Welthändel kümmern , sagt der gute Bürger . Und hat er dazu nicht ein Recht ? was er nicht eingerührt hat , braucht er nicht aufzuessen . Hat der Weizenbauer in Pyritz die französische Revolution gemacht , hat er consentirt zur Pillnitzer Alliance , oder hat er Napoleon zum Kai er ausgerufen ? Gott bewahre , er weiß von alledem nichts , hat nie was von dem wissen wollen ; aber büßen muß er jetzt : seine Pferde werden ihm ausgespannt , Fourage muß er liefern , seine Söhne muß er hergeben zum Todtschießen , und wenn die Franzosen gewinnen , frißt und prügelt ihn die Einquartierung , sie schmeißt ihn am Ende aus Haus und Bett , wenn er eine Frau hat , alles das die Wirkung aus der Ferne , und Niemand weiß , meine theuerste Baronin , wo das Uebel ihm sitzt und von wo es kommt . « Die Baronin schenkte ihm einen Blick , der zu verrathen schien , daß sie wenigstens die Ferne kenne , aus welcher sie die Wirkung empfunden . Der Geheimrath hatte für solche Blicke keine Augen und kein Gefühl . » Meine Beste , « sagte er , das Gesicht in eigenthümlicher Weise verkneifend , und beide Hände gegen die Seiten stemmend , » denken wir nicht an vergangene Thorheiten . Sie sollten nach Karlsbad . Hier , Gott weiß , was hier kommt ; die schwere Luft und Niemand weiß , was er in den Sonnenstäubchen runterschluckt , die er einathmet , wenn er den Mund aufthut . - Da - da können Sie ungenirt und frei leben . Ich ginge ja auch herzensgern , aber - ein Staatsmann und die Rücksichten . - Excuse ! « Mit einem raschen Sprung war er in den Gang zurück , aus dem er die Baronin unter so liebenswürdigem Gespräch bis in den Garten zurückgeführt hatte . Da trafen sich im Gewühl viele Bekannte , die wieder auf die Estraden stiegen . Die Stopfung auf der Straße war gelöst . Der Abendwind trieb den Staub nach einer jenseitigen Richtung . Herr von Fuchsius , der die vereinsamte Frau zuerst gewahrte , hatte ihr seinen Arm angeboten . Sie hätte wohl einen bessern Führer gewünscht , sagte er lächelnd , aber in dem Gedränge müsse man sich schon dem ersten Besten anvertrauen . » Wer in der Gefahr vereinsamt steht , ist verloren . « Ueberall Abschiedsscenen , Thränen , Tücher . » Sie waren eben Zeugin einer der tragischesten Abschiedsscenen ! « Die Baronin sah ihn verwundert an . » Herr von Bovillard scheint förmlich von seinem Verstande sich geschieden zu haben . Es ist der Abschied eines Verschwenders von seinem verschleuderten Gute . Er ist auf dem Wege , ein vollständiger Hypochonder zu werden . - Aber beachten Sie den Abschied dort , er ist weit trauriger , zwischen Vater und Sohn . « » Zieht der junge van Asten auch ins Feld ? « fragte die Baronin , denn dieser war es , dem sein Vater nach einem langen , wie es schien , eindringlichen Gespräch plötzlich den Rücken wandte . » Nur in die Freiheit - und der Alte vielleicht in das Schuldgefängniß . « Das Verhältniß war stadtkundig : » Mein Gott , wer hat denn da nun Recht ? Der junge Walter ist auch ein so braver Mann ! « Der Rath zuckte die Achseln : » Baroneß , das sind Fragen , auf die nur der liebe Gott Antwort weiß . « Die Baronin drückte plötzlich die Hand ihres Begleiters und der Freudenstrahl in ihrem Auge schien zu sprechen , daß der liebe Gott wohl Antwort gegeben habe . Der alte van Asten , der noch eben den Stock mit beiden Armen unmuthig auf die Erde gestampft und den Hut in die Stirn gedrückt hatte , um den Garten zu verlassen , war plötzlich stillgestanden . Eben so rasch wandte er sich um , und fiel dem Sohn , der ihm wehmüthig nachgesehen , um den Hals . Ob sie etwas gesprochen und was , wer konnte das hören , besonders jetzt , wo wieder ein feierlicher Marsch von Blaseinstrumenten durch die einbrechende Dämmerung schmetterte . Die Baronin riß ihren Führer auf die Estrade . War erst jetzt die Ordre gekommen ? Die Gensdarmen zogen aus der Stadt , um in einem benachbarten Dorfe Nachtquartier zu halten . Noch war es hell genug um sich zu erkennen , und ein letzter rother Schimmer färbte die Federbüsche und Gesichter der Reiter . Die Baronin ließ ihr Tuch wehen , er sah es und salutirte mit dem Degen . Sie sprach kein Wort , aber unverwandten Blickes starrte sie hin , bis die Gestalt sich in der Menge verlor , dann lehnte sie sich , wie erschöpft , auf die Schulter des Rathes . » Wir werden uns wiedersehen ! « kam es wie aus tiefster Brust . - Unfern von ihr schrie eine andere weibliche , Stimme : » Ich werde ihn nie wiedersehen ! Was soll aus mir werden ! « Charlotte war auf eine Bank gesunken . Zum Glück stand jetzt neben ihr ein ältlicher Herr - denn unter den übrigen Zuschauern schien keiner sich um den andern zu kümmern , ihre Blicke und ihre Gedanken gehörten den schönen , jungen ausmarschirenden Reitern allein an . Der ältliche Herr klopfte ihr auf die Schultern : » Charlotte , weine Sie nur nicht , gebe Sie sich zur Ruhe , es wird sich schon Alles finden , und ich verlasse Sie nicht . « Es war eine besondere Stimmung unter Allen , sehr verschieden von der lauten beim Vorüberziehen der frühern Regimenter . Hatte der Abend sie gemacht ? Waren die Gensdarmen grade die Lieblinge der Zuschauer ? Man hörte keine lauten Hurrahs , keinen jubelnden Zuruf , nur unterdrücktes Schluchzen . Vielleicht that ' s die Regimentsmusik ; sie spielte die Melodie eines alten Volksliedes von Morgenroth und frühem Tod . Nachher flüsterte man sich