Sie kennen die Frau Aebtissin der heiligen Schwestern zum Herzen Jesu . Glauben Sie , daß diese fürstliche Frau sich entschließen könnte , die Würde , die sie in unserer erhabenen Kirche einnimmt , die Macht , welche in ihre Hände gelegt ist , den Einfluß und die hohe Verehrung , deren sie genießt , mit irgend einem Verhältnisse , wie die weltliche Gesellschaft ihr es bieten möchte , zu vertauschen ? Selbst wenn ich Katholikin wäre , würde das Kloster mich nicht locken ; würde die Macht innerhalb der höchsten Beschränkung , die Herrschaft in den Banden des Zwanges und der Abhängigkeit mir keine Genugthuung bereiten ! versicherte die Gräfin . Herr zu sein über mich selbst , Herr zu sein in jeder Stunde über jede meiner Entschließungen , das allein ist es , wonach ich trachte , und ... Und was Sie sicher nicht erreichen werden , gnädige Gräfin , fiel der Geistliche ihr in das Wort , wenn Sie , Sich dem Willen der Frau Herzogin fügend , den Prinzen Polydor zu Ihrem Gatten wählen . Er war mit dieser Wendung wieder auf den Ausgangspunkt ihrer Unterredung zurückgekehrt , und ihn mit fragendem Erstaunen anblickend , zögerte die Gräfin , ihm eine Antwort zu geben . Der Abbé störte sie in ihrem Ueberlegen nicht . Er wußte , daß von der Fürstentochter bis herab zur niedrig geborenen Magd nicht leicht eine Frau der Versuchung widersteht , sich über ihre Herzensangelegenheiten und Ehestandsaussichten mit einem bedeutenden Manne zu besprechen , wenn dieser in denselben nicht betheiligt ist , und er hatte mit Sicherheit Eleonorens Frage erwartet , womit sie den Antheil verdiene , den er ihr beweise . Aber auch er ließ sie seine Antwort jetzt erwarten , und erst nach längerer Zeit , in der er mit sich zu Rathe gegangen zu sein schien , sagte er : Sie sind so jung , gnädige Gräfin , daß man sich immer wieder auf dem Fehler ertappt , an Sie die Maßstäbe anzulegen , nach welchen man die Mehrzahl der Frauen , die gewöhnlichen Jungfrauen in Ihrem Alter zu messen gewohnt ist . Diesen Fehler habe ich lange Zeit begangen , und Sie haben ihn mir mit einem Mißtrauen vergolten , das ich mit Beschämung als ein verdientes anerkennen muß . Wollen Sie mir diesen Fehler verzeihen , wollen Sie mir vergönnen , Ihnen ruhig auseinander zu setzen , in welcher Lage ich mich Ihnen gegenüber befinde , so werde ich Ihnen für das Erstere von Herzen danken und bin ich zu dem Letzteren bereit . Der Abbé hatte bis dahin vor Eleonoren gestanden . Jetzt , als sei er ihrer Zustimmung gewiß , rückte er einen Lehnstuhl für sie herbei , nahm einen Sessel ihr gegenüber ein , und er sah dabei mit besonderer Genugthuung , wie die Mienen der Gräfin sich geändert hatten , wie sie mit Spannung in seinem Antlitze zu lesen strebte , was er ihr zu sagen haben könne . Es würde mir und meinem Amte übel anstehen , hob er nach kurzem Ueberlegen an , wenn ich Ihnen aussprechen wollte , was die Gesellschaft der Sie umgebenden Männer Ihnen täglich und unablässig wiederholt , daß Sie an Schönheit die anderen Frauen überragen , daß der Mann glücklich zu preisen sein würde , dem es gelänge , Ihre Liebe und mit dieser den Besitz Ihrer Person zu gewinnen . Aber ich trage daneben kein Bedenken , Ihnen zuzugeben , was Ihnen , ich weiß es , von Seiten Ihrer früheren Erzieherin und Ihres geistlichen Berathers ebenfalls oft genug wiederholt werden mag , daß eine junge Frau von Ihrer ungewöhnlichen Begabung , von Ihrer Selbständigkeit und von Ihrem großen und unabhängigen Vermögen der Beachtung unserer Kirche nicht entgehen konnte . Wer überzeugt ist , die Wahrheit zu kennen und zu besitzen , muß , wenn er kein Elender ist , sie mitzutheilen und vor Allem diejenigen derselben theilhaftig zu machen wünschen , von denen er erwarten darf , daß sie starke Zeugen für die Wahrheit werden können . Wer die Herrschaft als ein ihm von Gott verliehenes Recht ansieht , muß nach den Mitteln trachten , welche ihm das Herrschen möglich machen , und ich bin viel zu sehr von dem heiligen Rechte unserer Kirche überzeugt , viel zu sehr von ihrer alleinseligmachenden Kraft durchdrungen und von der erhabenen Aufgabe beglückt , die mein Amt mir auferlegt , als daß ich anstehen sollte , Ihnen zu bekennen , wie es mein heißer Wunsch , mein heißer Wunsch gewesen ist , eine Frau von Ihrer hohen und eigenartigen Begabung , von Ihrem fürstlichen Vermögen - denn weltlicher Besitz giebt Macht - in die Reihen unserer Bekenner eintreten , und Sie wo irgend möglich früher oder später Sich zu der kleinen Schar der Auserwählten gesellen zu sehen , welche die Welt regieren , weil sie wissen , was der menschlichen Schwäche angemessen ist und wohlthut . Er hielt inne und sagte dann mit einem leisen Seufzer , der seiner männlichen Schönheit sehr wohl anstand : Ich habe , wie ich mit Beschämung erkenne , denn eines Irrthums hat der reife Mann sich stets zu schämen , mich mit einer falschen Hoffnung getragen , ich habe Sie nicht richtig beurtheilt . Ihr Sinn ist weniger groß , als ich mir ' s vorgestellt hatte ; er verlangt nicht nach Herrschaft , er scheut nur vor persönlicher Abhängigkeit zurück , und einer solchen würden Sie in der Ehe mit dem Prinzen nicht entgehen , denn der Prinz hat trotz seiner gewinnenden Umgangsformen die ganze Herrschsucht seiner Mutter . Es entstand eine Pause ; der Abbé war anscheinend von dem Gegenstande seiner letzten Erörterungen abgekommen , als er die Rede noch einmal auf Eleonorens Verbindung mit dem Prinzen lenkte . Aber sie beachtete das nicht . Man konnte sehen , daß ihre Gedanken mit irgend einem Gegenstande lebhaft beschäftigt waren , denn sie schaute schweigend vor sich hin , ohne ihre Blicke auf ihrer Umgebung haften zu lassen , und