte es die letzte Nacht sein , eine schlaflose Todesnacht . Steile Felsberge gipfeln sich über der Stadt ; die Knaben üben sich im Spiel zu klettern , der Jenaer Bursch wagt in kecker Laune den gefährlichen graden Aufweg ; wie wollen Mann und Roß und Kanonen zu uns herauf ? scheinen die kahlen Berge höhnisch zu fragen . Aber ein siegreiches Kriegsheer hat für jede Mauer eine Leiter . Es ward eine Nacht voll Bewegung und Leben ; Fackeln , brennende Kienscheite erhellten die Berge , die Axtschläge krachten durch das Thal . Es giebt keine noch so nackte und steile Höhe , die nicht durch Schlingungen und Wendungen zu gewinnen ist . Einige hat hier die Natur oder Vorzeit schon gebildet , der Berg am Mühlthal heißt die Schnecke , andere kann ein geübter Blick suchen , und wo die Natur vorgearbeitet , hilft die Kunst nach . Napoleon hatte in