zu : Prinz Louis sei in seinem Mantel verhüllt unter dieser Schwadron in der Stille mit ausmarschirt . In den Sälen , die als sehr bescheidene Pavillons des auch bescheidenen Restaurationsgebäudes in den Garten ausliefen , hatten einzelne Familien und Gesellschaften zum Abendbrod sich vereinigt . Die Lichter wurden schon angezündet , es sah aber wenig festlich aus , trotz der Astern und anderer Herbstblumen , die eine sorgende Hand wohl hie und da auf den Tisch gestellt . Luft und Boden , die Dielen auf dem Erdreich liegend , waren kalt und feucht , die Frauen hatten ihre Enveloppen , die Männer ihre Ueberröcke umgethan . Es war auch sonst ein Etwas , was die helle Freude nicht aufkommen ließ . In einem dieser Pavillons hatte der Geheime Kriegsrath Alltag seine Familie und einige Bekannte vereinigt . Als Fuchsius die Baronin vorüberführte , um sie nach ihrer Equipage zu geleiten , rief sie , durch die hellen Fenster blickend : » Herr Je - da geht ja Adelheid mit dem jungen van Asten . « - » Er war ihr hochverehrter Lehrer , « sagte der Rath , » und der alte Alltag hat zum Abschied alle nächsten Angehörigen zu sich gebeten « - » Geht er auch mit in den Krieg ? « - » Er nicht , aber seine Tochter . Die Königin folgt ihrem Gemahl ins Hauptquartier , und Mamsell Alltag ist , als Gesellschafterin der Viereck , bestimmt . Ihre Majestät zu begleiten . « - » Das ist eigen , « sagte die Baronin , » das schöne junge Mädchen in den Krieg ! Was man nicht erlebt ! Wissen Sie wohl , was ich glaube ? « - » Gewiß etwas Richtiges . « - » Der Alte mochte damals nicht die Brautschaft . Jetzt , glaube ich , gäbe er etwas drum , wenn die Adelheid beim jungen Asten geblieben wäre . Er ist ein solider Mensch , und die Leute meinen , er wird eine gute Karriere machen . Hübsch ist er nicht , aber es ist so etwas in ihm - man traut ihm aufs Wort . « Möglich , daß die Baronin das Richtige getroffen hatte . Der alte Alltag , der schweigsam in der Gesellschaft umherging , drückte bei einer Gelegenheit ganz besonders die Hand des jungen Asten , dankte ihm mit gerührter Stimme , daß er seine Tochter zu dem gemacht , was sie sei . Rührung war weder sonst noch jetzt das Departement des Geheimen Kriegsrathes . Die Geheimräthin brachte selten das Tuch von den Augen . Sie unterhielt sich mit dem alten Rittgarten , er musste ihr vom Krieg erzählen , wie weit man sich herangetrauen könne ohne Gefahr , ob die Franzosen auch auf Frauenzimmer schössen ? Nie war sonst ihren Gedanken etwas entfernter gewesen . » Sie ist noch gar nicht gereist , das Kind , einmal nur bis Potsdam , und nun muß ihre erste Reise gleich in den Krieg sein ! - Wer hätte das nur als möglich gedacht ; es wird doch Alles anders , als es sonst war . « - » Alles - Alles ! « sagte der alte Major , den Kopf schüttelnd , die Pfeife musste ihm heut nicht schmecken . » ' S ist Fügung des Himmels ; das muß uns wohl trösten , « sagte die Geheime Kriegsräthin , » aber - aber - « » Der Himmel fügt es , daß Alles aus dem Gefüge geht , und es wird noch mehr losgehen . Er weiß , warum . Es muß wohl nicht recht zusammengefügt gewesen sein . « Eine Konversation kam nicht auf . Wer zu sprechen anfing , brach plötzlich ab , im Gefühl , daß es Wichtigeres zu sprechen gab , und die Zeit war kostbar . Und dann hatte Jeder mit dem Andern etwas Besonderes zu sprechen . Wenn er fortgegangen , fiel ihm ein , daß er das vergessen , was ihm besonders auf dem Herzen lag . Welch ein Strom mütterlicher Ermahnungen war von den Lippen der Mutter geflossen , und immer besann sie sich , daß sie doch noch etwas Anderes , etwas Neues zu sagen hatte . Jetzt nahte die Scheidestunde . Adelheid konnte nicht zum Abendessen bleiben , der Wagen der Hofdame , der sie nach dem Palais bringen sollte , war angemeldet . Der Vater hatte eigentlich am wenigsten mit ihr gesprochen . Jetzt legte er seine Arme auf ihre Schultern : » Du , mein geliebtes Kind , mein Bijou ! Nun ich Dich verlieren soll , begreife ich erst , was ich in Dir gehabt habe . Und was ich hätte in Dir haben können , dann wäre ich Dir mehr gewesen und Du mehr mir . Ich hätte Dich besser verstanden , und Manches wäre besser - vielleicht ! Aber es hat nicht sein sollen . Andere sagen , der Mensch gehöre zuerst sich selbst und seiner Familie , und dann erst seiner Pflicht gegen den Staat . Ich verstand es anders . Gott wird wissen , wer Recht hat . Wenn Alles in der Welt wechselt , so wechseln wohl auch die Ansichten über die Pflichten . Aber ich glaube doch , wer das thut , was er gelernt hat , daß es recht sei , der thut Recht , und der himmlische Vater wird ihm vergeben , wenn er dabei auch mal Unrecht thut . - « Adelheid an seinem Halse wollte nichts davon wissen , daß ihr Vater gegen sie Unrecht gethan ; sie habe sich anzuklagen , daß sie nicht alle Pflichten eines Kindes gegen ihn erfüllt . Er schüttelte den Kopf : » Du warst ein ausgezeichnetes Kind , und für die hat die Vorsehung wohl besondere Gesetze . Sie führt sie Wege , die uns nicht gut dünken , aber sie leiten zum Ziel , das wir nur nicht sehen . So ist ' s mit Dir gekommen , und so wird es noch