mit den großen Mächten errungen , hatten dem Stande den ersten Rang nach dem regierenden Hause gegeben . ( Pertz , Leben Steins . ) Und Marwitz selbst schreibt über denselben Gegenstand : » In der Tat hat es niemals eine Institution gegeben , in welcher das Rittertum ähnlicher wieder aufgelebt wäre , als in dem Offizierstande Friedrichs des Zweiten . Dieselbe Entsagung jedes persönlichen Vorteils , jedes Gewinnstes , jeder Bequemlichkeit , – ja , jeder Begehrlichkeit , wenn ihm nur die Ehre blieb ; dagegen jede Aufopferung für diese , für seinen König , für sein Vaterland , für seine Kameraden , für die Ehre der preußischen Waffen . Im Herzen Pflichtgefühl und Treue , für den eigenen Leib keine Sorge . « 39 Marwitz , in seiner Bitterkeit , erklärt dies daraus , daß der Justizminister Kircheisen eine » Kreatur Hardenbergs « gewesen sei . Die eigentliche Erklärung – wie überhaupt die Erklärung alles dessen , was an Rechtsverunglimpfungen vorausgegangen war – liegt wohl darin , daß in der allgemeinen Anschauung des Volkes , an der eben jeder mehr oder weniger teilnahm , ein ständischer Staat seit lange nicht mehr existierte . Die Stände hatten neben der absoluten obersten Regierungsgewalt eine Art geduldetes Dasein geführt , die Könige waren so viel und die Stände so wenig gewesen , daß , als der Moment kam , wo die zweifellos in ihrem Recht gekränkten Stände wieder etwas sein wollten , niemand mehr einen rechten Glauben an die Rechtmäßigkeit ihres Rechtes hatte . 40 Es heißt über ihren Sohn im Schulprogramm ( 1804 ) des grauen Klosters : » Staël-Holstein aus Paris , empfahl sich kurze Zeit , daß er die erste Klasse des Gymnasiums besuchte , durch ein gesittetes Betragen und einen lobenswerten Fleiß . Der unerwartete Tod seines Großvaters , des ehemaligen Finanzministers Necker , veranlaßte seine Mutter zur eiligen Abreise in die Schweiz , der er folgte . « – Diesem Schulprogramm entnehme ich auch eine Notiz über die Dichtungen , die Michaelis 1804 und 1806 bei Gelegenheit der öffentlichen Prüfung von den Schülern der Oberklassen deklamiert wurden . Es waren : 1. Monolog des Brutus aus der Voltaireschen Tragödie » Cäsar « , 2. Elegie an Rosalie , von Tiedge . 3. Der Führer , ein Gedicht von Luise Brachmann . 4. Arion , von A. W. von Schlegel . 5. Kassandra , von Schiller . 6. Der Taucher , von Schiller . 7. Die Macht des Gesanges , von Schiller . 8. Hero und Leander , von Schiller . 9. Schillers Tod , eine Elegie . 41 Schon im Sommer 1808 ( also wahrscheinlich noch in Memel ) war ihm ein ähnlicher Antrag geworden . Er hatte ihn aber mit dem Bemerken abgelehnt , daß er zuvor mehr sehen und lernen wolle . Nur in Zeiten wie die damaligen , wo nichts so niedrig stand , als das Anciennitätsprinzip , waren solche Dinge möglich . 42 Anton Eberhard Konstantin von der Marwitz ward am 2. Dezember 1790 zu Berlin geboren . Er befand sich als Schüler , kaum sechzehn Jahre alt , in der école militaire , als die Franzosen ihren Einzug in Berlin hielten . Der Gouverneur der Anstalt schoß sich tot , der Vizegouverneur verlor den Kopf und überantwortete sich und seine Anstalt der Gnade der Sieger . Diese schwankten , wie sie sich den halberwachsenen Schülern dieses Militärinstituts gegenüber verhalten sollten , zogen aber schließlich das Sichere vor und machten sie zu Gefangenen . Unter diesen war auch Eberhard von der Marwitz . Er und ein befreundeter Mitschüler verabredeten Flucht und brachen zusammen auf . Vorher schon hatten sie sich ein Pferd zu verschaffen gewußt und passierten glücklich das Tor . Ohne alle Rast setzten sie ihren Weg fort , immer abwechselnd , der eine zu Fuß , der andere zu Pferde , so daß sie schon nach vierundzwanzig Stunden die zwanzig Meilen bis Lenzen an der Elbe und über die mecklenburgische Grenze zurückgelegt hatten . Nach kurzem Aufenthalt wanderten sie weiter ins Holsteinische . Erst hier waren sie in Sicherheit , aber das Pferd auch so ruiniert , daß sie es verschenken und beide zu Fuß gehen mußten . In Kiel fanden sie ein Fischerboot , vertrauten sich in demselben dem Meere an und trafen , sechs Tage nachdem sie Berlin verlassen hatten , auf der Insel Rügen ein , wo der ältere Bruder eben sein » Freikorps « errichtete . Bei der bald erfolgenden Auflösung dieses Korps ging Eberhard von der Marwitz nach Österreich und trat als Kornet in das Chevauxlegersregiment Klenau . Bei Regensburg ( am 20. April ) zeichnete er sich aus , bis der mörderische Tag von Aspern seiner so früh und so brav begonnenen Laufbahn ein Ziel setzte . Er erhielt an diesem denkwürdigen Tage gleich zu Beginn der Schlacht den Auftrag , mit einer Abteilung von zwanzig Reitern an das vom Feinde besetzte Dorf Aspern heranzujagen . Er gehorchte und machte die Attacke . Vierzig Schritte vor dem Dorfe traf ihn eine Kanonenkugel , tötete sein Pferd und verwundete ihn schwer am rechten Oberschenkel . Dieser Verwundung erlag er am 9. Oktober ; am 10. ward er beerdigt . Eine Kompanie des 30. französischen Infanterieregiments gab bei der Gruß drei Salven und der Stadtkommandant , sowie vierzig französische und mehrere verwundete österreichische Offiziere geleiteten ihn zu Grabe . Er ruht auf dem Kirchhofe zu Nikolsburg in Mähren , » hingeopfert dem unsinnigen Befehle eines schwachköpfigen Untergenerals « , wie sein ältester Bruder in unerbittlicher Kritik schreibt . Eben dieser hat ihm auch auf dem Friedersdorfer Kirchhof einen Denkstein errichtet . 43 Es ist dies derselbe Skrzynecki , der 1831 als polnischer Generalissimus berühmt geworden ist . 44 Die Köpenicker Kriegsgerichtsakten erzählen diesen Hergang anders . Danach schickte der Leutnant von Katte seinen an den Kronprinzen gerichteten Brief nicht direkt an diesen , sondern an seinen Vetter , ebenden im Text genannten , auf Werbung in Erlangen liegenden Rittmeister von Katte , mit der Bitte ,