! Ja ! Ja ! Ich besinne mich . Was war ' s doch ? Sie erwähnten Egmont ... Aha ! » Freudvoll und leidvoll « ? Nein ! » Du wirst sie nicht verachten , weil sie mein war ! « Richtig ! Geldermann-Deutz ! Reubund ! Nun weiß ich Alles ... Was doch Ideen-Association thut ! Ja , ja , mein Töchterlein ... Etwas keck , wild , nicht wahr ? Sie ist hübsch , sagt man . Sie hat ' s von der Mutter ! Die schlanke Taille ist von mir ; ich bin mager , spindeldürr . Aber eine Taille muß sein wie bei einer Wespe . Die Neigung zu compakteren Formen kommt erst in spätern Jahren , junger Mann ! Wie sagt Heinrich Heine ? » Kolossale Gliedermassen « ... oder wie ? Ah ! Es gab eine Zeit , wo ich meinen Heine auswendig konnte . Ein gutes Mädchen , besser als sie sich gibt , meine Melanie . Haben Sie sie reiten sehen ? Sie wollten im Heidekrug nicht , daß Ich von Fräulein Melanie als einer Amazone sprach . Ah , ja ! Ah , ja ! Ich entsinne mich - Richtig ! ... Nun , wissen Sie ... Wahrscheinlich dachten Sie an Herrn Lasally ... Das war ' s ! Sehen Sie , Sie kennen meine Empfindungen ... Ja , dieser Lasally ! Das ist auch so ein Thema , wo der Mensch ... Mein Bruder bewundert Ihr Fräulein Tochter , wie ich es that , wie Alle ! Ihr Herr Bruder ? Haben einen Bruder ? Ja , ja , ich besinne mich ; aber hören Sie , nicht Alle ! Wozu Alle ? Einer und der Rechte , der die Zügel kurz zu fassen versteht . Das wäre mir lieber ... ein Mann ! Ein Eroberer ! Ein rechter Held ! Herr Lasally ! sagte Dankmar boshaft . Der versteht sich auf kurze Zügel . Als Melanie diese Äußerung hörte , war es ihr , als drehte sich ihr das innerste Leben um . Sie fühlte einen Schmerz zum Aufschreien . Mit einem erstickten Ah ! ließ sie die beiden andern Lauscher stehen und schlich sich halbohnmächtig hinweg . Dieses letzte Wort war zu grausam gewesen . Schon die kalten Antworten , die Dankmar vorher gab , durchrieselten sie ; aber dies letzte : » Herr Lasally ! Der versteht sich auf kurze Zügel ! « ging über das Maß Dessen , was ihr Stolz , ihre unleugbare Liebe ertragen konnte , hinaus . Schlurck hörte oben eine Thür gehen und verstand , daß einer der Lauscher sich entfernt hatte ... wer anders , als der wichtigste , ihm wie sein Leben liebste ... Sie gibt die Partie auf ! sagte er zu sich selbst mit Schmerz ; hier ist keine Freundschaft möglich , hier ist kein Bundsgenosse für mich ! Noch einmal versuchte er noch , an Dankmar ' s Herz zu klopfen . Noch einmal sagte er : Heirathen Sie nur nicht zu früh ! Ein junger Mann , der eine bedeutende Zukunft erstrebt , darf nicht in die Knäuel der Strickstrümpfe gerathen ... Ich danke Ihnen , Herr Schlurck , antwortete Dankmar kalt , für diese Rathschläge , die ganz mit meinen eigenen Empfindungen zusammenstimmen . Mein Herz ist glücklicherweise derjenige Muskel meines Körpers , dem ich seit frühester Jugend , vielleicht durch zeitige Übung , eine große Kraft verlieh . Dieser Muskel besitzt viel Elastizität und ich habe ihn darin mit einem guten Magen auf eine Linie gestellt , ich fühl ' ihn nicht zu lebhaft . Ein Weiberfeind ? Geist und Schönheit können mich fesseln ... doch nur vorübergehend ... flüchtig . Und diese Erfahrung machen Sie überall ? Bis jetzt überall ! Ich habe einen zu kalten Verstand . Ich durchschaue zu bald die Eitelkeit und die Schwäche der Frauen , und wenn mich etwas entzückt hat und ich sehe dann , daß Das , was mich blendete , doch nur ein flüchtiger Schimmer ist und keine Grundsätze , keine Bürgschaften für die Zukunft geboten werden , und ich nun erst selbst , als Mann , ich Schwankender , ich Egoistischer , ich Grausamer , nur auf mich und meine Eitelkeit ohnehin Bedachter ... doch was verschwend ' ich die Zeit ! Der kleine Kläffer , Bello , mahnt schon wieder , daß wir ein Ende machen ... ... Damit stand Dankmar auf und Schlurck wußte nun entschieden , daß er für Melanie nichts zu hoffen hatte . Er wurde ernst und nahm sich zusammen und fiel in seinem Zorn erst auf Bello . Sie haben Recht , das Thier ist unerträglich , sagte er , und schien zu erwarten , daß sich Dankmar empfahl . Nun - sagte aber dieser staunend ... und der Schrein ? Die Dokumente ? Schlurck antwortete kalt : Sind im städtischen Archiv . Die Papiere werden bei den Akten figuriren . In der That ! Wirklich ? O , Das ist seltsam ! Schreiben Sie diese Unannehmlichkeiten dem Ihnen wohlbekannten Gange der Gesetze zu ! Wer hat die Aufsicht des städtischen Archivs ! Einer unserer gefeiertsten Alterthümler , dem wir die treffliche Abhandlung über die allmäligen Veränderungen unseres Stadtwappens verdanken ... Propst Gelbsattel ! Dankmar stampfte zornig mit dem Fuße auf . Er fühlte sich zu unglücklich über diese ihm unerwartete Wendung der Dinge . Er sah den Schrein im Geiste geöffnet , die Dokumente , die für ihn und seine Familie sprachen , vernichtet . Wer konnte ihn schützen ? Sie sahen die Papiere nicht ? rief er . Wissen nicht , daß ich in der Lage bin , Das , was etwa fehlen sollte , mit Aufopferung meines Blutes zurückzuverlangen und daß ich beschwören würde , Die , die etwa gewisse Papiere unterschlagen hätten , gehörten als Schurken und Bösewichter an denselben Pranger , der an der Ecke dieses Rathhauses durch eine eiserne Kette bezeichnet wird ? Ich weiß nichts , was Veranlassung zu so